Konsumklima Krisen verderben Deutschen die Kauflaune

Die Verbraucher in Deutschland verlieren den Optimismus: Ihre Kauflaune nimmt dem Gfk-Institut zufolge rapide ab, der entsprechende Index fiel stark. Schuld ist auch die Verunsicherung wegen der Krisen in der Ukraine und in Nahost.

Konsumenten in Elektro-Markt in Berlin: Teure Güter nicht mehr so begehrt
REUTERS

Konsumenten in Elektro-Markt in Berlin: Teure Güter nicht mehr so begehrt


Berlin/Nürnberg - Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten verunsichern die deutschen Verbraucher zunehmend. Ihre Stimmung trübte sich zum zweiten Mal in Folge ein, teilten die Marktforscher des Gfk-Instituts mit. Der Konsumklimaindex für Oktober fiel um 0,3 auf 8,3 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Februar. Bereits im Vormonat war das Barometer derart stark gefallen. Sollte sich die Lage verschärfen, könnte der private Konsum seine Rolle als wichtige Stütze der Konjunktur verlieren, warnten die Konsumforscher.

"Vor allem die internationalen Krisen scheinen das Konsumklima derzeit etwas zu bremsen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Die Verbraucher blickten skeptischer auf die Konjunktur und ihre künftigen Finanzen. Zudem lasse die Bereitschaft nach, teure Güter wie Möbel oder Fernseher zu kaufen.

Damit zeigt sich, dass die schlechten Nachrichten nun spürbar bei den Konsumenten angekommen sind. Der Rückgang ihrer Kauflaune im vergangenen Monat war der erste seit Januar 2013, nun verfestigt sich dieser Trend. "Die anhaltend angespannte geopolitische Lage hat den Optimismus weiter schwinden lassen", sagte Bürkl.

Konsumlaune immer noch überdurchschnittlich

Zuletzt hatte auch das Ifo-Geschäftsklima gezeigt, dass der deutschen Wirtschaft ein eher trüber Herbst bevorsteht. Die Stimmung in den Chefetagen sank bereits den fünften Monat in Folge und ist nun so schlecht wie seit knapp anderthalb Jahren nicht mehr. Für das zu Ende gehende dritte Quartal rechnen die meisten Experten nur mit einer Stagnation oder einem leichten Wachstum.

Bei näherer Betrachtung ist die Entwicklung des Konsumklimas jedoch nicht an allen Stellen dramatisch. So gingen zwar die Erwartungen der rund 2000 befragten Verbraucher bezüglich der Konjunktur weiter zurück, allerdings nur um sechs Punkte. Im Vormonat war es noch ein Rückgang um 35 Punkte gewesen. Zudem liegt dieser Indikator immer noch um 4,4 Punkte über dem langjährigen Durchschnitt.

Ähnliches gilt für die individuellen Einkommenserwartungen der Verbraucher, die zwar leicht gesunken sind, angesichts eines stabilen Arbeitsmarkts, steigender Realeinkommen und der sehr niedrigen Inflation deutlich über den Durchschnittswerten der Vergangenheit liegen. Auch die niedrigen Zinsen lassen die Verbraucher ihr Geld lieber ausgeben, als es zu sparen.

fdi/Reuters/dpa



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elizar 26.09.2014
1.
Ich frage mich immer, wer "die Deutschen" sind. Ich hab noch nie jemanden sagen hören: "Wegen IS und Ukrainekrise kaufe ich jetzt keinen Fernseher mehr."
rosskal 26.09.2014
2. Vorsorge ist gefragt
Viele Deutsche haben Angst vor einem kommenden Währungsverfall. Wielange ist der Euro noch zu halten? Im Bekanntenkreis wird Geld in Schließfächern gelagert oder es werden Silber und Gold gekauft. Zahlreiche Menschen sind aufgrund der vielen Krisen auf Vorsorge gebürstet.
teldg 26.09.2014
3. Der Winter naht ...
... und der Streit mit den Russen wird mit 101%iger Sicherheit die Preise für Energie in die Höhe schiessen lassen. Wundert mich eigentlich nicht, dass den Leuten langsam die Kauflaune vergeht.
susiwolf 26.09.2014
4. Volkswirtschaft ist Psychologie ...
Die Amplituden der Konjunktur - ein 'auf' und 'ab' wie es im Buche der Volkswirtschaftler steht. Nun geht die Angst um: "Lieber etwas mehr (fast zinslos) auf dem Konto lassen, wer weiss, was noch alles kommt." Tausende von Psychologen können sich das sicherlich erklären. Müssen sie das ?
kurosawa 26.09.2014
5. nicht die laune...
...sondern das geld ist der grund. jedenfalls bei dem heer der schlecht bezahlten arbeitnehmer. steigende kosten und kein ausgleich.
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