Wirtschaft


Globalkonjunktur: Weltbank erwartet schwachen Aufschwung

Düstere Prognose der Weltbank: Die globale Wirtschaft wird nach ihrer Einschätzung noch jahrelang unter den Folgen der Finanzkrise leiden. Für 2010 sagen die Ökonomen in Europa nur ein Prozent Wachstum voraus. Dagegen erholen sich die Entwicklungsländer deutlich schneller.

Stahlarbeiter in China: Dort legte die Wirtschaft rasant um mehr als zehn Prozent zuZur Großansicht
AP

Stahlarbeiter in China: Dort legte die Wirtschaft rasant um mehr als zehn Prozent zu

Berlin/Peking/Washington - Die Ökonomen der Weltbank sehen noch längst keine dauerhafte Erholung der globalen Wirtschaft. Zwar sei die "akute Phase" der Finanzkrise vorüber. Es gebe aber weiterhin chronische Schwächen, warnte die internationale Finanzinstitution in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturausblick. Vieles hänge vom Timing bei der Rückführung der massiven Programme zur Stimulierung der Wirtschaft und von der Anpassung der Geldpolitik ab. Würden dabei Fehler gemacht, drohe 2011 eine neue Rezession, erklärte die Weltbank in der Analyse "Global Economic Prospects 2010".

Die Lage an den Finanzmärkten bleibe schwierig und die private Nachfrage wegen der hohen Arbeitslosigkeit schwach. Die Folgen der Krise dürften die Rahmenbedingungen für Finanzen und Wachstum in den nächsten zehn Jahren verändern.

Für das laufende Jahr prognostiziert die Weltbank in ihrem Bericht ein globales Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent und für 2011 eines von 3,2 Prozent. Die Autoren des Berichts schränken aber ein, dass es bei der Prognose große Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2010 und darüber hinaus gebe. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Weltwirtschaft um 2,2 Prozent.

Die Prognose seien aber sehr labil. Je nachdem, wie sich das Konsum- und das Geschäftsklima in den nächsten Quartalen entwickelten, könnte das Wachstum im Jahr 2011 nur 2,5 Prozent, aber auch bis zu 3,4 Prozent betragen. Für die Entwicklungsländer wird eine relativ robuste Erholung erwartet, das Wachstum soll 5,2 Prozent in diesem und 5,8 Prozent in nächsten Jahr betragen nach 1,2 Prozent im Jahr 2009.

Etwas optimistischere Prognosen hatten am Mittwoch der Internationale Währungsfonds (IWF) und auch die Uno gegeben. Die globale Wirtschaftsleistung werde 2010 wahrscheinlich um mehr als drei Prozent zunehmen und damit die bisherige IWF-Prognose übertreffen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Auch die Vereinten Nationen sahen die Weltwirtschaft wieder auf Erholungskurs. Nach dem dramatischen Absturz Ende 2008, der sich Anfang 2009 noch vertiefte, meldeten mehr und mehr Länder jetzt wieder Zuwächse ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP), hieß es in dem Bericht "Lage und Aussichten der Weltwirtschaft 2010".

Europa schwächelt, China boomt

Die Wirtschaft in Europa dürfte nach Einschätzung der Weltbank in diesem Jahr um ein Prozent wachsen. Damit liegt Europa deutlich unter dem für die USA prognostizierten Wachstum von 2,5 Prozent für das Jahr 2010. Präsident Obama sagte denn auch eine "viel bessere Entwicklung" der Wirtschaft in seinem Land in diesem Jahr voraus. Dennoch könne er verstehe, dass die Bürger angesichts der Bankenkrise frustriert und verunsichert seien.

Einen Spitzenplatz belegt weiterhin China: Dort hat sich das Wachstum am Jahresende erneut deutlich beschleunigt. Nach offiziellen Angaben vom Donnerstag nahm die Wirtschaftsleistung der Volksrepublik im vergangenen Vierteljahr um 10,7 Prozent zu. Volkswirte hatten der chinesischen Wirtschaft im Schnitt im Jahresvergleich sogar eine Zunahme von 10,9 Prozent zugetraut. In den drei Monaten zuvor hatte das Bruttoinlandsprodukt lediglich um knapp neun Prozent zugelegt. Im Gesamtjahr belief sich damit das Wachstum auf 8,7 Prozent.

"Die Armen werden einen Preis zahlen müssen"

"Leider ist nicht zu erwarten, dass sich die Weltwirtschaft über Nacht von dieser tiefen, schmerzvollen Krise erholt, denn es wird viele Jahre dauern, ehe die Volkswirtschaften und die Beschäftigung wieder die alten Niveaus erreichen. Die Armen werden einen ganz realen Preis dafür zahlen müssen", sagte Justin Lin, Chefökonom der Weltbank. Die ärmsten Länder benötigten möglicherweise 30 bis 50 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln, um allein die vor der Krise initiierten Sozialprogramme aufrecht erhalten zu können.

