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Gestärkte Finanzaufsicht: EU sagt Rating-Giganten den Kampf an

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Sie gelten als Bösewichte der Finanzbranche: Die drei großen Rating-Agenturen sollen Mitschuld an der Finanzkrise tragen, mit ihren Abwertungen bringen sie ganze Staaten in Bedrängnis. Jetzt plant die EU eine schärfere Aufsicht. Doch kann sie die Prüfungsriesen wirklich bändigen?

Standard & Poor's in New York: Drei große Agenturen beherrschen 95 Prozent des Marktes Zur Großansicht
dpa

Standard & Poor's in New York: Drei große Agenturen beherrschen 95 Prozent des Marktes

Hamburg - Wie groß ihr Einfluss wirklich ist, lässt sich nicht an den jährlichen Milliardenumsätzen festmachen. Oder an der Größe der Belegschaft. Was die Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch so mächtig macht, ist ihre Rolle als Orakel der Finanzmärkte.

Mit ihren Noten für Staaten und Unternehmen setzen sie täglich Milliardensummen in Bewegung. Stufen die Agenturen eine Anlage herunter, verbreitet sich schnell Unruhe unter den Anlegern. So wie im Falle Griechenlands, als Standard & Poor's (S&P) die Anleihen des hoch verschuldeten Landes auf Ramsch abwerteten. Die ohnehin hohen Zinsen, die Athen den Abnehmern der Staatspapiere zahlen muss, stiegen weiter. Die Umschuldung drohte zu scheitern.

Politiker werfen den Agenturen darum eine erhebliche Mitschuld an der Euro-Krise vor. Ihre Urteile seien widersprüchlich und unverantwortlich, heißt es parteiübergreifend. Und die EU-Kommission schmiedet bereits Pläne, um die sogenannten "Big Three" stärker zu kontrollieren. Ab 2011 soll eine neu geschaffene Brüsseler Behörde Geschäftsräume der Rating-Agenturen durchsuchen, Verdächtige vernehmen und auch Geldstrafen verhängen können. EU-Kommissar Michel Barnier stellt die Pläne am Mittwochnachmittag in Brüssel vor.

Ob die strengere Aufsicht etwas bringt, ist allerdings ungewiss. Denn das Hauptproblem der Rating-Branche ist das Oligopol: Die drei großen US-Agenturen beherrschen den Markt, sie teilen sich 95 Prozent der Bonitätsbewertungen. Und obwohl ihre Rolle auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2007 heftig kritisiert wurde, hat sich daran so gut wie nichts geändert. Die Agenturen haben die Finanzkrise nicht nur nicht vorhergesehen - sondern mit erstklassigen Bonitätseinstufungen für dubiose strukturierte Wertpapiere sogar mitverursacht.

Die Manager spielen die eigene Bedeutung runter

Zwar gibt es inzwischen mehrere kleine Konkurrenten, doch sie spielen auf dem Weltmarkt bislang kaum eine Rolle. Bis auf einen Imageverlust ist den "Big Three" also bislang nichts passiert, ihre Macht ist ungebrochen.

Die Top-Manager zeigen sich daher von der Kritik noch recht unbeeindruckt. Deven Sharma, Chef von Standard & Poor's, etwa spielt die eigene Macht in einem Gastbeitrag für das "Wall Street Journal" herunter. Ratings seien nur "ein Aspekt bei einer Investitionsentscheidung", es werde nur "die Wahrscheinlichkeit beurteilt, dass ein Kredit rechtzeitig und vollständig zurückgezahlt wird".

Sharma wurde im Zuge der Finanzkrise an die Spitze der Agentur berufen, die mehr als 12.000 Unternehmen in 100 Ländern bewertet. "Mr. Fix-it" nannte ihn die "Financial Times Deutschland", er musste die Scherben seiner Vorgängerin Kathleen Corbet aufsammeln. Auf einen Schlag stufte Standard & Poor's nach Sharmas Amtsantritt Tausende strukturierte Wertpapiere herunter. Papiere mit einem Volumen von über einer halben Billion Dollar waren plötzlich so gut wie wertlos, die Besitzer erlitten Milliardenverluste.

Nur Überbringer schlechter Nachrichten?

