Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Globale Finanzkrise: Weltorganisationen warnen Staatschefs vor Sparkurs

Wer zu sehr spart, würgt das Wachstum ab: Die weltweit größten Wirtschaftsorganisationen warnen die Staaten vor den Folgen ihrer Politik. Die Unterzeichner der Erklärung fordern mehr Geld für den Aufbau von Jobs - und rufen dazu auf, enger mit den aufstrebenden Schwellenländern zu kooperieren.

Ortsschild in Davos, Schweiz: Finanzkrise beim Weltwirtschaftsforum ein Hauptthema Zur Großansicht
Getty Images

Ortsschild in Davos, Schweiz: Finanzkrise beim Weltwirtschaftsforum ein Hauptthema

Genf - Es ist ein Appell, der aufrütteln soll: Die Leiter von elf großen internationalen Wirtschaftsorganisationen warnen die Staatschefs aller Länder vor zu strengen Sparmaßnahmen. Auf lange Sicht könnten finanzielle Kürzungen das Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze gefährden, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung. Unterzeichner sind unter anderem die Chefs der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde und Weltbank-Chef Robert Zoellick.

Der Appell richtet sich an die Staatschefs, die ab 25. Januar zum Weltwirtschaftsforum in Davos zusammenkommen. Dort ist die weltweite Finanzkrise eines der Hauptthemen.

Die Regierungen müssten die Jugendarbeitslosigkeit senken, entlassene Arbeiter in einem sozialen Netz auffangen und sicherstellen, dass Banken weiter Kredite an Unternehmen vergeben. Protektionistische Maßnahmen, die einige Staaten als Reaktion auf die Krise ergriffen hätten, müssten rückgängig gemacht werden.

Der Aufruf kommt zu einer Zeit, in der das weltweite Wachstum stark an Fahrt verliert. Zugleich sind die Staatsschulden der Industrieländer auf einem extrem hohen Niveau. Viele Staaten steuern mit rigiden Sparmaßnahmen gegen. Doch Fachleute fürchten, dass sich der Abschwung dadurch beschleunigt. Prognosen der Weltbank zufolge etwa rutscht die Euro-Zone offenbar in eine Rezession. Zudem schwächt sich auch in aufstrebenden Staaten wie China, Brasilien und Indien das Wachstum deutlich ab.

Die Unterzeichner des "Call to Action"-Appells sind überzeugt, dass das Wachstum auch durch eine stärkere Zusammenarbeit mit den aufstrebenden Entwicklungs- und Schwellenländern wieder in Schwung gebracht werden kann. Als wichtige Maßnahmen nennt die Gruppe unter anderem ein offenes Handelssystem, solide Staatsfinanzen sowie entschlossene und koordinierte Strukturreformen. Es sei eine größere Unterstützung der wirtschaftlichen Prozesse in diesen Ländern erforderlich, heißt es in der Erklärung. Zudem müssten die Infrastruktur global ausgebaut und die Chancen durch umweltgerechte Technologien genutzt werden.

yes/dapd/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Klarer formuliert
Stelzi 20.01.2012
Zitat von sysopWer zu sehr spart, würgt*das Wachstum ab: Die*weltweit größten Wirtschaftsorganisationen warnen die Staaten vor den Folgen ihrer*Politik. Die Unterzeichner*der Erklärung fordern mehr Geld für den Aufbau von Jobs - und rufen dazu auf, enger*mit den aufstrebenden Schwellenländern zu kooperieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,810259,00.html
Klarer formuliert soll das heissen: Die Wirtschaftslobby fordert mehr Steuergelder damit sie Jobs in Schwellenländern finanzieren kann.
2. Wo sind die Unterschiede zu Nordafrika?
pepe_sargnagel 20.01.2012
Wer zu sehr spart? Wir erleben das, was in Nordafrika zum Umsturz geführt hat - die Jugend findet heute trotz Universitätsabschlüsse oder Promotion keinen Job. Langsam bin ich der erste Zweifler des Credos "man muss nur genug in seine Ausbildung investieren und dann findet man immer etwas". Dank dieses neuen Credos bereichert sich eine komplette "Bildungsbranche" und die Jugend (und auch die Personen in den Zwanzigern) findet trotzdem keinen Job. Es werden ja massiv Stellen abgebaut - diejenigen, die neu entstehen sind in der Leiharbeit angesiedelt. Wofür hat man dann studiert, wenn man weniger verdient als andere und zudem der erste ist, der gegangen wird? Die Wirtschaft ist hier gefordert ihre Spekulationen zu Gunsten der echten Produktion umzustellen. Es ist keine Aufgabe des Staates Stellen zu schaffen. Es sei denn, dass sie per Gesetz jegliche Subventionen an Firmen unterbindet, die auch mit nur einer Abteilung Spekulationen außerhalb von Währungsabsicherungen betreiben. Dauerhafte Beteilugungen an anderen Firmen (mind. 36 Monate) werden auch erlaubt, denn das ist ein langfristiges Engagement (bzw. Übernehme, etc.) und keine Spekulation. Zudem warnt auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz (Vanity Fair; Mai 2011): "Amerikaner schauen den Protesten gegen Regime (in Nordafrika), die massiven Reichtum in der Elite halten, zu. Allerdings auch in der amerikanischen Demokratie hält 1 Prozent der Leute ein Viertel des nationalen Einkommens - ein Ungleichgewicht, das auch die Reichen noch bereuen werden." Ich denke, dass man es auch hier noch nicht begriffen hat! Es wird, wenn man weiter solche Einbahnstrassenverteilung vornimmt und auch die Wirtschaft nicht mehr an ihre soziale KOmponente denkt auch hier zu Protesten (und womöglich auch Gewalt) kommen. Muss man das unbedingt austesten?
3. Und nun Frau Doktor?
uwetattoo 20.01.2012
Zitat von sysopWer zu sehr spart, würgt*das Wachstum ab: Die*weltweit größten Wirtschaftsorganisationen warnen die Staaten vor den Folgen ihrer*Politik. Die Unterzeichner*der Erklärung fordern mehr Geld für den Aufbau von Jobs - und rufen dazu auf, enger*mit den aufstrebenden Schwellenländern zu kooperieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,810259,00.html
Ja Frau Doktor, falsche Therapie verordnet. Aus der Physik müssen sie doch wissen, dass jede Reaktion eine Gegenreaktion hervorruft. Wenn man den ,,Gas- (Geld-) hahn zudreht, geht das Feuer aus. Ohne Investitionen und Arbeitsplätze, geht die Wirtschaft unter.
4.
Oberleerer 20.01.2012
Niemand braucht mehr "Stellen". Wenn die Arbeit von (aus der Luft gegriffen) 10% ausreicht, 100% mit Essen, Strom, Wohnung zu versorgen ist das doch in Ordnung. Der Ertrag muß nur gleichmäßig verteilt werden. Anders formuliert, es würde ausreichen wenn die Menschen von 20-40 volle Kanne arbeiten und dann in Rente gehen. Das Problem im Moment ist die Angst vor Armut, obwohl immer behauptet wird, mit H4 kann man prima leben.
5. ...
nixkapital 20.01.2012
Zitat von OberleererNiemand braucht mehr "Stellen". Wenn die Arbeit von (aus der Luft gegriffen) 10% ausreicht, 100% mit Essen, Strom, Wohnung zu versorgen ist das doch in Ordnung. Der Ertrag muß nur gleichmäßig verteilt werden. Anders formuliert, es würde ausreichen wenn die Menschen von 20-40 volle Kanne arbeiten und dann in Rente gehen. Das Problem im Moment ist die Angst vor Armut, obwohl immer behauptet wird, mit H4 kann man prima leben.
... Ihre Rechnung mag durchaus richtig sein, allerdings hat das Arbeiten auch eine soziale Komponente, die man (zurzeit jedenfalls noch) nicht vernachlässigen darf.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Interaktive Grafik

Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Schuldenkrise

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: