Gipfel in Brüssel Europa riskiert die Euro-Schmelze

Die Griechen-Krise scheint vergessen und mit ihr alle guten Vorsätze. Noch vor Monaten versprachen Europas Spitzenpolitiker strengere Regeln für den Euro, doch jetzt ergehen sie sich vor allem in Streit - dabei ist die Währung gefährdet. Ein Reform-Zwischenzeugnis.

Von Katrin Rössler

Euro-Skulptur in Frankfurt: Was haben die Staaten aus der Krise gelernt?
AP

Euro-Skulptur in Frankfurt: Was haben die Staaten aus der Krise gelernt?


Hamburg - Es geht um nicht weniger als die Zukunft des Euro. Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag in Brüssel zusammenkommen, haben sie Großes vor: eine Reform des Euro-Stabilitätspaktes.

Wie soll Europa künftig mit Schuldensündern umgehen?

Wie lässt sich ein zweiter Pleite-Fall à la Griechenland verhindern?

Und vor allem: Was haben die Staaten aus der Euro-Krise gelernt?

Für die EU ist das Brüsseler Treffen eine zentrale Bewährungsprobe. Noch im Frühjahr, auf dem Höhepunkt der Griechen-Krise, überboten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und andere führende Politiker mit Reformversprechen (siehe Zitategalerie unten). Doch mittlerweile sind Zweifel angebracht, wie ernst es ihnen damit war.

Tatsächlich stehen die Chancen für eine Einigung schlecht. Seit Merkel und Sarkozy sich vor einer Woche über die kleineren EU-Staaten hinweg auf einen vorläufigen Kompromiss geeinigt haben, geht es rund.

Wer was versprochen hat

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Merkel stimmte zum Beispiel der französischen Position zu, Schuldensünder nur zu bestrafen, wenn die Regierungen der EU-Länder dies bewilligen. Kein vollautomatischer Strafmechanismus also. Vor wenigen Wochen hörte sich das bei der Kanzlerin noch anders an. Im September plädierte sie vehement dafür, Sanktionen "so automatisch wie möglich" zu verhängen. Die geeignete Instanz dafür sei die EU-Kommission. Davon ist nun nicht mehr die Rede.

Im Gegenzug für Merkels Entgegenkommen versprach Sarkozy unter anderem, eine Änderung der EU-Verträge mitzutragen, um den Euro-Stabilitätspakt zu verschärfen. Daran wiederum wollen sich viele andere Staaten nicht wagen, weil schon der Lissabon-Reformvertrag in den 27 EU-Ländern nur schwer durchzusetzen war. Und nun gleich noch einer? So recht glaubt daran niemand.

Dabei gäbe es allen Grund, die Regeln der Währungsunion zu verschärfen. Wie sonst sollen die Finanzmärkte wieder Vertrauen in den Euro fassen? Es ist unvergessen, wie Griechenland den bestehenden Stabilitätspakt konsequent ignorierte und hemmungslos Schulden machte. Kontrollen fanden kaum statt, auch Strafen musste der Mittelmeerstaat nicht fürchten. Im Gegenteil: Als Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands aufkamen, schossen die übrigen Staaten Milliarden zu, um so einen Crash des Euro zu verhindern.

Nun muss sich das Land im Gegenzug zwar einem harten Sanierungsprogramm unterziehen - doch damit ist keineswegs geklärt, wie eine ähnliche Situation in einem anderen Euro-Staat zu verhindern wäre.

Seit dem Frühjahr wird nun gefordert, den Stabilitätspakt zu verschärfen und die Schwachstellen der Währungsunion auszubessern. Regierungschefs, Finanzminister, die EU-Kommission - alle präsentierten Reformideen.

Doch was ist daraus geworden? Wie stabil ist der Euro? SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Ideen tatsächlich Chancen auf Umsetzung haben:

