Folgen der Digitalisierung Gewerkschaften lehnen bedingungsloses Grundeinkommen ab

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist nach Ansicht der Gewerkschaften keine Lösung zur Abfederung der Digitalisierung. DGB-Chef Reiner Hoffmann warnte davor, "Menschen mit einer Stillhalteprämie aufs Abstellgleis zu stellen".

DGB-Kundgebung am 1. Mai 2015
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DGB-Kundgebung am 1. Mai 2015


Die Digitalisierung der Wirtschaft dürfte beim diesjährigen Tag der Arbeit am 1. Mai ein wichtiges Thema sein. Die Gewerkschaften haben sich in der Debatte nun klar gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgesprochen. "Menschen mit einer Stillhalteprämie aufs Abstellgleis zu stellen, weil ihnen keine Perspektive in der Erwerbsarbeit angeboten werden kann, ist keine Lösung", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen sei "eine absolute Fehlorientierung".

Arbeit sei mehr als Broterwerb, sagte Hoffmann. Sie strukturiere den Alltag, sorge für Teilhabe und sozialen Zusammenhalt. Ob die Digitalisierung traditionelle Jobs vernichte, ohne dass in gleichem Maße andere entstehen würden, sei noch offen, sagte Hoffmann. "Schon in den Siebzigerjahren hieß es, Roboter und technologischer Fortschritt machen arbeitslos." Das sei jedoch kein Automatismus. Es sei zudem unklar, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziert werden könnte.

Beim bedingungslosen Grundeinkommen handelt es sich um eine staatliche Leistung, die jeder unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage und ohne Gegenleistung erhält und die ein einigermaßen auskömmliches Leben sichern soll. Sie wird von Politikern verschiedener Parteien gefordert. Nicht zu verwechseln ist sie mit dem solidarischen Grundeinkommen, das Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) vorgeschlagen hat und bei dem Leistungsempfänger gemeinnützige Arbeiten verrichten sollen.

IG Metall fordert Qualifizierung statt Alimentierung

Auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sprach sich gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Die Menschen seien "nicht glücklich, wenn sie daheim sitzen und alimentiert werden", sagte Hofmann der "Heilbronner Stimme". "Sie wollen arbeiten und das möglichst qualifiziert."

Der IG-Metall-Chef forderte, mögliche Auswirkungen der Digitalisierung und des Technologiewandels in der Automobilbranche dürften nicht auf die Gesellschaft abgeladen werden. "Wir müssen uns bemühen, dass jeder Erwerbstätige auch in der Arbeitswelt von morgen eine Chance hat", sagte Hofmann.

Um die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, brauche es klare Ansagen in der Sozialpolitik. Es könne nicht sein, dass Beschäftigte, die durch den technologischen Wandel und die Globalisierung arbeitslos würden, "in die Mühle von Hartz IV geraten", sagte Hofmann. "Solange diese Angstgefühle nicht weg sind, die uns die Agenda 2010 tief implantiert hat, ist es extrem schwer zu sagen: Wir haben einen Sozialstaat, der fängt euch auf, der gibt euch Chancen auf Qualifizierung. Ihr müsst keinen sozialen Abstieg befürchten." (Lesen Sie hier eine Analyse "Was an Hartz IV wirklich abgeschafft gehört".)

Forscher sieht Jobs der Mittelschicht gefährdet

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, forderte im "Tagesspiegel", Beschäftigte müssten der Digitalisierung mit mehr Flexibilität und lebenslanger Weiterbildung entgegentreten. "Gerade gut bezahlte Industrie- und Bürojobs der Mittelschicht sind gefährdet", schrieb Fratzscher. "Es muss mehr Geld in die Weiterbildung fließen." Er schlug vor, dass für jeden Volljährigen 20.000 Euro bereitgestellt würden, mit denen im Laufe des Berufslebens Weiterbildungen, Umschulungen, aber auch familiäre Pflegezeiten bezahlt werden könnten.

mmq/AFP/dpa

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Lankoron 30.04.2018
1.
Ein Grundeinkommen würde ja gerade Zeit zu Qualifizierung und Fortbildung geben, würde es Menschen ermöglichen, sich entsprechend ihren Vorstellungen zu bewegen, anstatt aus Lebenserhaltungsgründen irgendeinen schlecht bezahlten Job zu erledigen. Natürlich wäre so ein Grundeinkommen gefährlich für Gewerkschaften, da ja plötzlich nicht mehr der Verdienst die Hauptanimation zum Arbeiten ist.
rdo 30.04.2018
2. werden ja denn nicht mehr gebraucht
Klaar, dass die dagegen sind: wenn der Staat mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen permanent ein Streikgeld zahlt muß ja niemand mehr in der Gewerkschaft sein.
sraab 30.04.2018
3. Die Ablehnung des BGE
zeigt vor allen Dingen eines. Es sind die Gewerkschaften des Systems, nicht die der Menschen. Die Abschaffung des Human Kapitals als Messgröße des Kapitalismus ist meines Erachtens der einzige erfolgsversprechende Schritt. Es ist nicht genug Arbeit für alle da. Solange auch Gewerkschaften den Verteilungskampf fordern und schüren, wird sich daran nichts ändern. BGE heißt nicht Sozialismus, sondern schafft ein System, in dem der Mensch als Mensch wert geschätzt wird. Wer in den Urlaub Reisen will, wer ein schöneres Auto fahren will etc - der wird weiter arbeiten. Nur wird er sich überlegen, welche Arbeit er annimmt. Ja, es gibt berechtigte Einwände, aber das Gesamtbild ercheint meines Erachtens positiv.
echoanswer 30.04.2018
4. Und was bitte ist Hartz IV?
Wer heute für Mindestlohn arbeitet hat weniger Netto als ein Hartz IV-Bezieher. Warum also arbeiten, außer als Kampf gegen die Langeweile? Die Gewerkschaften haben schon lange jeden Kontakt zur Realität verloren.
hypnos 30.04.2018
5.
Hartz IV ist nichts anderes als eine Stillhalteprämie. Bloß mit Quälerei und Sanktionen bis zu Kürzungen auf Null. Wenn es ja die Jobangebote gäbe. Alles dreckige Lügen der Medien und der Staatspartei. Kein Förden, Nur ständiges Fordern. Wann machen sich die Gewerkschaften ehrlich. Die SPD ist sowieso verloren und nie mehr wählbar. Basta. .
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