Berlin/Peking/Washington - Die Ökonomen der Weltbank sehen noch längst keine dauerhafte Erholung der globalen Wirtschaft. Zwar sei die "akute Phase" der Finanzkrise vorüber. Es gebe aber weiterhin chronische Schwächen, warnte die internationale Finanzinstitution in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturausblick. Vieles hänge vom Timing bei der Rückführung der massiven Programme zur Stimulierung der Wirtschaft und von der Anpassung der Geldpolitik ab. Würden dabei Fehler gemacht, drohe 2011 eine neue Rezession, erklärte die Weltbank in der Analyse "Global Economic Prospects 2010".
Die Lage an den Finanzmärkten bleibe schwierig und die private Nachfrage wegen der hohen Arbeitslosigkeit schwach. Die Folgen der Krise dürften die Rahmenbedingungen für Finanzen und Wachstum in den nächsten zehn Jahren verändern.
Für das laufende Jahr prognostiziert die Weltbank in ihrem Bericht ein globales Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent und für 2011 eines von 3,2 Prozent. Die Autoren des Berichts schränken aber ein, dass es bei der Prognose große Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2010 und darüber hinaus gebe. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Weltwirtschaft um 2,2 Prozent.
Die Prognose seien aber sehr labil. Je nachdem, wie sich das Konsum- und das Geschäftsklima in den nächsten Quartalen entwickelten, könnte das Wachstum im Jahr 2011 nur 2,5 Prozent, aber auch bis zu 3,4 Prozent betragen. Für die Entwicklungsländer wird eine relativ robuste Erholung erwartet, das Wachstum soll 5,2 Prozent in diesem und 5,8 Prozent in nächsten Jahr betragen nach 1,2 Prozent im Jahr 2009.
Etwas optimistischere Prognosen hatten am Mittwoch der Internationale Währungsfonds (IWF) und auch die Uno gegeben. Die globale Wirtschaftsleistung werde 2010 wahrscheinlich um mehr als drei Prozent zunehmen und damit die bisherige IWF-Prognose übertreffen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Auch die Vereinten Nationen sahen die Weltwirtschaft wieder auf Erholungskurs. Nach dem dramatischen Absturz Ende 2008, der sich Anfang 2009 noch vertiefte, meldeten mehr und mehr Länder jetzt wieder Zuwächse ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP), hieß es in dem Bericht "Lage und Aussichten der Weltwirtschaft 2010".
Europa schwächelt, China boomt
Die Wirtschaft in Europa dürfte nach Einschätzung der Weltbank in diesem Jahr um ein Prozent wachsen. Damit liegt Europa deutlich unter dem für die USA prognostizierten Wachstum von 2,5 Prozent für das Jahr 2010. Präsident Obama sagte denn auch eine "viel bessere Entwicklung" der Wirtschaft in seinem Land in diesem Jahr voraus. Dennoch könne er verstehe, dass die Bürger angesichts der Bankenkrise frustriert und verunsichert seien.
Einen Spitzenplatz belegt weiterhin China: Dort hat sich das Wachstum am Jahresende erneut deutlich beschleunigt. Nach offiziellen Angaben vom Donnerstag nahm die Wirtschaftsleistung der Volksrepublik im vergangenen Vierteljahr um 10,7 Prozent zu. Volkswirte hatten der chinesischen Wirtschaft im Schnitt im Jahresvergleich sogar eine Zunahme von 10,9 Prozent zugetraut. In den drei Monaten zuvor hatte das Bruttoinlandsprodukt lediglich um knapp neun Prozent zugelegt. Im Gesamtjahr belief sich damit das Wachstum auf 8,7 Prozent.
"Die Armen werden einen Preis zahlen müssen"
"Leider ist nicht zu erwarten, dass sich die Weltwirtschaft über Nacht von dieser tiefen, schmerzvollen Krise erholt, denn es wird viele Jahre dauern, ehe die Volkswirtschaften und die Beschäftigung wieder die alten Niveaus erreichen. Die Armen werden einen ganz realen Preis dafür zahlen müssen", sagte Justin Lin, Chefökonom der Weltbank. Die ärmsten Länder benötigten möglicherweise 30 bis 50 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln, um allein die vor der Krise initiierten Sozialprogramme aufrecht erhalten zu können.
Der Welthandel werde in diesem Jahr 4,3 Prozent und im nächsten Jahr 6,2 Prozent zulegen, hieß es in dem Bericht weiter. 2009 war er um 14,4 Prozent eingebrochen. In diesem nach wie vor schwachen Umfeld dürften die Ölpreise weitgehend stabil bei durchschnittlich rund 76 Dollar je Barrel bleiben. Andere Rohstoffpreise dürften in den Jahren 2010 und 2011 voraussichtlich nur um drei Prozent pro Jahr steigen. Höhere Kreditkosten, geringere Kreditverfügbarkeit und schwächere internationale Kapitalflüsse werden nach Einschätzung der Weltbank die Entwicklungsländer belasten.
als/Reuters/dpa/APN
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