Den Agenturen droht wegen umstrittener Bewertungen eine Klagewelle, mehrere US-Richter haben zuletzt entschieden, Klagen von Investoren zuzulassen. Für problematisch halten Beobachter, dass Fitch und Co. nach wie vor von den Unternehmen selbst bezahlt werden: Das wäre so, als ob ein Schüler seinen Lehrer fürs Zeugnis bezahlt - und deshalb mit lauter Einsen rechnen können.

Im Falle der Abwertung von Staaten trifft diese Kritik jedoch nicht. Die Agenturen sehen sich in der Rolle der Überbringer einer schlechten Nachricht zu Unrecht am Pranger. Moritz Kraemer, Verantwortlicher für die Euro-Länder bei Standard & Poor's, weist jede Schuld an der Euro-Krise von sich: Ein Rating sei nur eine Meinung unter vielen, sagte Kraemer der "Zeit", zudem seien die Finanzmärkte "schon seit Monaten wesentlich pessimistischer als wir".

Ein Länder-Rating bei Standard & Poor's wird jeweils von mindestens fünf Analysten erstellt. Sie prüfen Steueraufkommen, Verschuldung, Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate und Arbeitslosenquote. Tatsächlich sagen auch Experten, dass die Agenturen im Falle Griechenlands zu spät reagiert haben. Mit ihren Abwertungen haben sie jedoch "den Brandbeschleuniger gespielt", sagt Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen.

"Ich werde seit 20 Jahren angemeckert"

Denn das Problem ist, dass viele Banken keine Anleihen mit Ramschstatus halten dürfen - und daher gezwungen sind, die Papiere abzustoßen. Unter anderem galt dies bis vor kurzem auch für die Europäische Zentralbank (EZB). Diese hat ihre Regeln inzwischen aufgeweicht, doch Schick fordert, angesichts der Krise das gesamte System zu reformieren und damit die Macht der Rating-Agenturen zu beschneiden.

"Das Oligopol der Big Three muss gebrochen werden", sagt der Grüne. "Die Vorschläge der EU-Kommission gehen da nicht weit genug."

Ähnlich äußerte sich der Chef der französischen Zentralbank, Christian Noyer. Neben einer europäischen Rating-Agentur könnten auch Kreditversicherer eigene Bewertungen vornehmen, sagte Noyer dem "Handelsblatt": "Sie haben das Wissen, eine entsprechende Erfahrung, und sie müssen sogar bezahlen, wenn die Ratings falsch sind."

