Gigantisches Plus Wie die Superreichen der britischen Tristesse trotzen

Der britische Aufschwung lahmt, doch Londons Superreiche haben sich von der Wirtschaftskrise schon fast wieder erholt. Die neue "Rich List" der "Sunday Times" zeigt rekordverdächtige Vermögenszuwächse bei Hedgefonds-Managern, russischen Oligarchen und indischen Schwerindustriellen.

REUTERS

London - Man muss lange suchen, bis man in der britischen Wirtschaft einen Sektor findet, der 30 Prozent Wachstum aufweist. Die Zahlen sind immer noch durchwachsen: Das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2010 liegt gerade mal bei 0,2 Prozent, die Arbeitslosigkeit ist auf 2,5 Millionen gestiegen. Und die Staatsfinanzen sind in einem katastrophalen Zustand.

Eine Gruppe jedoch scheint sich deutlich schneller zu erholen als der Rest des Landes: Die oberen Tausend der Gesellschaft konnten ihr Vermögen im abgelaufenen Jahr um satte 77 Milliarden Pfund auf 335 Milliarden Pfund steigern. Das geht aus der am Wochenende veröffentlichten "Sunday Times Rich List 2010" hervor. Die jährliche Rangliste der tausend reichsten Personen in Großbritannien ist so etwas wie ein Pulsmesser des Londoner Geldadels.

Der Vermögenszuwachs von 30 Prozent innerhalb eines Jahres ist laut "Times" ein Rekordwert in der 21-jährigen Geschichte der Liste. Vor allem illustriert er die rasante Achterbahnfahrt, die viele Superreiche in der Krise erlebt haben.

Bei der Veröffentlichung der letzten Rangliste vor einem Jahr war noch von einem "Fegefeuer der Milliardäre" die Rede gewesen. 155 Milliarden Pfund Vermögen waren allein in Großbritannien in der Krise vernichtet worden. Die Zahl der Milliardäre sank von 75 auf 43.

Nun ist der Milliardärsclub wieder auf 53 Mitglieder gewachsen, unter den Newcomern sind Hedgefonds-Manager, Textil-Discounter und Rohstoffhändler. Viele Vermögen haben sich wundersam vervielfacht. Der reichste Mann auf der Insel, der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal, konnte sein Vermögen in diesem Jahr auf rund 22 Milliarden Pfund verdoppeln - vor allem dank der Erholung an den Aktienmärkten. Er ist jedoch noch nicht wieder so reich wie am Ende des Booms: 2008 wurde Mittal auf knapp 28 Milliarden Pfund taxiert.

Abramowitsch steigert Vermögen um 400 Millionen Pfund

Auch der Zweitplatzierte Roman Abramowitsch, russischer Öl-Oligarch mit Wohnsitz in London und Besitzer des FC Chelsea, arbeitet daran, wieder auf den Stand von 2008 zu kommen. Im vergangenen Jahr war er von 11,7 auf sieben Milliarden Pfund gefallen. In der aktuellen Liste konnte er um 400 Millionen zulegen, auf 7,4 Milliarden Pfund.

Noch besser erging es dem britischen Alleskönner Richard Branson, Chef des Virgin-Imperiums: Er hat seine Verluste seit 2008 fast vollständig wieder wettgemacht, von der "Sunday Times" wird er auf 2,6 Milliarden Pfund geschätzt. Zwischenzeitlich war sein Vermögen auf 1,4 Milliarden Pfund gefallen.

Einige Milliardärskarrieren wurden in der Krise auch ruiniert: So ist der Immobilienzar Simon Halabi, vor zwei Jahren noch zwei Milliarden Pfund schwer, inzwischen pleite. Ein ausgefallener 50-Millionen-Pfund-Kredit der isländischen Pleitebank Kaupthing besiegelte sein Schicksal.

Insgesamt profitieren die Superreichen jedoch von der Erholung an den Aktienmärkten, dem Aufschwung an den Immobilienmärkten und den sprudelnden Gewinnen in der Bankenbranche. Symptomatisch ist der Fall des Londoner Hedgefonds-Managers Alan Howard, Mitgründer des größten europäischen Hedgefonds Brevan Howard. Sein Vermögen wuchs von 375 auf 875 Millionen Pfund - ein Zuwachs von 133 Prozent.

Queen landet auf Platz 245

Die Reichen-Rangliste spiegelt auch die Abhängigkeit der britischen Wirtschaft von zwei Branchen wider: Ein Viertel der tausend Milliardäre und Multimillionäre ist im Bau- und Immobiliengeschäft tätig. Die zweitgrößte Gruppe bilden die Banker, deren Zahl von 160 auf 170 wuchs - ein weiterer Beweis für das Comeback der Krisenbranche.

