Von Stefan Kaiser
Hamburg - Es ist kurz nach halb neun am Sonntagabend, als Angela Merkel vor die Presse tritt. Die Euro-Staaten hätten sich auf Instrumente verständigt, die die Krise "ein Stück weit beherrschbar" machen würden, sagt die Bundeskanzlerin.
Der Tag in Paris ist gut für sie gelaufen. Beim Euro-Gipfel hat sie durchgesetzt, dass jedes Mitgliedsland der Währungsunion seine Banken alleine retten soll. Den Vorschlag eines gemeinsamen Hilfsfonds hat die Kanzlerin abgeschmettert. Nur einen Tag später wird Deutschland seinen eigenen Rettungsfonds über 480 Milliarden Euro auflegen - mit der Hypo Real Estate steht der erste Kandidat dafür schon bereit.
Diese Ereignisse liegen mehr als vier Jahre zurück. Doch nun holt die Vergangenheit die Finanzminister und Regierungschefs der Euro-Staaten wieder ein. Damals, 12. Oktober 2008, hatte Deutschland die gemeinsame Bankenrettung verhindert. Jetzt, am 12. Dezember 2012, soll die Entscheidung revidiert werden.
In Brüssel treffen sich an diesem Mittwoch die EU-Finanzminister, um über den ersten Schritt zu einer sogenannten Bankenunion zu entscheiden. Es geht erst einmal nur um eine gemeinsame europäische Aufsicht, die 2013 aufgebaut werden und 2014 mit der Arbeit beginnen soll. Diese Aufsicht sollte eigentlich der am wenigsten umstrittene Teil der Bankenunion sein - schließlich fließt dadurch noch kein Geld. Doch der zweite Schritt ist quasi schon beschlossen.
In einer langen Verhandlungsnacht im Juni 2012 hatte sich die deutsche Kanzlerin nämlich eine Zusage abringen lassen: Wenn die gemeinsame Aufsicht erst stehe, dann könnten auch Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds ESM an die Banken fließen - egal ob diese in Deutschland, Spanien oder Irland zu Hause sind. Das wäre dann tatsächlich der Beginn einer Bankenrettungsunion, die Merkel noch vier Jahre zuvor verhindert hatte.
Ein erster Anlauf war krachend gescheitert
Eine solche Union wäre das Ende der europäischen Kleinstaaterei im Finanzsektor. Das gesamte System würde deutlich sicherer werden, weil es keinen Grund mehr gäbe, Geld aus einem Land der Union in ein anderes abzuziehen. Andererseits fürchtet aber gerade die Bundesregierung, dass es wieder vor allem die deutschen Steuerzahler wären, die im Zweifelsfall für die Risiken der europäischen Problembanken geradestehen müssten.
Entsprechend aufgeheizt ist die Stimmung vor dem Treffen an diesem Mittwoch und dem darauffolgenden EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag. Ein erster Anlauf für eine Einigung war in der vergangenen Woche krachend gescheitert. Vor allem Deutschland und Frankreich fanden mit ihren Positionen nicht zueinander. Am Dienstag nun einigten sich die beiden größten Euro-Staaten nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in wichtigen Kernpunkten. Andere Teile sind nach wie vor umstritten:
Die Zeichen für eine Einigung stehen deutlich besser als noch in der vergangenen Woche, doch ob es wirklich dazu kommen wird, ist offen. Selbst wenn es klappt: Den vorgesehenen Zeitplan werden Europas Politiker wohl nicht mehr einhalten können. Denn dazu müsste auch das Europaparlament noch in diesem Jahr zustimmen - und das hat wohl leider keine Zeit mehr dafür.
Mitarbeit: Tina Friedrich
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