Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gesetzesvorschlag: EU will Unternehmen Frauenquote diktieren

Lange hat die Politik die Männerseilschaften in der Wirtschaft geduldet - jetzt soll Schluss sein. Nicht nur Ursula von der Leyen, auch die EU will Konzernen vorschreiben, wie viele Frauen sie in ihren Vorständen haben müssen. Schon im Frühling will die Kommission einen Entwurf präsentieren.

EU-Binnenmarktkommissar Barnier: Es sei gut, Frauen an der Führung zu beteiligen Zur Großansicht
AFP

EU-Binnenmarktkommissar Barnier: Es sei gut, Frauen an der Führung zu beteiligen

Brüssel/Berlin - Es wird ernst beim Thema Frauenquote. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen kündigte im SPIEGEL für dieses Jahr bereits einen Vorschlag für eine gesetzliche Quote in den Führungsgremien deutscher Unternehmen an. Jetzt zieht EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier nach: "Ich stehe der Idee aufgeschlossen gegenüber, europaweit Frauenquoten einzuführen, beispielsweise in den Vorständen der großen börsennotierten Unternehmen", sagte Barnier der "Süddeutschen Zeitung".

Es sei "generell gut, Frauen an der Führung von Unternehmen oder auch Ländern zu beteiligen, nicht nur weil das gerechter ist, sondern auch weil es zu einer besseren Ausgewogenheit der Entscheidungen führt", erklärte der Franzose. Barnier ist innerhalb der Europäischen Kommission für Regeln zur guten Unternehmensführung und damit auch für Quoten zuständig.

Schon im April will der Kommissar einen konkreten Vorschlag machen. Er wollte sich aber nicht darauf festlegen, wie hoch die Quote ausfallen könnte. "Ich will noch keine Zahl nennen", sagte er der Zeitung. Dies sei in so einem frühen Stadium nicht sinnvoll.

Von der Leyen für 30-Prozent-Schlüssel

Jüngst hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung auf die Frauennot in deutschen Vorständen aufmerksam gemacht. Mehr als 90 Prozent der 100 größten Konzerne haben kein weibliches Vorstandsmitglied. Bei den Aufsichtsräten liegt die Quote bei zehn Prozent. Die Zahl der Frauen in Führungsgremien von Unternehmen schwankt innerhalb der EU erheblich.

Von der Leyen plädiert allerdings dafür, keine reine Frauenquote festzuschreiben, sondern einen 30-Prozent-Schlüssel, der als Mindest-Marge für Männer und Frauen gleichermaßen gelten solle. Dieser müsse sowohl für die Vorstände als auch Aufsichtsräte vor allem von börsennotierten Unternehmen gelten. "Wo genau die Grenze liegen soll, müssen wir auf der Grundlage ausländischer Erfahrungen diskutieren", sagt die Ministerin. An die Quote müssten Sanktionen gekoppelt werden, "sonst ist es weiße Salbe".

Familienministerium kündigt Gipfel im März an

Auch das Familienministerium dringt in Sachen Frauenquote auf Fortschritte. Ressortleiterin Kristina Schröder will ihre umstrittenen Pläne für eine flexible Frauenquote mit Spitzenmanagern abstimmen. "Wir planen, im März Vorstände von deutschen Unternehmen einzuladen und mit ihnen das zu diskutieren", sagte Schröder am Montag in der ARD. Die Konzerne könnte dabei auch noch ihre Ideen einbringen, wie der Frauenanteil in Chefetagen erhöht werden könnte.