Forum - Wird der Euro aufgeweicht?
insgesamt 140 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ghost12 27.10.2010
1.
Die EZB erfüllt die Wünsche von Politikern und kauft tote Anleihen von Schuldnern zurück, wie politisch bzw. von Privatbanken gewünscht. Die EZB verschenkt quasi Gelder an Geschäftsbanken, damit diese spekulieren. Der € wurde missbraucht und wird demnächst begraben.
Ökopit 27.10.2010
2. Schön wäre es!
Zitat von sysopWährend der Griechenlandkrise hat Europa schärfere Regeln für Defizitsünder debattiert - doch aus den Ankündigungen ist nicht viel geworden. Wird der Euro aufgeweicht?
Ich kann mich noch gut an meine Kindheit (die 1960'er Jahre) erinnern! Das Ende des (wiederaufbaubedingten) Wirtschaftswunders, ständiges kräftiges Wirtschaftswachstum - aber zusätzlich *noch höhere Lohnsteigerungen*, Arbeitslosenzahlen, von denen heute niemand mehr zu träumen wagt (absolut 100.000 bis 200.000 / Quote um 0,1 %), die "Rezession" 1967 dauerte weniger als 1 Jahr - 1968 wurde nicht nur die Wirtschaftsleistung von 1966 überschritten, die zwischenzeitlich bis 750.000 angestiegene Arbeitslosenzahl lag auch wieder unter 200.000! Und warum war das alles möglich? Weil für 1 US-Dollar (war damals die "Welt-Leit-Währung") 4,-- DM ausgegeben werden mussten! Ein "vergleichbarer" Kurs (für einen EURO gäbe es 0,50$ - nicht 1,40$ wie heute) würde zwar "nicht wirklich" der deutschen Exportwirtschaft helfen (die ist schon bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet), aber unseren "nicht ganz so fitten" Partnern im EURO! Und in Deutschland würde zumindest - *die "China-SchXXXe"* und - anderes unerwünschtes "Importmaterial" erheblich teurer! Schade, dass ich nur "geträumt" habe!
susie.sunshine 28.10.2010
3. .
Zitat von ÖkopitIch kann mich noch gut an meine Kindheit (die 1960'er Jahre) erinnern! Das Ende des (wiederaufbaubedingten) Wirtschaftswunders, ständiges kräftiges Wirtschaftswachstum - aber zusätzlich *noch höhere Lohnsteigerungen*, Arbeitslosenzahlen, von denen heute niemand mehr zu träumen wagt (absolut 100.000 bis 200.000 / Quote um 0,1 %), die "Rezession" 1967 dauerte weniger als 1 Jahr - 1968 wurde nicht nur die Wirtschaftsleistung von 1966 überschritten, die zwischenzeitlich bis 750.000 angestiegene Arbeitslosenzahl lag auch wieder unter 200.000! Und warum war das alles möglich? Weil für 1 US-Dollar (war damals die "Welt-Leit-Währung") 4,-- DM ausgegeben werden mussten! Ein "vergleichbarer" Kurs (für einen EURO gäbe es 0,50$ - nicht 1,40$ wie heute) würde zwar "nicht wirklich" der deutschen Exportwirtschaft helfen (die ist schon bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet), aber unseren "nicht ganz so fitten" Partnern im EURO! Und in Deutschland würde zumindest - *die "China-SchXXXe"* und - anderes unerwünschtes "Importmaterial" erheblich teurer! Schade, dass ich nur "geträumt" habe!
Die Anderen träumen ja auch nur, leider kostet das alles erheblich.
lupenrein 28.10.2010
4. Der
Zitat von susie.sunshineDie Anderen träumen ja auch nur, leider kostet das alles erheblich.
z.Z. in allen Medien diskutierte Währungskrieg begann genau genommen mit der Einführung des Euro. Unmittelbare Folge davon war zunächst ein finanzieller Aderlass der deutschen Bevölkerung von riesigem Ausmass. Hinzu kam bis heute ein Entwertung des Euro um mindestens 40 %. In gleichem Maße stieg die Verschuldung EU-weit, verbunden mit weiteren Belastungen Deutschlands. Dies alles wird nur kompensiert und quasi 'verschleiert' durch eine noch größere und ganz dramatische Abwertung des Dollars. Aber zum Schluss , wie in jedem Krieg, wird es nur Verlierer, speziell für die breite Masse, geben und natürlich auch ein paar Gewinner, halt wie immer.....
cycokan, 28.10.2010
5. Geht es noch?
Geht es nicht noch ein bisschen dicker? "Europa riskiert die Euroschmelze". Lese ich als erste, riesige Überschrift auf Deutschlands größtem Nachrichtenportal. Nur um dann festzustellen, dass da keine aktuelle Hiobsbotschaft folgt, sondern eine persönliche Meinung von irgendeiner Journalistin. Das geht doch echt zu weit und ist tatsächlich Bild Zeitungs Stil.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.