Dass die mächtigen Agentur-Chefs die europäischen Bemühungen fürchten, ist allerdings kaum zu erwarten. Am Mittwoch muss Moody's-Chef Raymond McDaniel vor der US-Finanzkrisen-Kommission aussagen. "Ich bin seit 20 Jahren hier und werde seit 20 Jahren angemeckert", tönte McDaniel einmal. "Und wenn ich dann in 20 Jahren noch hier bin, wird man mich immer noch anmeckern."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. unsinniges rating-bashing
juxeii 02.06.2010
Zitat von sysopSie gelten als Bösewichte der Finanzbranche: Die drei großen Rating-Agenturen sollen Mitschuld an der Finanzkrise tragen, mit ihren Abwertungen bringen sie ganze Staaten in Bedrängnis. Jetzt plant die EU eine schärfere Aufsicht. Doch kann sie die Prüfungs-Riesen wirklich bändigen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,698291,00.html
es wird neben der spekulanten- nun auch noch die ratingsau durchs dorf getrieben. die eigentliche ursache, also die mißwirtschaft in den jeweiligen ländern, soll bloß nicht zu stark in den vordergrund gedrängt werden. denn die technokraten in brüssel träumen ihren feuchten EU-traum weiter und wollen die bevölkerungen bei laune halten. eigene fehler zugeben? -> ja, aber die anderen(spekulaten- und ratingteufel) sind noch viel schlimmer! es ist doch ganz einfach: wer einmal in geldsachen vertrauen verloren hat, dem leiht man eben nur noch geld mit erhöhten zinsen, oder gar keins mehr. es spielt dabei für eine zeit lang keine rolle was derjenige tut. solange man der meinung ist, dass derjenige nicht sinnvoll wirtschaften kann, solange kann er weiterhin geld ausgeben, oder sich zu tode sparen, es wird ihm nichts nützen. erst wenn das vertrauen wiederkehrt(und bei staaten kann dies nicht im wochenrhythmus schwanken), dann hat derjenige wieder eine chance zu vernünftigen zinsen geld zu bekommen. sparpakete müssen erstmal greifen, sie allein zu beschließen reicht noch nicht, denn nur durch lippenbekenntnisse bekommt man von heute auf morgen auch keine kohle. es kommt auf eine dauerhafte umsetzung an und diese entwicklung braucht nunmal zeit.
2. Ein typischer Fall
bloggide 02.06.2010
Ein typischer Fall von "den Überbringer Schlechter Nachrichten töten". Die von den Regierungen selbst geschaffenen Probleme werden nicht dadurch verschwinden, dass man diejenigen zensiert, die jenseits des Feuilletons Klartext sprechen. Aber wenn Sie meinen, Herr Sarkozy, Frau Merkel, Herr Berlusconi.
3. nüchtern und objektiv betrachtet
CHANGE-WECHSEL 02.06.2010
Zitat von sysopSie gelten als Bösewichte der Finanzbranche: Die drei großen Rating-Agenturen sollen Mitschuld an der Finanzkrise tragen, mit ihren Abwertungen bringen sie ganze Staaten in Bedrängnis. Jetzt plant die EU eine schärfere Aufsicht. Doch kann sie die Prüfungs-Riesen wirklich bändigen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,698291,00.html
Die Rating-Agenturen sind nichts anderes wie die Verwalter der Hölle. Und es müsste jeder Politikerin und Politiker übel aufstoßen, dass diese 3 amerikanischen Agenturen zwar Europäische Länder wie Griechenland oder Spanien herab stufen, doch die USA mit den meisten unbezahlbaren Schulden auf der Welt, bewerten sie viel besser. Dabei müsste die USA und Großbritannien die Schlusslichter aller Ratings markieren.
4. Luftnummer
Ulf84 02.06.2010
Zitat von sysopSie gelten als Bösewichte der Finanzbranche: Die drei großen Rating-Agenturen sollen Mitschuld an der Finanzkrise tragen, mit ihren Abwertungen bringen sie ganze Staaten in Bedrängnis. Jetzt plant die EU eine schärfere Aufsicht. Doch kann sie die Prüfungs-Riesen wirklich bändigen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,698291,00.html
Und wieder spricht keiner der Politiker über ihre eigene Schuld. Wer macht die Spielregel und wer ist für die Spielregeln verantwortlich? Warum benötigt man eine Bewertung durch eine der großen drei Ratingagenturen, weil die Politiker diese so wollten und entsprechende Regeln beschlossen haben. Erst Macht verteilen und dann jammern weil man die Macht abgegeben hat. Fehler sind nichts schlimmes, aber man sollte auch den Mut haben entsprechende Fehlerursachen zu benennen und diese dann korrigieren. Ich bezweifle die Redlichkeit dieses Vorhabens, ich vermute es soll nur eine Fundamentierung der 'AAA'-Ratings aller Euro Ländern erreicht werden. So kann man Probleme auch lösen, immer schön den Teppich drüber. Warum wird es keine unabhängige und kompetente Ratingagentur ohne politischen Einfluss geben? Ganz einfach, weil diese Agentur würde zuallererst einige der verbleibenden AAA Bewertungen in Europa und der USA einkassieren. Man kann natürlich eine Marionette der Politik schaffen, aber wer würde auf ein solches Rating auch nur einen Cent geben?
5. Schwachsinn
D.Meinung, 02.06.2010
Was für ein Schwachsinn. Rating Agenturen stellen Zeugnisse as, die Leistung müssen schon die bewerteten Staaten bringen. Die EU ist dabei, sich zusehends in die Ecke zu manövrieren und sich der Lächerlichkeit preis zu geben. Man versucht mit aller Kraft, die Überbringer der schlechten Nachrichten zum Schweigen zu bringen. Das wird genausowenig klappen, wie die Rückzahlungen aus Griechenland. Vielleicht sollten Merkel, Sarkozy, Barroso, etc. mal den Tatsachen ins Auge sehen: die Eurozone, so wie sie dzt angelegt ist, ist zum Scheitern verurteilt. Anstatt sinnloser Verbote ist Realismus gefragt - und der kann nur darauf hinauslaufen, die Eurozone drastisch zu stutzen und auf Staaten mit verleichbarer Wirtschaftskraft zu beschränken. Kurz gesagt - keine Mittlemeeranrainer.
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

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Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall


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