Früher war alles schlechter Die Reichen werden reicher - die Armen aber auch

Der Anteil der Menschen in extremer Armut hat in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen. Den Vermögenden dieser Welt geht es zwar immer besser; doch auch die Schwachen haben zunehmend mehr zum Leben.

Die Zahl der Menschen mit mehr als zehn Dollar pro Tag ist enorm gewachsen. Angaben in internationalen Dollar 1990
Lisa Rost, DER SPIEGEL / Van Zanden, Baten et al.

Die Zahl der Menschen mit mehr als zehn Dollar pro Tag ist enorm gewachsen. Angaben in internationalen Dollar 1990

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Es ist nicht gerecht, wenn acht Männer so viel Geld besitzen wie 3,6 Milliarden Menschen. Doch dieses Phänomen begleitet uns seit Jahrhunderten. Die Einkommensungleichheit geht für gewöhnlich nur in Krisenzeiten zurück - während des Zweiten Weltkriegs etwa oder infolge der Finanzkrise. Doch gerade in den USA entfernt sich das oberste eine Prozent immer weiter vom Rest seiner Mitbürger.

Übrigens werden die Top-Verdiener ihrerseits auch abgehängt: Das Einkommen der reichsten 0,1 Prozent ist in den vergangenen Jahren nach Berechnungen von inequality.org sehr viel schneller gewachsen als das der reichsten ein Prozent.

Das alles sind keine guten Nachrichten. Doch ein Blick zurück kann uns Mut für die Zukunft machen. Denn zum Beispiel im Jahr 1970 war die Welt noch ungerechter als heute. Zwei Jahrhunderte der Industrialisierung hatten den Westen reich gemacht, während der Süden - Asien, Afrika, Südamerika - arm blieb. Die globale Einkommensverteilung, so zeigen Daten des Tübinger Ökonomen Jörg Baten, sah aus wie ein Kamel mit zwei Buckeln: ein zweigeteilter Planet mit einer reichen "ersten" Welt (der rechte dunkle Höcker im Bild über diesem Artikel) und einer armen "dritten" (linker Höcker).

Diese Welt, wie sie heute noch immer der Vorstellung sehr vieler Menschen entspricht, gibt es nicht mehr. Denn zahlreiche Entwicklungsländer, darunter Indien und China, folgten dem Westen auf dem Weg des Wachstums nach. Die Weltbank setzt die Armutsgrenze heute bei 1,90 Dollar pro Tag fest, kaufkraftbereinigt. Der Anteil der Menschen, die demnach in extremer Armut leben, hat von 37 Prozent im Jahr 1990 auf zehn Prozent im Jahr 2015 abgenommen.

Der größte Teil der Menschheit lebt heute irgendwo zwischen arm und reich und bildet so den großen Buckel in der Einkommenskurve des Jahres 2010: die Dromedar-Welt. Die Inflation hat Ökonom Baten übrigens herausgerechnet: Dass ein Dollar im Jahr 2010 weit weniger wert war als 1970, ist in der Grafik berücksichtigt.

An der Entwicklung hat die Globalisierung der vergangenen Jahrzehnte einen großen Anteil. Entwicklungsländer beseitigten Handelsschranken, Industrieländer investierten fernab der eigenen Grenzen. Davon haben die gut ausgebildeten und sowieso schon wohlhabenden Menschen in ärmeren Ländern besonders profitiert. "Aber größere Ungleichheit heißt nicht unbedingt größere Armut", wie die US-Ökonomin Nina Pavcnik einmal erklärt hat.

Zwei große, scheinbar widersprüchliche Entwicklungen prägen die Gegenwart: Während die Ungleichheit innerhalb vieler einzelner Länder zunimmt, nimmt sie global betrachtet ab. Die Reichen werden wohlhabender; die Armen aber auch.

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Dies ist die Online-Ausgabe der SPIEGEL-Rubrik "Früher war alles schlechter" von Guido Mingels. Mehr Nachrichten mit Trends zur Verbesserung der Welt gibt es auf der Themenseite: Früher war alles schlechter.



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censored 17.06.2017
1.
global gesehen sicher, aber in den 70-er gab es in Deutschland 0 Tafeln heute 1000 und die müssen rationieren
Le Commissaire 17.06.2017
2. Widerstand
Oh, dese Fakten werden gleich erbitterten Widerstand hier im Forum auslösen. Gerade in Deutschland will man sich in den tonangebenden Kreisen seinen Pessimismus über den Zustand in der Welt nicht vermiesen lassen. Habe gerade im neuen Spiegel gelesen, dass laut dem seit 1973 in den EG/EU-Ländern erhobenen Eurobarometer die persönliche Zufriedenheit in Deutschland so hoch ist wie nie zuvor. Das ist ein Problem für die Empörungsindustrie und alle, die nachdenklich erscheinen wollen. „Ich habe beobachtet, dass nicht der Mensch, der hofft, wenn andere verzweifeln, sondern der Mensch, welcher verzweifelt, wenn andere hoffen, von vielen als weise bewundert wird.“ (John Stuart Mill) „Es ist offenbar einfach viel cooler, ein negativer, skeptischer Typ zu sein.“ (Ola Rosling)
K:F 17.06.2017
3. 16 Prozent der Deutschen sind arm
1998 waren das noch 13 Prozent. Dann scheinen die 16 Prozent seit 1998 um 3 Prozent reicher an Armen geworden zu sein. Die westliche Welt entwickelt sich zu einer Plutokratie. Geld kauft Politik zum Schaden der Allgemeinheit. Gut zu sehen in den USA. Trump und sein Club der Milliardäre. Den Reichen kann es egal sein, wenn die Krankenversicherung, die Bildung, gekürzt werden. Wenn die Infrastruktur zerfällt. Die Reichen können sich die beste Bildung, Krankenversicherung leisten. Steuersenkungen kommen auch den Reichen zu gute. In Deutshcland ist das inzwischen ähnlich. Merkel verweigert seit 12 Jahren nötige Reformen in Bildung, in Reformen der Renten und Krankenversicherung. Von Steursekungen der Einkommenssteuer ganz zu schweigen.
steveleader 17.06.2017
4. Vollgas...
machen wir die Welt zu einem besseren Ort.
voiceecho 17.06.2017
5. Alles relativ!
Reich und arm ist eine Frage des Betrachtungswinkels, natürlich können sich heutzutage im Vergleich zu den 50er, 60er oder später mehr Menschen mehr leisten, allerdings hat sich auch der Anspruch und somit die damit verbundenen Kosten auch geändert. Früher war alles nicht schlechter oder besser, es war anders! Solche Studien sind aus meiner Sicht nicht sonderlich wertvoll, den es fehlt ein gewisser technologischer und sozialer "Entwicklungsfaktor", der dann u.U. ein anders Ergebnis geliefert hätte, da man andere Massstäbe als Grundlage hätte nehmen müssen. Früher gab es "Nierentische" und "Meißner Porzellan", heute gibt es "Handys", "VR-Brillen" und "Spielkonsolen".
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