Treffen in Riga Varoufakis soll Euro-Verhandlungen mitgeschnitten haben

Gianis Varoufakis nimmt offenbar seine Gespräche mit den Finanzministern der Euro-Gruppe heimlich auf. Einen entsprechenden Bericht der "New York Times" wollte der griechische Politiker nicht dementieren.

Varoufakis Ende April in Riga: "Lassen Sie mich sagen, dass ich das mit jeder Faser meines Körpers dementiere"
REUTERS

Varoufakis Ende April in Riga: "Lassen Sie mich sagen, dass ich das mit jeder Faser meines Körpers dementiere"


Das Treffen der Euro-Gruppe in Riga war für Gianis Varoufakis ziemlich desaströs verlaufen. Ärgerlich genug für den griechischen Finanzminister, dass er sich mit seinen Amtskollegen wieder nicht auf ein umfassendes Reformpaket einigen konnte. Varoufakis musste sich bei dem Treffen Ende April nach Angaben von Teilnehmern auch noch als "Spieler, Zeitverschwender und Amateur" beschimpfen lassen.

Nun sagt Varoufakis der "New York Times": "All diese Berichte, dass ich beleidigt wurde, als Zeitverschwender bezeichnet wurde und all das: Lassen Sie mich sagen, dass ich das mit jeder Faser meines Körpers dementiere."

Das könne er wohl zumindest theoretisch auch beweisen. Er habe die Gespräche bei dem Treffen aufgezeichnet, sagte Varoufakis der "NYT"-Journalistin Suzy Hansen. Um die Vertraulichkeit des Euro-Gruppen-Treffens zu wahren, könne er die Aufnahmen allerdings nicht veröffentlichen.

Am Mittwochabend ließ Varoufakis eine Erklärung verbreiten, in der er den Bericht nicht dementierte. Stattdessen teilte er allgemein mit: "Mein Respekt für die Vertraulichkeit meiner Gespräche mit meinen Partnern, mit meinen Kollegen, mit den Institutionen, ist beispielhaft und ich glaube, dass das von jedem anerkannt und verstanden wird."

Ärger mit Schäuble und der "Zeit"

Gleichwohl dürfte Varoufakis sein ohnehin angespanntes Verhältnis zu seinen Amtskollegen nicht gerade verbessern, wenn er ihre Gespräche mitschneidet. Gerade erst hatte er mit Aussagen über Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für Aufsehen gesorgt.

Die Wochenzeitung "Die Zeit" zitiert Varoufakis in ihrer aktuellen Ausgabe unter anderem mit diesem Satz über Schäuble: "Er erkennt nicht, wie hilfreich es für die Mainstream-Nordeuropäer wäre, eine Übereinkunft mit einer Bewegung wie Syriza in Griechenland zu erzielen." Schäuble mache daher Fehler bei der Analyse der Lage in Griechenland.

Das Bundesfinanzministerium wies die Vorwürfe zurück: "Ich glaube nicht, dass dem Minister und seinem Denken und Handeln hier Denkfehler zugrunde liegen", sagte Schäubles Sprecherin Friederike von Tiesenhausen.

Varoufakis warf Medien in seinem Blog eine Verzerrung seiner Aussagen vor. Vergleicht man aber die Übersetzung der "Zeit" mit den von Varoufakis dokumentierten Antworten, fallen keine groben Übersetzungs- oder Interpretationsfehler auf.

syd

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insgesamt 219 Beiträge
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Seite 1
thinking_about 21.05.2015
1. Ist es nicht
durchaus verständlich, daß es protokollieren möchte, was in den Gremien besprochen wurde, was sein Land tangiert, um es seiner Regierung auch zur Kenntnis zu bringen und um es für sich noch einmal zu rekapitulieren? Wer behält das alles im Kopf nachträglich wortgenau? Zumindest ist die Außenberichterstattung wohl etwas abweichend von dem, was wirklich besprochen wurde, wohl wie so oft. Daß er nicht alles davon öffentlich preisgeben wird, ist ihm wohl klar und er will dies auch nicht.
SichtausChina 21.05.2015
2. Recht hat er
Der alte Mann in Deutschland ist natürlich völlig überfordert. Er extrapoliert die banalen deutschen Verhältnisse auf die Welt, und meint damit andere Völker belehren zu können. Noch sitzt er am längeren Hebel, weil er finanziell stärker ist, doch wenn die Bewegung von unten weiter wächst, dann sind die Villen nicht mehr sicher. Das scheint Schäuble nicht in den Kopf zu wollen.
ensho 21.05.2015
3. Ja halloo ?
wer tickt denn da nicht richtig ? Was bitteschön soll grundsätzlich falsch an Gesprächsprotokollen sein ? Ich bitte sogar ausdrücklich darum das solcherart Verhandlungen zwischen VolksVertretern protokolliert werden. bzw halte dieses für selbstverständlich. Wie sollen die denn sonst morgen noch wissen was sie heute sagten ? (Mal angenommen es würde sie interessieren)
Mvk 21.05.2015
4.
Das ist eigentlich eine gute Sache. Schließlich sind wir Bürger im Moment in der absurden Lage, das unser Privates von staatlichen Stellen ausgeforscht und beinah alles die Allgemeinheit betreffende unter Verschluss gehalten wird.
eks2040 21.05.2015
5. GR - Varoufakis, FinMin
Es ist wohl nicht ueblich, Besprechungen auf Band mitzuschneiden, das ohne Vorankuendigung. GR hatte keine Glaubwuerdigkeit, und die kommt auch nicht wieder. Also, warum reden die Politiker noch??? Schweigen und handeln ist gefordert und auch die einzig richtige Loesung. Karl
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