Der Welthandel werde in diesem Jahr 4,3 Prozent und im nächsten Jahr 6,2 Prozent zulegen, hieß es in dem Bericht weiter. 2009 war er um 14,4 Prozent eingebrochen. In diesem nach wie vor schwachen Umfeld dürften die Ölpreise weitgehend stabil bei durchschnittlich rund 76 Dollar je Barrel bleiben. Andere Rohstoffpreise dürften in den Jahren 2010 und 2011 voraussichtlich nur um drei Prozent pro Jahr steigen. Höhere Kreditkosten, geringere Kreditverfügbarkeit und schwächere internationale Kapitalflüsse werden nach Einschätzung der Weltbank die Entwicklungsländer belasten.

als/Reuters/dpa/APN

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 510 Beiträge
kurt klemm 23.12.2009
Die leeren und halbvollen Tanks des Konjunkturmotors müssen gefüllt und nicht die vollen Tanks erneut zum Überlaufen gebracht werden, dann springt auch der Konjunkturmotor wieder an. Bei Tanks, die überlaufen verdampft oder [...]
Die leeren und halbvollen Tanks des Konjunkturmotors müssen gefüllt und nicht die vollen Tanks erneut zum Überlaufen gebracht werden, dann springt auch der Konjunkturmotor wieder an. Bei Tanks, die überlaufen verdampft oder verbrennt der Konjunkturtreibstoff – wie häufig geschehen (ganz aktuell 140 MRD beim Crash anlässlich der Bankenkrise) Wir brauchen eine wesentlich breitere Einkommens- und Vermögensstreuung und nicht erneut eine Übersättigung der Satten durch eine Steuerreform, die oben wieder großzügig und unten mager bedient ! Der Mittelstand wartet auf Kunden und nicht auf Steuererleichterungen für Steuern, die er gar nicht zahlt. Die 700 Millionen Steuererleichterung für Milliardäre durch die Senkung des Spitzensteuersatzes haben Null-Komma-Null positiven Effekt auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt und damit auch auf die politischen Schöpfer dieses irrwitzigen Konstrukts. 700 Millionen in Händen der Verbraucher oder der Gemeinden würden die Wirtschaft und hier namentlich den Mittelstand stärken. Autos werden auch in Zukunft keine Autos kaufen und in die 4-fach-Garage passt auch in Zukunft kein fünttes Automobil - und sei es noch so klein. Übrigens: Von 1960 bis 2005 sank in Deutschland der Anteil der Steuern auf Gewinn- und Vermögenseinkommen von 20 Prozent auf 6,7 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Steuern auf Löhne und Gehälter von 6,3 auf 20,8 Prozent. Wer das nicht verändert, wird gar nichts verändern Wer das nicht kapiert, hat gar nichts kapiert.
nimmnix 23.12.2009
Einfach mal aufhören wahnwitzig hohe Milliarden Beträge von Staatswegen her in die nicht nur und ausschließlich deutsche Wirtschaft zu pumpen. Beträge die noch nicht einmal erwirtschaftet wurden, geschweige denn durch [...]
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Einfach mal aufhören wahnwitzig hohe Milliarden Beträge von Staatswegen her in die nicht nur und ausschließlich deutsche Wirtschaft zu pumpen. Beträge die noch nicht einmal erwirtschaftet wurden, geschweige denn durch zukünftige Steuereinnahmen abgedeckt und gesichert sind. Gelder die völlig Schamlos und je nach Bedarf ganz einfach in allen EU Ländern frisch gedruckt und in Umlauf gebracht werden um kurzfristig den Zusammenbruch von Firmen, ja ganzer Branchen und selbst staatlich betriebenen Dienstleister wie z.B. die ’Bundesanstalt für Arbeit’ zu verhindern. Die ’Bundesanstalt für Arbeit’ der eine Finanzspritze von 16 Milliarden Euro bis längstens Ende Februar 2010 reichen wird. Ein Faß ohne Boden !! Eine ’Anstalt’ in die in Deutschland lebende und arbeitende Bürger einbezahlen MÜSSEN. Bürger die aus der ganzen Europaeischen Union nach Deutschland kommen weil sie wissen das es bei uns noch etwas gibt. Sei es Arbeit oder Arbeitslosen Geld. Als ob es da nicht nahe genug liegen würde wenigstens 50 % der Ausgaben dieser ’Anstalt’ aus EU Mitteln zu finanzieren . Ich wünsche uns allen einfrohes Krisen freies und fettes Weihnachts Fest. Merry X-Mas NIMMNIX
ender 23.12.2009
Über die wichtigsten Rezepte (http://www.fkks.eu/item/11) wird gar nicht diskutiert. Deshalb kann man eigentlich auch nicht von Dissens reden. Beschäftigung muss für Unternehmer wieder attraktiv werden!
Zitat von sysopViel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens.
Über die wichtigsten Rezepte (http://www.fkks.eu/item/11) wird gar nicht diskutiert. Deshalb kann man eigentlich auch nicht von Dissens reden. Beschäftigung muss für Unternehmer wieder attraktiv werden!
Knippi2006 23.12.2009
Auf den ersten Blick ein recht interessantes Konzept. Und jetzt das ABER: Das ganze führt zu nichts anderem als zu weiterer Konzentration, zu wuchernden Unternehmenskonglomeraten und keinesfalls zu dem, was viel nötiger wäre - [...]
Zitat von enderÜber die wichtigsten Rezepte (http://www.fkks.eu/item/11) wird gar nicht diskutiert. Deshalb kann man eigentlich auch nicht von Dissens reden. Beschäftigung muss für Unternehmer wieder attraktiv werden!
Auf den ersten Blick ein recht interessantes Konzept. Und jetzt das ABER: Das ganze führt zu nichts anderem als zu weiterer Konzentration, zu wuchernden Unternehmenskonglomeraten und keinesfalls zu dem, was viel nötiger wäre - Diversifikation.
semper fi 23.12.2009
Wenn Knippi2006 Bundeskanzler wäre, eine Garantie für eine schnelle Erholung - oder auch nicht.
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Wenn Knippi2006 Bundeskanzler wäre, eine Garantie für eine schnelle Erholung - oder auch nicht.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Finanzkrise ab 2007

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Donnerstag, 21.01.2010 – 06:52 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
Interaktive Grafik

Von Asset Backed Securities bis Zertifikate - alle Fremdwörter der Finanzkrise einfach erklärt:

Alle Begriffe zur Finanzkrise...






TOP



TOP