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Finanzministertreffen: Anleger setzen Euro-Retter unter Druck

Finanzaufsicht, Bankenhilfen für Spanien, die Krise in Griechenland und Geschacher um EU-Spitzenposten: Bei ihrem Treffen in Brüssel heute Abend haben die Finanzminister der 17 Euro-Länder ein straffes Programm. Schlechte Nachrichten von den Finanzmärkten erhöhen den Druck.

Politiker Schäuble und Juncker (Archivbild vom September 2011): Geschacher um Posten Zur Großansicht
AP

Politiker Schäuble und Juncker (Archivbild vom September 2011): Geschacher um Posten

Madrid - Von den Märkten gab es am Montag zunächst keine guten Nachrichten für die Euro-Retter: Die Risikoprämien für italienische und spanische Staatsanleihen sind erneut gestiegen. Die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen lagen bei mehr als sechs Prozent. Noch schlechter sieht es für Spanien aus: Unmittelbar vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Nachmittag überschritt die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen die Marke von sieben Prozent.

Die Schwelle gilt als kritisch, weil die Refinanzierungskosten dann in einem Bereich liegen, der als längerfristig nicht tragbar gilt. Griechenland, Irland und Portugal beantragten bei ähnlich hohen Zinskosten Hilfen aus dem Rettungsfonds EFSF.

Offenbar wollen die Partnerländer Spanien angesichts der Rezession dort entgegenkommen. EU-Diplomaten sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die EU-Minister würden der Regierung in Madrid ein Jahr mehr Zeit einräumen, um das Defizitziel von drei Prozent zu erreichen. Spanien müsse das Ziel dann bis 2014 erfüllen. Die offizielle Entscheidung darüber wird demnach auf dem Treffen der Euro-Finanzminister erwartet.

"Das ist kein einseitiger Schritt", sagte einer der Diplomaten zu dem Entgegenkommen. Spanien müsse notwendige Kürzungen für dieses Ziel durchsetzen. Die EU-Kommission hatte bereits vor einigen Wochen vorgeschlagen, Spanien zum Abbau des Defizits ein Jahr mehr Zeit einzuräumen - unter der Bedingung, dass die Regierung in Madrid zusätzliche Sparmaßnahmen beschließt. Spanien hatte bereits weitere Wirtschaftsreformen in Aussicht gestellt, um das Haushaltsdefizit zu reduzieren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die EU-Finanzminister Spanien eine Lockerung der Sparziele gestatten. Erst im März hatten die Partnerländer dem Land für 2012 ein höheres Defizit als ursprünglich vereinbart gestattet - damals unter der Bedingung, dass die Drei-Prozent-Grenze des Stabilitätspakts 2013 eingehalten wird. Mit dem neuerlichen Entgegenkommen hätte Spanien dafür dann bis 2014 Zeit.

Anleger legen Geld für deutsche Anleihen drauf

Während Spanien und Italien nur noch zu hohen Zinsen neue Schulden aufnehmen können, sieht die Lage an den Finanzmärkten für Deutschland ganz anders aus. Der Bund konnte am Montag erneut Anleihen mit negativem Zins platzieren. Das bedeutet, dass Investoren unter dem Strich nicht nur leer ausgehen, sondern sogar Geld für den Kauf der Papiere drauflegen. Doch auch wenn Deutschland kurzfristig davon profitiert, ist es ein Zeichen dafür, dass die Schuldenkrise eskaliert. Der Grund: Die Anleger wenden sich von den Krisenstaaten ab und betrachten deutsche Anleihen als sicheren Hafen.

Bei ihrem Treffen in Brüssel stehen für die 17 Finanzminister der Euro-Zone gleich mehrere Themen auf dem Programm. Neben den Bankenhilfen für Spanien soll es auch um die neue Finanzaufsicht und die Lage in Griechenland gehen. Außerdem steht die Besetzung mehrerer EU-Spitzenposten auf der Tagesordnung. Die Themen im Überblick:

  • Die neue Bankenaufsicht: Bereits im Vorfeld sickerte durch, dass die Behörde der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstellt werden soll. Sie soll die Geschäfte der etwa 25 größten Banken in den Euro-Staaten überwachen. Kleinere Institute sollten weiterhin von ihren jeweiligen nationalen Behörden kontrolliert werden. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, die Sitzung werde wohl keine weiteren Details mehr liefern.
  • Hilfen für Spaniens Banken: Grundsätzlich sind sich die Euro-Partner einig, dass Spaniens Banken Milliardenhilfe bekommen sollen. Details sind aber ebenso offen wie die genaue Summe. Maximal geht es um 100 Milliarden Euro. Dieses Volumen wurde Madrid bereits pauschal in Aussicht gestellt. Noch nicht greifen dürfte für Spanien das neue Instrument der direkten Bankenhilfen des ESM. Weil der ESM noch nicht startklar ist, kommt das Geld zunächst aus dem Rettungsschirm EFSF - und der lässt keine direkten Bankenhilfen zu. Weil die Angelegenheit sehr schwierig sei, werde eine Entscheidung zu den Bankenhilfen erst bei einem erneuten Treffen am 20. Juli fallen, hieß es aus Diplomatenkreisen.
  • Bilanz der griechischen Reformen: Die Troika aus EU, EZB und IWF soll den Finanzministern Bericht erstatten. Wegen des wochenlangen Wahlkampfs und der massiv schrumpfenden Wirtschaftsleistung sind die Ziele kaum noch zu erreichen, die Griechenland als Gegenleistung für das Hilfsprogramm von 130 Milliarden Euro versprochen hat. Athen will nachverhandeln. Erste Ergebnisse der Kontrolleure hat Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras noch am Sonntagabend vorgelegt: Das pleitebedrohte Land habe abermals die Ziele des Sparpakts verfehlt und müsse bei den Reformen Gas geben, sagte Samaras in seiner ersten Regierungserklärung.
  • Bilanz der Lage auf Zypern: Experten der Troika sollen auch einen Zwischenbericht zur Lage Zyperns vortragen. Das Land braucht ebenfalls ein Hilfsprogramm, die Rede ist von bis zu zehn Milliarden Euro. Klar ist: Für Zypern wird es keine "Bankenrettung light" geben wie für Spanien. Sprich: Hilfsgelder sollen nur unter strengen Bedingungen fließen. "Das ist kein Paket, das nur auf die Banken bezogen ist. Vielmehr hat Zypern einen Vollantrag gestellt", heißt es in Brüssel. Das bedeutet: Anders als Madrid wird Nikosia nicht nur Auflagen für den Finanzsektor bekommen - sondern für die gesamte Wirtschaft und den Staatshaushalt.
  • Geschacher um EU-Spitzenposten: Unter anderem geht es in Brüssel um die Nachfolge von Jean-Claude Juncker als Chef der Euro-Gruppe. Juncker selbst sagte, er erwarte eine Entscheidung noch am Montag. Auch über einen Posten im EZB-Direktorium und über die Führung des künftigen Rettungsschirms ESM soll gesprochen werden.

cte/mmq/dpa/Reuters

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1. optional
spon-facebook-10000158460 09.07.2012
so ein quatsch... nicht die anleger setzen die euro-retter unter druck... die retter lassen sich unter setzen, so wird da n schuh draus! ich hätte gern nen fels in der brandung und nich etliche fähnchen im wind, die bei jedem furz von den märkten gleich in der gegend rumschwenken!
2. Anleger setzen EURO-Retter unter Druck.
irreal 09.07.2012
Zitat von sysopAPFinanzaufsicht, Bankenhilfen für Spanien, die Krise in Griechenland und Geschacher um EU-Spitzenposten: Bei ihrem Treffen in Brüssel heute Abend haben die Finanzminister der 17 Euro-Länder ein straffes Programm. Schlechte Nachrichten von den Finanzmärkten erhöhen den Druck. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843367,00.html
Ich will Namen wissen. Also um welche Anleger handelt es sich. Anleger sind ja die die nicht arbeiten, sondern den Zins für ihr Geld arbeiten lassen wollen und diese Arbeit schaffen dann die ARBEITENDEN in den Staaten. Also Namen sollten schon genannt werden. Einfach nur "Anleger", da kann ja sonst wer dahinter sich verbergen.
3.
pansen 09.07.2012
Zitat von sysopAPFinanzaufsicht, Bankenhilfen für Spanien, die Krise in Griechenland und Geschacher um EU-Spitzenposten: Bei ihrem Treffen in Brüssel heute Abend haben die Finanzminister der 17 Euro-Länder ein straffes Programm. Schlechte Nachrichten von den Finanzmärkten erhöhen den Druck. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843367,00.html
Die Bankenunion wird genauso wenig bringen wie die Zinssenkung der EZB letzte Woche. Man hat lediglich eine weitere Finanzierungsquelle gefunden. Eine Lösung ist diese auch nicht. Bis letzte Woche waren bei der EZB knapp 800 Mrd. Euro von den Banken hinterlegt. Das heisst, dass die Banken nicht wissen, wohin mit dem Geld. Die Zinssenkung für die Einlagen ändert an diesem Umstand nichts, ausser dass die Banken nun eher gewillt sein dürften, das Geld ausserhalb Europas zu schaffen. Mit der Bankenunion verhält es sich ähnlich. Hier sind zwei Faktoren relevant, zum Einen der Vermögensverlust der Banken (z.B. Immobilien in Espana) als auch die Kapitalflucht aus den Krisenländern, die eine Unterkapitalisierung der Banken verursachen. Die Bankenunion ändert an diesen beiden Faktoren ebenfalls nichts. Mehr Haftung, weniger Lösung.
4. Hmm
duke_van_hudde 09.07.2012
Die normalen Anleger setzen da nemanden unter Druck.Anleger treffen Entscheidungen bei einen gegeben Risiko wieviel Zinsen sie dann haben wollen.Klar gibt es Rückkoplungseffekte bei stark steigenden Zinsen steigt auch das Risiko aber sie treffen halt Entscheidungen was sie mit ihrne Geld machen. Von den Leuten die jetzt auf die Anleger schimpfen möchte ich zu gerne wissen ob sie in dne letzten 6 Monanten Anleihen der Südschiene gekauft haben.Wenn nicht war ihnen womöglich das Risiko zu hoch. Die Politiker verstehen halt einfach nicht das sie ein totes Pferd(euro) reiten.Wir Bürger haben zwar keine Demokratischen Rechte mehr in Europa aber eine Abstimmungsmöglichkeit haben wir doch noch auch wenn es die letzte ist und das ist mit unserne Geldscheinen. Wobei Kapitalverkehrskontrollen auch bald zu erwarten sind.Dazu wird man versuchen das bezahlen mit Bargeld zu erschweren oder sogar Bargeld ganz abzuschaffen.Den für die Banken könnte das Probleme bringen wenn die Leute Bargeld abheben und das bunkern. Ich kann jeden verstehen der zur Zeit keine Anleihen von Spanien kauft den das Risiko das man plötzlich nur noch 30-40 % wieder bekommtist alles andere als klein.Die Zinsen die man ich für das Risiko bezahlen lassen müsste kann das Land aber nicht aufbringen. LAsst die Südschiene endlich abwerten indem wir aus den Euro gehen oder die Südschiene dne Euro verlässt.Den das Problem ist das der Euro für uns zu billig und für die Südschiene zu teuer ist.
5. Unter Druck stehe ich, wenn ich Fehler mache,
+LY 09.07.2012
Zitat von sysopAPFinanzaufsicht, Bankenhilfen für Spanien, die Krise in Griechenland und Geschacher um EU-Spitzenposten: Bei ihrem Treffen in Brüssel heute Abend haben die Finanzminister der 17 Euro-Länder ein straffes Programm. Schlechte Nachrichten von den Finanzmärkten erhöhen den Druck. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843367,00.html
die Geldgier, die Machtgier, auch der sportliche Ehrgeiz sind es, die die Spekulationen anheizen, es darf kein Geld mehr zu verdienen sein, mit Spekulationen gegen Währungen, das müssen die Herren Finanzminister organisieren, aber stattdessen werden immer neue "Brandmauern" gesetzt, die zusätzlich anheizen, und obwohls das Hochwasser ist, daß schon im 2.Stock wütet!
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Interaktive Grafik
So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.


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