Der Milliardärsclub ist international wie eh und je: Unter den zehn Reichsten sind zwei Russen, zwei Inder, ein Schweizer und eine Holländerin. Sie wohnen alle in London und Umgebung - so wie rund die Hälfte der "Rich List". Dank niedriger Steuern, zentraler Lage und hoher Lebensqualität zieht die britische Hauptstadt ein globales Publikum an.

Auch 99 Frauen finden sich auf der Liste. Zum zweiten Mal unter den Top 100 ist Slavica Ecclestone - seit ihrer Scheidung von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone im vergangenen Jahr nennt sie ein Vermögen von 734 Millionen Pfund ihr eigen. Damit ist die Kroatin deutlich wohlhabender als die berühmteste Britin: Die Queen landete mit 290 Millionen Pfund nur auf Platz 245. Obendrein fiel die Königin in diesem Jahr 31 Plätze zurück - ihre konservative Anlagestrategie vermehrte ihr Vermögen "nur" um 20 Millionen Pfund.



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TommIT, 26.04.2010
1. Das ist doch nun wirklich kein Geheimniss
die können ihre Portfolien eher verbilligen und bereinigen als der Rentensparer. Und werden zu Infoveranstaltungen mindestens 1 Tag vor dem Volk eingeladen. Wo ist da etwas sensationell Neues??? Der Teufel sch.. auf den grössten Haufen. Da ändert sich auch nichts dran wenn alle Anleihen abka.... Wer mehr streuen kann kann auch breiter streuen und absichern, man kann ja heute schon mit Wetten auf den Untergang Geld verdienen wie man gerade sieht. Ganz pragmatischweiter bis Köpfe rollen... wörtlich
Celestine, 26.04.2010
2. xxx
Zitat von TommITdie können ihre Portfolien eher verbilligen und bereinigen als der Rentensparer. Und werden zu Infoveranstaltungen mindestens 1 Tag vor dem Volk eingeladen. Wo ist da etwas sensationell Neues??? Der Teufel sch.. auf den grössten Haufen. Da ändert sich auch nichts dran wenn alle Anleihen abka.... Wer mehr streuen kann kann auch breiter streuen und absichern, man kann ja heute schon mit Wetten auf den Untergang Geld verdienen wie man gerade sieht. Ganz pragmatischweiter bis Köpfe rollen... wörtlich
Heute erst recht ... Sehe ich nicht kommen. Dafür werden die Massen mit Alk, Drogen, Partymachen und Convenience TV ruhig gestellt ...
take02 26.04.2010
3. Fast richtig
Zitat von CelestineHeute erst recht ... Sehe ich nicht kommen. Dafür werden die Massen mit Alk, Drogen, Partymachen und Convenience TV ruhig gestellt ...
Aber anstatt der Drogen + Partymachen würde ich eher die Spiele nennen und damit meine ich nicht Mensch-ärgere-dich-nicht. Lässt sich dann als das einfache Einmaleins der Manipulation bezeichnen.
zeitmax 26.04.2010
4. Schmunzel
Zitat von TommITdie können ihre Portfolien eher verbilligen und bereinigen als der Rentensparer. Und werden zu Infoveranstaltungen mindestens 1 Tag vor dem Volk eingeladen. Wo ist da etwas sensationell Neues??? Der Teufel sch.. auf den grössten Haufen. Da ändert sich auch nichts dran wenn alle Anleihen abka.... Wer mehr streuen kann kann auch breiter streuen und absichern, man kann ja heute schon mit Wetten auf den Untergang Geld verdienen wie man gerade sieht. Ganz pragmatischweiter bis Köpfe rollen... wörtlich
Sie haben eine falsche Vorstellung von der angesprochenen Zielgruppe... Diese Schicht werden Sie niemals auf einer Info-Veranstaltung antreffen können. Investoren dieser Größenordnung lassen selbst solche Veranstaltungen planen und nehmen höchstens gelegentlich mal als Taschengeld 40%Rendite aus staatlicher Bankübernahme in drei Monaten mit,wie letztens mit der BankAlpine... Sonst haben Sie vollkommen Recht!
onkel hape 26.04.2010
5. Keiner...
...dieser Superreichen hat sein riesiges Vermögen "verdient". Nur durch Spekulation, Zockerei, Ausbeutung, Betrug, fragwürdige Finanzaktionen, Raffgier, Rücksichtslosigkeit und kriminelle Cleverness kann man sich derartig ungerechtfertigt bereichern. Wenn z.B. eine Slavica Ecclestone ohne irgend eine eigene Leistung 750 Mio von ihrem Ex-Mann erhält, der seine Milliarden mit dem unsinnigen, nutzlosen Formel 1 - Zirkus verdient, zeigt das die ganze Perversität des hemmungslosen Raubtierkapitalismus. Hoffentlich stimmt das Bibelzitat "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein (Super)-Reicher in den Himmel kommt!"
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