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Gipfel in Brüssel: Europa riskiert die Euro-Schmelze

Von Katrin Rössler

Die Griechen-Krise scheint vergessen und mit ihr alle guten Vorsätze. Noch vor Monaten versprachen Europas Spitzenpolitiker strengere Regeln für den Euro, doch jetzt ergehen sie sich vor allem in Streit - dabei ist die Währung gefährdet. Ein Reform-Zwischenzeugnis.

Euro-Skulptur in Frankfurt: Was haben die Staaten aus der Krise gelernt? Zur Großansicht
AP

Euro-Skulptur in Frankfurt: Was haben die Staaten aus der Krise gelernt?

Hamburg - Es geht um nicht weniger als die Zukunft des Euro. Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag in Brüssel zusammenkommen, haben sie Großes vor: eine Reform des Euro-Stabilitätspaktes.

Wie soll Europa künftig mit Schuldensündern umgehen?

Wie lässt sich ein zweiter Pleite-Fall à la Griechenland verhindern?

Und vor allem: Was haben die Staaten aus der Euro-Krise gelernt?

Für die EU ist das Brüsseler Treffen eine zentrale Bewährungsprobe. Noch im Frühjahr, auf dem Höhepunkt der Griechen-Krise, überboten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und andere führende Politiker mit Reformversprechen (siehe Zitategalerie unten). Doch mittlerweile sind Zweifel angebracht, wie ernst es ihnen damit war.

Tatsächlich stehen die Chancen für eine Einigung schlecht. Seit Merkel und Sarkozy sich vor einer Woche über die kleineren EU-Staaten hinweg auf einen vorläufigen Kompromiss geeinigt haben, geht es rund.

Wer was versprochen hat

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Merkel stimmte zum Beispiel der französischen Position zu, Schuldensünder nur zu bestrafen, wenn die Regierungen der EU-Länder dies bewilligen. Kein vollautomatischer Strafmechanismus also. Vor wenigen Wochen hörte sich das bei der Kanzlerin noch anders an. Im September plädierte sie vehement dafür, Sanktionen "so automatisch wie möglich" zu verhängen. Die geeignete Instanz dafür sei die EU-Kommission. Davon ist nun nicht mehr die Rede.

Im Gegenzug für Merkels Entgegenkommen versprach Sarkozy unter anderem, eine Änderung der EU-Verträge mitzutragen, um den Euro-Stabilitätspakt zu verschärfen. Daran wiederum wollen sich viele andere Staaten nicht wagen, weil schon der Lissabon-Reformvertrag in den 27 EU-Ländern nur schwer durchzusetzen war. Und nun gleich noch einer? So recht glaubt daran niemand.

Dabei gäbe es allen Grund, die Regeln der Währungsunion zu verschärfen. Wie sonst sollen die Finanzmärkte wieder Vertrauen in den Euro fassen? Es ist unvergessen, wie Griechenland den bestehenden Stabilitätspakt konsequent ignorierte und hemmungslos Schulden machte. Kontrollen fanden kaum statt, auch Strafen musste der Mittelmeerstaat nicht fürchten. Im Gegenteil: Als Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands aufkamen, schossen die übrigen Staaten Milliarden zu, um so einen Crash des Euro zu verhindern.

Nun muss sich das Land im Gegenzug zwar einem harten Sanierungsprogramm unterziehen - doch damit ist keineswegs geklärt, wie eine ähnliche Situation in einem anderen Euro-Staat zu verhindern wäre.

Seit dem Frühjahr wird nun gefordert, den Stabilitätspakt zu verschärfen und die Schwachstellen der Währungsunion auszubessern. Regierungschefs, Finanzminister, die EU-Kommission - alle präsentierten Reformideen.

Doch was ist daraus geworden? Wie stabil ist der Euro? SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Ideen tatsächlich Chancen auf Umsetzung haben:

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Forum - Wird der Euro aufgeweicht?
insgesamt 140 Beiträge
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1.
Ghost12 27.10.2010
Die EZB erfüllt die Wünsche von Politikern und kauft tote Anleihen von Schuldnern zurück, wie politisch bzw. von Privatbanken gewünscht. Die EZB verschenkt quasi Gelder an Geschäftsbanken, damit diese spekulieren. Der € wurde missbraucht und wird demnächst begraben.
2. Schön wäre es!
Ökopit 27.10.2010
Zitat von sysopWährend der Griechenlandkrise hat Europa schärfere Regeln für Defizitsünder debattiert - doch aus den Ankündigungen ist nicht viel geworden. Wird der Euro aufgeweicht?
Ich kann mich noch gut an meine Kindheit (die 1960'er Jahre) erinnern! Das Ende des (wiederaufbaubedingten) Wirtschaftswunders, ständiges kräftiges Wirtschaftswachstum - aber zusätzlich *noch höhere Lohnsteigerungen*, Arbeitslosenzahlen, von denen heute niemand mehr zu träumen wagt (absolut 100.000 bis 200.000 / Quote um 0,1 %), die "Rezession" 1967 dauerte weniger als 1 Jahr - 1968 wurde nicht nur die Wirtschaftsleistung von 1966 überschritten, die zwischenzeitlich bis 750.000 angestiegene Arbeitslosenzahl lag auch wieder unter 200.000! Und warum war das alles möglich? Weil für 1 US-Dollar (war damals die "Welt-Leit-Währung") 4,-- DM ausgegeben werden mussten! Ein "vergleichbarer" Kurs (für einen EURO gäbe es 0,50$ - nicht 1,40$ wie heute) würde zwar "nicht wirklich" der deutschen Exportwirtschaft helfen (die ist schon bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet), aber unseren "nicht ganz so fitten" Partnern im EURO! Und in Deutschland würde zumindest - *die "China-SchXXXe"* und - anderes unerwünschtes "Importmaterial" erheblich teurer! Schade, dass ich nur "geträumt" habe!
3. .
susie.sunshine 28.10.2010
Zitat von ÖkopitIch kann mich noch gut an meine Kindheit (die 1960'er Jahre) erinnern! Das Ende des (wiederaufbaubedingten) Wirtschaftswunders, ständiges kräftiges Wirtschaftswachstum - aber zusätzlich *noch höhere Lohnsteigerungen*, Arbeitslosenzahlen, von denen heute niemand mehr zu träumen wagt (absolut 100.000 bis 200.000 / Quote um 0,1 %), die "Rezession" 1967 dauerte weniger als 1 Jahr - 1968 wurde nicht nur die Wirtschaftsleistung von 1966 überschritten, die zwischenzeitlich bis 750.000 angestiegene Arbeitslosenzahl lag auch wieder unter 200.000! Und warum war das alles möglich? Weil für 1 US-Dollar (war damals die "Welt-Leit-Währung") 4,-- DM ausgegeben werden mussten! Ein "vergleichbarer" Kurs (für einen EURO gäbe es 0,50$ - nicht 1,40$ wie heute) würde zwar "nicht wirklich" der deutschen Exportwirtschaft helfen (die ist schon bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet), aber unseren "nicht ganz so fitten" Partnern im EURO! Und in Deutschland würde zumindest - *die "China-SchXXXe"* und - anderes unerwünschtes "Importmaterial" erheblich teurer! Schade, dass ich nur "geträumt" habe!
Die Anderen träumen ja auch nur, leider kostet das alles erheblich.
4. Der
lupenrein 28.10.2010
Zitat von susie.sunshineDie Anderen träumen ja auch nur, leider kostet das alles erheblich.
z.Z. in allen Medien diskutierte Währungskrieg begann genau genommen mit der Einführung des Euro. Unmittelbare Folge davon war zunächst ein finanzieller Aderlass der deutschen Bevölkerung von riesigem Ausmass. Hinzu kam bis heute ein Entwertung des Euro um mindestens 40 %. In gleichem Maße stieg die Verschuldung EU-weit, verbunden mit weiteren Belastungen Deutschlands. Dies alles wird nur kompensiert und quasi 'verschleiert' durch eine noch größere und ganz dramatische Abwertung des Dollars. Aber zum Schluss , wie in jedem Krieg, wird es nur Verlierer, speziell für die breite Masse, geben und natürlich auch ein paar Gewinner, halt wie immer.....
5. Geht es noch?
cycokan, 28.10.2010
Geht es nicht noch ein bisschen dicker? "Europa riskiert die Euroschmelze". Lese ich als erste, riesige Überschrift auf Deutschlands größtem Nachrichtenportal. Nur um dann festzustellen, dass da keine aktuelle Hiobsbotschaft folgt, sondern eine persönliche Meinung von irgendeiner Journalistin. Das geht doch echt zu weit und ist tatsächlich Bild Zeitungs Stil.
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Darum geht es beim EU-Gipfel
Deutschland und Frankreich wollen schärfere Regeln zur Abwehr von Schuldenkrisen. Dafür versuchen Angela Merke und Nicolas Sarkozy, ihre Kollegen zu überreden, den EU-Vertrag zu ändern. Das lehnen viele EU-Staaten nach der zehn Jahre langen Hängepartie um den Vertrag von Lissabon ab. Hier die wesentlichen Streitpunkte - klicken Sie auf die Überschriften:
Das Ziel
Euro-Länder sollen künftig nicht mehr so wie Griechenland im Frühjahr in die Lage geraten, kein Geld mehr am Kapitalmarkt aufnehmen zu können. Die Anleger verlangten immer höhere Zinsen, weil sie dem hochverschuldeten Land nicht länger zutrauten, seine Finanzen in den Griff zu bekommen. Die Euro-Länder sprangen mit Milliarden-Garantien ein.
Der Euro-Schutzschirm
Der Schutzschirm war eine Notlösung, um zu verhindern, dass die Griechenland-Krise auch andere schwache Euro-Staaten wie Portugal oder Irland in den Abgrund reißt. Er besteht aus bilateralen Kreditgarantien der Euro-Staaten über 400 Milliarden Euro (Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität - EFSF), einem Notkreditrahmen der EU über 60 Milliarden (Europäischer Finanzstabilisierungsmechanismus - EFSM) sowie aus Kreditlinien über 250 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds. Er ist auf drei Jahre - bis Ende Juni 2013 - begrenzt. Bisher musste er nicht genutzt werden. Die Finanzmärkte haben sich wieder beruhigt, nachdem die Euro-Länder so füreinander bürgten und die angeschlagenen Länder zugleich strikte Sparprogramme auflegten.
Der neue Krisenmechanismus
Die auf Druck von Deutschland ins Leben gerufene Arbeitsgruppe der EU-Finanzminister vereinbarte im Mai, einen permanenten Mechanismus zur Krisenabwehr zu schaffen. Deutschland forderte ursprünglich ein Verfahren zur "geordneten Insolvenz" von Euro-Staaten, vermied diesen Begriff aber, da dies auf Widerstand stieß. Gemeinsam mit Frankreich fordert die Bundesregierung nun einen "Krisenabwehrrahmen", der auch die privaten Gläubiger von Staatsanleihen im Krisenfall zum Forderungsverzicht verpflichten würde. Dazu soll auch ein von den Euro-Ländern finanzierter Garantierahmen oder Fonds gehören. Die Anleger müssten aber bei der Stabilisierung eines überschuldeten Landes eine größere Last tragen als die Partnerstaaten.
Vertragsänderung
Die EU-Kommission und etliche Euro-Länder halten eine Vertragsänderung für einen derart gestalteten Krisenmechanismus nicht für nötig - Sie fürchten jahrelange Verhandlungen. Die Bundesregierung argumentiert dagegen, schon der zeitlich befristete Schutzschirm gehe ans Limit des EU-Vertrages von Lissabon. Dabei geht es vor allem um Artikel 125 - die so genannte "No-bail-out-Klausel" verbietet es der EU und einzelnen Ländern, Schulden von Mitgliedstaaten zu übernehmen. Für Deutschland war das nur als letztes Mittel - "ultima ratio" - rechtlich vertretbar, weil sonst die Währungsunion zerfallen und dem deutschen Volk Schaden entstanden wäre. Doch das deutsche Grundgesetz lässt nach Überzeugung der Regierung in Berlin keinen Dauermechanismus ohne Notlage zu. Es müssten nur zwei Sätze im Vertrag geändert werden, um ihn wasserdicht zu machen. Sonst könnte Deutschland durch eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht gezwungen werden, aus dem Krisenmechanismus auszusteigen. Eine Euro-Krise riesigen Ausmaßes wäre die Folge.
Stimmrechtsentzug
Auf entschiedenen Widerstand aller anderen Mitgliedstaaten stößt die deutsch-französische Forderung, uneinsichtiges Schludern bei den öffentlichen Finanzen mit einem Entzug des Stimmrechts im EU-Ministerrat zu bestrafen. Das Aussetzen des Stimmrechts wäre schon heute möglich, wenn ein Staat schwerwiegend gegen die Grundwerte der Europäischen Union verstößt.

Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.
Fotostrecke
Fotostrecke: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise

Milliardenstütze für den Euro
Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.
Milliarden-Auffangnetz

Für die klammen Euroländer stellt die Gemeinschaft bei Bedarf bis zu 750 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Die ersten 60 Milliarden Euro kommen direkt von der EU-Kommission.

Sollte dieses Geld nicht ausreichen, kommen dazu die 440 Milliarden Euro schweren Hilfen einer Finanz-Zweckgesellschaft (siehe unten).

Zusätzlich steuert der Internationale Währungsfonds (IWF)mindestens 250 Milliarden Euro bei.

Finanz-Zweckgesellschaft
Die Finanz-Zweckgesellschaft ist ein für die Euroländer völlig neues Instrument, das im Namen aller 16 Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Staaten weiterleiten kann.
Die Euroländer selbst müssen das Geld dabei nicht auf den Tisch legen, sie treten vielmehr als Garanten für das zu leihende Geld auf.
Zinssatz
Wie im Fall von Griechenland wird es auch für das 750-Milliarden-Paket einen einheitlichen Zinssatz für alle bedürftigen Länder geben. Griechenland muss für seine Kredite fünf Prozent Zinsen (für drei Jahre) zahlen.
Konsolidierung
Schuldenländer verpflichten sich, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten.
Finanzmarktregulierung

Die Euroländer wollen die Finanzmärkte stärker regulieren. Dazu zählen Derivate und Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldnern - und damit auch Staaten - bewerten.

Darüber hinaus versprechen sich die Staaten auch von der Einführung eines "Stabilitätsbeitrags" der Banken und einer weltweiten Abgabe auf Finanztransaktionen eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanz- und Schuldenkrise.

Wie Politiker den Euro als D-Mark-Ersatz lobten

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Sind Sie ein guter Euro-Retter?
dpa
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.

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