yes/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Endlich !
kundennummer 31.01.2011
Zitat von sysopLange hat die Politik dem Machismus in der Wirtschaft tatenlos zugesehen - jetzt aber soll Schluss damit sein: Die EU will Konzernen verbindlich vorschreiben, wie viele Frauen sie in ihren Vorständen haben.*Schon im Frühling will die Kommission einen*Entwurf präsentieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,742544,00.html
Schön zu sehen das dieses brennenste aller Probleme jetzt offensiv angegangen wird. Der Fachkräftemangel bzw. fast schon -abwesenheit ist gerade in den Bonietagen offenkundig. Insgesamt wird die Umsetzung keine großen Probleme bereiten denn Aufschwung und nahende Vollbeschäftigung machen die Sache zu einem Kinderspiel.
2. ..
flowpower22 31.01.2011
Zitat von sysopLange hat die Politik dem Machismus in der Wirtschaft tatenlos zugesehen - jetzt aber soll Schluss damit sein: Die EU will Konzernen verbindlich vorschreiben, wie viele Frauen sie in ihren Vorständen haben.*Schon im Frühling will die Kommission einen*Entwurf präsentieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,742544,00.html
Eine Frauenquote ist natürlich groser Mist. Aber über 90% der blue chip Unternehmen haben kein einziges weibliches Vorstandsmitglied??!! Das kann doch eigentlich nicht wahr sein. Um diesen Irrsinn zu knacken, muss die so genannte Frauenquote her. Hoffentlich bringt es den erhofften Erfolg und die Quote kann schnell wieder dahin verschwinden, wo sie hin gehört - in die Schamkiste der Gesellschaften.
3. Glühbirnenverbot
idealist100 31.01.2011
Zitat von sysopLange hat die Politik dem Machismus in der Wirtschaft tatenlos zugesehen - jetzt aber soll Schluss damit sein: Die EU will Konzernen verbindlich vorschreiben, wie viele Frauen sie in ihren Vorständen haben.*Schon im Frühling will die Kommission einen*Entwurf präsentieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,742544,00.html
Na ja es geht so lange weiter bis es auch noch ein Verbot gegen das DENKEN bzw. ein Gebot was wir DENKEN dürfen,gibt. Sind wir besser als eine Diktatur? Nein!, wir haben eine Bürokratendiktatur. Schöne Woche noch.
4.
grenzdebil 31.01.2011
Gleichberechtigung? Sehr wichtig, ohne Frage. Aber per Gesetz aufgezwungene Frauenquoten? Ich halte mich eigentlich nicht für einen Macho, aber diese "Lösung" macht mich geradezu wütend. Zumal Sie mit echter "Gleich(!)-berechtigung" absolut nichts zu tun hat.
5. Regulierungswut
tieger, 31.01.2011
So wie die EU sich um die richtige Krümmung der Bananen sorgt und uns Glühlampen verbieten will hat sie nun ein neues Betätigungsfeld: Die EU will Konzernen verbindlich vorschreiben, wie viele Frauen sie in ihren Vorständen haben. Schon Simone de Beauvoir schrieb über ihre Geschlechtsgenossinnen: "Frauen akzeptieren die untergeordnete Rolle, um den Anstrengungen aus dem Wege zu gehen, die mit der Gestaltung eines authentischen Lebens verbunden sind." Eine ganze Industrie steht inzwischen Frauen zu ihrem Schutz und ihrer Förderung parat: Frauen werden von Gleichstellungsbeauftragten behütet, in Power-Seminaren gecoacht, von Arbeitgebern „bei gleicher Eignung bevorzugt“ und in manchen Konzernen schon per Quote an die Spitze geschleift. Kommt es ganz dicke, dürfen Frauen klagen: gegen ungleiche Gehälter, diskriminierende Absagen auf Bewerbungen und sexistische Witze in der Teeküche. Schon Spiegel Redakteur Jan Fleischauer schrieb: Die Kunst besteht darin, sich zu befreien und trotzdem Opfer zu bleiben."
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Illustration Michael Pleesz für den SPIEGEL, Foto: Reuters
Heft 5/2011:
Warum Deutschland die Frauenquote braucht
Eine Streitschrift

Inhaltsverzeichnis

Titelthema -: diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier kaufen Sie das Heft

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: