Globale Krise: IWF-Chef warnt vor zweiter Rezession

Der Aufschwung ist da, aber er ist noch nicht stabil: Der Chef des Internationalen Währungsfonds hat davor gewarnt, das Ende der Krise zu schnell auszurufen. Gerade die Industriestaaten dürften ihre Konjunkturprogramme nicht zurückfahren - sonst drohe die nächste Rezession.

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IWF-Chef Strauss-Kahn: "Wir müssen vorsichtig sein"

Tokio - Mit Milliarden stützen die Staaten ihre Volkswirtschaften - und das muss auch erstmal so bleiben: Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat vor einer zweiten Rezession in einigen Staaten gewarnt - sollte das Ende der Konjunkturhilfen zu früh eingeleitet werden. "In den Industriestaaten verläuft die Erholung zögerlich", sagte Dominique Strauss-Kahn am Montag in Tokio. "Wir müssen vorsichtig sein."

Wenn die Hilfen einmal abgesetzt seien, werde es schwierig, bei einem zweiten Abtauchen der Wirtschaft neue Instrumente zu finden. Voraussetzung für einen Beginn der Exit-Strategie seien eine spürbare Rückkehr der privaten Nachfrage und Besserungen auf dem Arbeitsmarkt.

Gleichzeitig lobte der IWF-Chef die schnelle Reaktion der Industriestaaten: Mit ihren Investitionen hätten die Regierungen weltweit dafür gesorgt, dass eine neue Große Depression ausgeblieben sei. Das größte Risiko für die Weltwirtschaft sei nun, wie man aus dieser Politik wieder aussteige und wie man mit den angehäuften Schulden umgehe.

Strauss-Kahn deutete außerdem an, dass der IWF seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum anheben werden. Im Oktober hatte der IWF für 2010 ein Wachstum von 3,1 Prozent veranschlagt.

Verhalten optimistisch gab sich Strauss-Kahn auch in Hinblick auf die globale Konjunktur: China und andere aufstrebende asiatische Volkswirtschaften sorgten dafür, dass sich die weltweite Wirtschaft schneller als erwartet erholt. Allerdings bestehe die Gefahr, dass das Geld, das vor allem in die Schwellenländer fließe, zu neuen Spekulationsblasen führen könne.

Deutsche Wirtschaft setzt Erholung fort

Positiver blickt die Deutsche Bundesbank in die Zukunft: Sie geht davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft auch im vierten Quartal 2009 weiter erholt hat - wenn auch mit "deutlich abgeschwächter Dynamik". Dagegen hatten die Bundesstatistiker in der vergangenen Woche für das Schlussquartal eine Stagnation in Aussicht gestellt - nach zwei Quartalen in Folge mit robustem Wachstum.

Der Erholungsprozess scheine im Kern intakt zu sein, berichtete die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Dies beruhe auf steigenden Exporterwartungen sowie zunehmenden Bestellungen in Teilen der Industrie, die nicht direkt mit der Automobilfertigung zusammenhängen. Allerdings gingen derzeit von der Binnenkonjunktur eher dämpfende Einflüsse aus. 2009 war die Wirtschaftsleistung in Deutschland nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes um 5,0 Prozent eingebrochen.

Die Auslandsnachfrage habe auf die exportabhängige deutsche Industrie zuletzt stützend gewirkt, hieß es in dem Monatsbericht. Hingegen dürften die Ausgaben der privaten Haushalte zum Jahresende trotz des noch weitgehend intakten Konsumklimas erneut deutlich zurückgegangen sein.

Auch von Unternehmen seien keine entscheidenden Impulse gekommen: "Die nicht weiter gestiegenen Aufträge, die gesunkenen Einfuhren sowie die unterbrochene Aufhellung der mittelfristigen Geschäftserwartungen lassen vermuten, dass die durch das Auslaufen der staatlichen Umweltprämie bedingten Nachfrageverluste für die Industrie in näherer Zukunft nicht vollständig ausgeglichen werden."

sam/ssu/apn/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 14 Beiträge
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    Seite 1    
1. Konjunkturprogramme?
hink 18.01.2010
Zitat von sysopDer Aufschwung ist da, aber er ist noch nicht stabil: Der Chef des Internationalen Währungsfonds hat davor gewarnt, das Ende der Krise zu schnell auszurufen. Gerade die Industriestaaten dürften ihre Konjunkturprogramme nicht zurückfahren - sonst drohe die nächste Rezession.
Was ist denn da mit "Konjunkturprogrammen" gemeint? Die Abwrackprämien etwa? Die FDP-Subventionierungen der Großhoteliers? Wes Geistes Kind IWF-Präsidenten sind, wissen wir ja, seitdem so einer unmittelbar in der Politik herumsitzt ...
2. .
frubi 18.01.2010
Zitat von hinkWas ist denn da mit "Konjunkturprogrammen" gemeint? Die Abwrackprämien etwa? Die FDP-Subventionierungen der Großhoteliers? Wes Geistes Kind IWF-Präsidenten sind, wissen wir ja, seitdem so einer unmittelbar in der Politik herumsitzt ...
Die Realwirtschaft hat ja vor der Krise stabil gewirtschaftet. Letztlich waren nur die Banken in ihrer Existenz bedroht und hätten eigentlich durch die Marktbereinigung pleite gehen müssen. Die Realwirtschaft hat letztlich nur unter der Kreditklemme und unter der dadurch sinkenden Anzahl an Aufträgen gelitten.
3. Geld und Blasen
worldwatch 18.01.2010
Was den IWF-Chef umtreiben sollte, ist die Frage, wie man die kommenden 'wrong-economy-bubbles' in den Griff bekommt. Soviel ist sicher, und nach Jahrhunderten von -exorbitant- ansteigenden Geldfalschlaeufen: 'Nach einer Blase ist vor einer Blase!' Indes, jedes gute Blasorchester hat Notenblaetter, mind. einen Dirigenten, der die Crescendo u. Descresendo sowie Harmonie koordiniert, und ggf. einen Orchestermanager, der nicht-notenlesende und notorisch falschblaesende aus dem Orchester entfernt. Mr.Strauss-Kahn, wo ist Ihr Taktstock? Und, was soll ueberhaupt gespielt werden? Bin fuer nachhaltiges, in Dur!
4. Es ist schon
wekrue 18.01.2010
beängstigend. Es ist so, als ob ein Streetworker empfiehlt dem Junkie jetzt nicht das Heroin zu entziehen, da er sonst wieder auf Entzug gerät und zusammenbricht. All diese hilflosen Versuche so lapidare Stellschrauben wie Konsum und Arbeitslosigkeit mit Spielgeld positiv zu beeinflussen zeigen nur, wenn dies eines nicht mehr fernen Tages nicht mehr finanzierbar ist bricht das ganze Kartenhaus weltweit zusammen. Dabei bräuchte man kein neues Geld zu drucken, keine ungedeckten staatlichen Schecks auszustellen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Man bräuchte lediglich eine UNO Eingreiftruppe um die bis zum platzen gefüllten Tresore auf den Cayman Inseln zu sprengen und auszuräumen und den Bürschchen die schon als Kinder anderen im Sandkasten das Schäufelchen auf den Kopf gehauen haben ohne dass sie dafür bestraft wurden den Hosenboden zu versohlen. Das was wir heutzutage Eliten nennen, sind veranwortungslose Kinder die mit Handgranaten spielen und sich dabei noch wahnsinnig clever vorkommen. Banken beschäftigen jetzt schon professionelle Pokerspieler als Derivatehändler! Alle sind unschuldig wie Kinder und das schlimme ist, da ist sogar etwas dran. Das was da eine zweite Rezession genannt wird, wird erstens mit Sicherheit kommen und zweitens den totalen weltwirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten.
5. .
frubi 18.01.2010
Zitat von wekruebeängstigend. Es ist so, als ob ein Streetworker empfiehlt dem Junkie jetzt nicht das Heroin zu entziehen, da er sonst wieder auf Entzug gerät und zusammenbricht. All diese hilflosen Versuche so lapidare Stellschrauben wie Konsum und Arbeitslosigkeit mit Spielgeld positiv zu beeinflussen zeigen nur, wenn dies eines nicht mehr fernen Tages nicht mehr finanzierbar ist bricht das ganze Kartenhaus weltweit zusammen. Dabei bräuchte man kein neues Geld zu drucken, keine ungedeckten staatlichen Schecks auszustellen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Man bräuchte lediglich eine UNO Eingreiftruppe um die bis zum platzen gefüllten Tresore auf den Cayman Inseln zu sprengen und auszuräumen und den Bürschchen die schon als Kinder anderen im Sandkasten das Schäufelchen auf den Kopf gehauen haben ohne dass sie dafür bestraft wurden den Hosenboden zu versohlen. Das was wir heutzutage Eliten nennen, sind veranwortungslose Kinder die mit Handgranaten spielen und sich dabei noch wahnsinnig clever vorkommen. Banken beschäftigen jetzt schon professionelle Pokerspieler als Derivatehändler! Alle sind unschuldig wie Kinder und das schlimme ist, da ist sogar etwas dran. Das was da eine zweite Rezession genannt wird, wird erstens mit Sicherheit kommen und zweitens den totalen weltwirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten.
Ganz ehrlich: Ein wenig würde ich mir das sogar wünschen. Aus dieser Krise hat doch kaum einer der Verantwortlichen gelernt. Sie sollen eventuell sogar gar nicht daraus lernen. Soll diese ganze Scheinwelt doch zusammenbrechen. Vieleicht merkt dann auch der Großteil der Bevölkerung wie sehr die uns alle veräppeln.
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