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Gipfel zur Schuldenkrise: Euro-Retter erwägen Billionen-Versicherung

Vor dem Euro-Gipfel nimmt der Rettungsplan Konturen an. Laut "FTD" will Finanzminister Schäuble den Hilfsfonds auf eine Billion Euro hebeln - durch eine Versicherung für Krisen-Staatsanleihen. Der "Guardian" schreibt sogar, Frankreich und Deutschland hätten sich auf die doppelte Summe geeinigt.

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy: Mit dem Hebel gegen die Schuldenkrise Zur Großansicht
dapd

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy: Mit dem Hebel gegen die Schuldenkrise

Berlin - Lange wurde um die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms gerungen. Nun hat sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) offenbar erstmals klar über die Funktionsweise des künftigen Rettungsfonds EFSF geäußert: Wie die "Financial Times Deutschland" ("FTD") berichtet, will Schäuble ihn auf eine Billion Euro hebeln. Der britische "Guardian" geht unter Berufung auf EU-Diplomaten sogar noch weiter: Ihm zufolge haben sich Deutschland und Frankreich auf eine Summe von zwei Billionen Euro geeinigt.

Der Hebel solle in Form einer Versicherung für Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten in die EFSF-Richtlinien eingebaut werden, erläuterte der Finanzminister laut "FTD" vor Abgeordneten der schwarz-gelben Koalition. Die Haftungsobergrenze von 211 Milliarden Euro, die Deutschland für den Rettungsfonds garantiert, solle aber nicht steigen.

Wie der "Guardian" berichtet, soll die Wirkungskraft des europäischen Rettungsfonds durch die teilweise Versicherung der Staatsanleihen verfünffacht werden: Die Ausleihungskapazität von derzeit 440 Milliarden Euro würde so einen Effekt von über zwei Billionen Euro haben. "Der EFSF wird zum Versicherer", schreibt die Zeitung.

Bestätigungen für die Angaben beider Zeitungen waren aber vorerst nicht zu erhalten. Der Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag widersprach der "FTD" sogar explizit: Schäuble habe keine genaue Zahl genannt, sondern nur darauf verwiesen, dass in der EU-Kommission Modelle durchgerechnet würden, sagte Ulrich Scharlack am Dienstagabend. Ein anderer Teilnehmer bestätigte, dass die Summe von 1000 Milliarden Euro, also einer Billion, nicht genannt worden sei.

Finanztechnischer Hebeleffekt

Schon seit längerem hatten Experten spekuliert, dass der Rettungsfonds mit einem Garantierahmen von 780 Milliarden Euro nicht reichen werde, um die anhaltende Schuldenkrise in Europa zu bewältigen. Eine weitere Aufstockung des EFSF scheint aber politisch nicht durchsetzbar. Deshalb wurde darüber nachgedacht, durch einen finanztechnischen Hebeleffekt die Wirkung des Fonds zu erhöhen.

Durch eine Versicherungslösung - wie nun laut "FTD" von Schäuble angekündigt - soll der vorübergehende Rettungsschirm EFSF seine Feuerkraft verstärken. Die Anleihen von Staaten wie Italien oder Spanien könnten mit diesem Schritt gegen einen Kreditausfall abgesichert werden. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit würde der EFSF dann dem Anleger diesen Teil ersetzen. Mit der Garantie des Fonds in der Tasche würden die Investoren mit niedrigeren Zinsen zufrieden sein, so die Hoffnung.

Der Trick dabei: Die Sache kann funktionieren, ohne dass der bisherige Rahmen abermals durch neue Garantieerklärungen nationaler Parlamente erhöht werden müsste. Bei der Versicherungslösung würde das Haftungsrisiko für die Steuerzahler nicht steigen, da die privaten Gläubiger bei einem Kreditausfall die Verluste, die über den versicherten Teil hinausgehen würden, selber tragen müssten.

Mit dem Plan für die Billionen-Versicherung dürfte die Idee, dem EFSF eine Banklizenz zu geben, vom Tisch sein. Der Rettungsfonds hätte damit die Möglichkeit bekommen, sich bei der Europäischen Zentralbank(EZB) zu refinanzieren. Die EZB hatte sich allerdings gegen diese Möglichkeit gesträubt.

Vorbild für die "Hebel-Idee" beim Euro-Rettungsfonds EFSF ist das Vorgehen des US-Finanzministeriums und der US-Notenbank Fed während der Finanzkrise 2008. Die Fed hatte ein Kreditprogramm mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar aufgelegt, die das Finanzministerium mit nur 20 Milliarden Dollar garantierte - so wurden die Mittel verzehnfacht.

Kräftiger Gewinnsprung an der Wall Street

Der Bericht des "Guardian" hat an der US-Börse für Hochstimmung gesorgt - und den Dow Jones Industrial am Dienstag vorübergehend auf den höchsten Stand seit Anfang September getrieben: Er schloss um 1,58 Prozent höher bei 11.577 Punkten, nachdem er zuvor sogar auf 11.653 Zähler gesprungen war. Für den breiter gefassten S&P 500 ging es am Ende um 2,04 Prozent auf 1225,38 Punkte nach oben, er schloss damit auf dem höchsten Stand seit Anfang August. An der Nasdaq gewann der Composite-Index am Dienstag 1,63 Prozent auf 2657,43 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 1,31 Prozent auf 2364,87 Punkte

aar/dpa/Reuters

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insgesamt 402 Beiträge
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1. ..
DergerechteZorn 18.10.2011
Ab in den Gulag mit dem Mann!
2. Na das ist ja wieder mal eine tolle Idee!
deltacentauri, 18.10.2011
Zitat von sysopVor dem Euro-Gipfel am*Sonntag nimmt der Rettungsplan der Konturen an. Laut "FTD" will Schäuble den künftigen Hilfsfonds auf eine Billion Euro hebeln - durch eine Versicherung für Staatsanleihen kriselnder Länder. Der "Guardian" schreibt sogar, Frankreich und Deutschland hätten sich auf die doppelte Summe geeinigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792615,00.html
Stellt sich nur die Frage, wer die privaten Gläubiger sind, die die Zeche am Ende bezahlen sollen. Ich vermute: Indirekt die Steuerzahler. Denn der EFSF refinanziert sich bei der sich sträubenden(!) EZB. Und die privaten Gläubiger bei einer Insolvenz der EZB sind --- die Steuerzahler der an der EZB beteiligten Staaten - oder? Übrigens: Auch hier wieder ein Szenario, das die "bösen" Euro-Kritker vorhergesehen haben. Aber das nur am Rande.
3. tja , wenn mann schon zum "spielen"
an-i 18.10.2011
gezwungen wird, dann halt mit vollem einsatz. da bin ich gespannt, wie die amis da rauskommen...
4. huiii
female4 18.10.2011
ist der Ruf erst ruiniert, lebt`s sich ungeniert. Da haber wir die neue Zahl, Millarden war gestern...
5. Bisschen blass um die Nase, "unsere" Kandisbunzlerin
hornbeam, 18.10.2011
Zitat von sysopVor dem Euro-Gipfel am*Sonntag nimmt der Rettungsplan der Konturen an. Laut "FTD" will Schäuble den künftigen Hilfsfonds auf eine Billion Euro hebeln - durch eine Versicherung für Staatsanleihen kriselnder Länder. Der "Guardian" schreibt sogar, Frankreich und Deutschland hätten sich auf die doppelte Summe geeinigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792615,00.html
"Hebeln..." = Coole Sache ;-SS
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

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