EU-Generalanwalt Deutscher "Glen"-Whisky könnte Verbraucher irreführen

Dürfen Whiskys aus Deutschland die Bezeichnung "Glen" führen? Das gälische Wort könnte Verbraucher in die Irre führen - und wäre damit laut einem EU-Generalanwalt tabu.

Whisky-Verkostung in Glasgow, Schottland (Archiv)
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Whisky-Verkostung in Glasgow, Schottland (Archiv)


Denkt der durchschnittliche Verbraucher bei der Bezeichnung "Glen" automatisch an Scotch? Dann könnte sie einem EU-Gutachter zufolge für deutschen Whisky irreführend sein.

In diesem Fall wäre die Bezeichnung "Glen" unzulässig. Das teilte der zuständige Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg mit. Dies müsse jedoch das Landgericht Hamburg klären (Rechtssache: C-44/17).

Der schottische Whisky-Verband SWA hatte gegen ein Produkt der Waldhornbrennerei in Berglen bei Stuttgart geklagt, deren Whisky "Glen Buchenbach" heißt. Er ist der Ansicht, dass der Verbraucher bei der Bezeichnung "Glen" fälschlicherweise an die geschützte Angabe "Scotch Whisky" denke. "Glen" kommt aus dem Gälischen und bedeutet so viel wie "schmales Tal". Etwa ein Viertel der Scotch-Whisky-Destillen sind nach dem jeweiligen Glen benannt.

Zusätzliche Informationen spielen keine Rolle

Das Hamburger Landgericht hatte den EuGH um Klärung gebeten und darauf verwiesen, dass nicht nur schottische, sondern auch Whiskys aus Kanada, Irland oder Deutschland den Namen "Glen" tragen.

Laut Generalanwalt Henrik Saugmandsgaard Øe setzt das Verbot eines Produktnamens nicht zwingend klangliche oder visuelle Ähnlichkeiten mit einer in der EU geschützten geografischen Angabe voraus. Das Landgericht Hamburg müsse deshalb prüfen, ob "ein europäischer Durchschnittsverbraucher" in diesem Fall sofort an "Scotch Whisky" denke.

Zusätzliche Informationen auf dem Etikett spielten keine Rolle. Die schwäbische Brennerei hatte stets betont, dass neben der Bezeichnung "Glen Buchenbach" außerdem "Swabian Single Malt Whisky" und "Hergestellt in den Berglen" auf dem Etikett stehe.

Die Einschätzung des Generalanwalts ist für die Richter des EuGH nicht bindend, in der Mehrzahl der Fälle folgen sie ihr aber. Ein Urteil dürfte in einigen Monaten fallen.

brt/dpa/AFP

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spon-facebook-10000169171 22.02.2018
1. Au weia
Glen Buchenbach. Natürlich fühle ich mich getäuscht. Weil Buchenbach so ein typisch schottischer Name ist. Und was ist dann mit Glen Els? Oder Glen Breton aus Canada? Nein, der könnte sicher aus der Bretagne kommen.... Oder Driftless Glen, ein Bourbon aus Wisconsin Leute (damit meine ich sowohl den EuGH Generalanwalt wie auch den SWA) - Ihr hättet wahrlich sinnvollere Dinge zu tun! Die Macher vom Glen Buchenbach könne sich freuen. So viel kostenfreie Publicity hätten sie sonst nicht bekommen. Ich wünsche ihnen viel Erfolg aus der Nachbarschaft (obwohl ich ihren Whisky nicht so mag...).
Braveheart Jr. 22.02.2018
2. Man sollte glauben ...
... daß jemand, der die Bedeutung des Wortes "Glen" kennt, auch weiß, wo Buchenbach liegt. Alternativ sollte lieber mal geprüft werden, ob das Präfix "Mc" ebenfalls in für den Käufer relevanter Weise schottischen Ursprung vorgaukelt. Dann müßten die Fleischklopse einer gewissen Fast-Food-Kette nämlich von schottischen Rindern stammen, die Zeit ihres Lebens in besagten Glens gegrast hätten ...! Oh tapfere, neue Werbe-Welt!
realist4 22.02.2018
3. Schwierige Entscheidung
Buchenbach erinnert ganz sicher jeden Europäer sofort an schottisches Highland ;)
streifenpuppe 22.02.2018
4. Der Generalanwalt ist kein Gutachter, sondern Verfahrensbeteiligter
Das liest man immer wieder, ist aber immer falsch. Der Generalanwalt ist nach französischem Vorbild Avocat Général - der EuGH hat als Arbeitssprache Französisch) Verfahrensbeteiligter und sorgt für die Wahrnehmung der öffentlichen Interessen.
crazy_swayze 22.02.2018
5.
"Parmiggiano" hat auch eine Ortsangabe im Namen, "Glen" nicht. Falls man das gaelische Wort für "schmales Tal" für Produkte außerhalb Schottlands verbietet, müsste man konsequenterweise jeden Fremdsprachengebrauch in Deutschland unter Strafe stellen. Es könnte ja sein dass der betroffene Kunde dann automatisch an dieses Fremdland denkt...
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