Aus Brüssel berichtet Christian Teevs
Brüssel - Angela Merkel hat es wirklich versucht. Mehrfach wiederholte sie am Donnerstag, es werde beim Treffen der Staats- und Regierungschefs nicht über Zypern geredet. Erst am Freitagabend sollen die Finanzminister der 17 Euro-Staaten über das milliardenschwere Hilfspaket beraten. Doch die Beteuerungen der Kanzlerin waren vergebens. Denn gleich mehrere Akteure in Brüssel befeuerten die Debatte - Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem, sein Vorgänger Jean-Claude Juncker und auch der EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.
Es wurde also natürlich über Zypern geredet - wenn auch eher in kleinen, informellen Gruppen. Die Regierung des kriselnden Euro-Staats hofft gar darauf, dass am Freitag bereits eine Entscheidung fällt. Merkel traf den zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiadis am Rande des Gipfels zu einem persönlichen Gespräch. Luxemburgs Regierungschef Juncker stellte eine Lösung für Freitag in Aussicht. Mit Blick auf das Treffen der Euro-Finanzminister sagte Juncker: "Und dort muss die Zypern-Frage einer Lösung nicht nur näher gebracht werden, sondern in abgeschlossener Form morgen Abend vorliegen."
Merkel dagegen bremste Erwartungen, die Finanzminister könnten bereits konkret ein Hilfspaket beschließen. Zügige Beratungen seien zwar "wünschenswert", sagte Merkel. "Aber die Dinge dauern so lange, bis sie qualitativ vernünftig gelöst sind." Man brauche für Zypern eine tragfähige Lösung - also eine, die durchsetzbar ist, als auch eine, die das kleine Euro-Land stemmen könne. Der Internationale Währungsfonds hatte zuletzt Zweifel daran geäußert, dass Zypern die bislang geforderten 17 Milliarden Euro zurückzahlen kann.
Euro-Gruppenchef Dijsselbloem sagte am Donnerstag, dass die Summe eher bei zehn Milliarden Euro liegen dürfte. Von den ursprünglichen 17 Milliarden werde "noch viel gestrichen". Zypern wäre nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien der fünfte Euro-Staat, der Hilfen seiner Partner in Anspruch nähme. Das Land leidet unter der Krise seiner Banken, die vor allem wegen ihrer großen Investments im Krisenherd Griechenland in Schieflage geraten sind. Der Staat ist mit der Bankenrettung überfordert.
"Gefahr für die gesamte Euro-Zone"
Zypern selbst macht ordentlich Druck auf die Euro-Partner, schnell zu einer Entscheidung zu kommen. Ein Abkommen müsse noch in diesem Monat stehen, sagte der zyprische Zentralbankchef Panicos Demetriades der Nachrichtenagentur Reuters. Der Notenbanker warnte vor einer "systemischen Gefahr" für die gesamte Euro-Zone, sollte sein Land nicht rasch gerettet werden. "Von der Peripherie geht das größte Risiko aus, und derzeit ist das Zypern", sagte Demetriades, der dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) angehört. Ähnlich hatten sich kürzlich auch der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen und der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, geäußert.
Auch die zweite Großbaustelle der Euro-Zone war zumindest am Rande Thema beim Gipfel: Italien und die politische Blockade. Immer noch ist unklar, wie die Parteien eine mehrheitsfähige Regierung bilden wollen. Merkel äußerte sich auch zur Lage in Italien sehr zurückhaltend. Sie wolle Wahlergebnisse in anderen Ländern nicht kommentieren. Sicher sei aber, dass der noch amtierende Ministerpräsident Mario Monti "sehr wenig Zeit hatte". Damit Reformen ihre Wirkung entfalten können, brauche es aber mehr Zeit, so Merkel. Das habe man in Deutschland schließlich bei der Agenda 2010 erlebt, die erst nach mehreren Jahren positive Folgen gebracht hätte.
Klar ist indes eines: Sollte die Blockade in Italien dazu führen, dass das Land wieder zu einem potentiellen Hilfskandidaten der Euro-Zone wird, dann dürfte das Geschacher um die Zypern-Rettung Merkel und Co. wie ein Kinderspiel erscheinen.
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