Hamburg - Der Paketzusteller GLS wirft Günter Wallraff eine "einseitige und verkürzte Berichterstattung" vor. Der 69-jährige Enthüllungsjournalist hatte sich inkognito bei dem Unternehmen eingeschleust und in mehreren Berichten die Arbeitsbedingungen im Betrieb angeprangert. Er habe dort "eine Form von moderner Sklaverei" entdeckt, berichtet Wallraff.
Arbeitszeiten von zwölf bis 14 Stunden seien in der Branche üblich, berichtete Wallraff - zu einem pauschalen Brutto-Festgehalt von 1200 und 1300 Euro. Überstunden würden nicht bezahlt, Pausen seien bei den langen Touren der Fahrer kaum möglich - obwohl die Verordnungen für Kraftfahrer eigentlich eine dreiviertelstunde Pause nach viereinhalb Stunden Lenkzeit vorschrieben.
Die Fahrer sind demnach nicht von GLS angestellt, sondern von Subunternehmern, mit denen der Konzern Auslieferungsverträge unterzeichne. So handhabten dies auch viele andere Paket- und Kurierdienste. Die Konzerne könnten damit viele Risiken auslagern. Den Fahrern werde geraten, das Fahrtenbuch nicht allzu ernst zu nehmen und die Fahrtzeiten zu schönen, berichtete Wallraff.
GLS wies die Kritik in einer knappen Stellungnahme zurück - ohne die einzelnen Vorwürfe konsequent zu dementieren. Die GLS-Gruppe akzeptiere "keine despektierlichen Äußerungen über Subunternehmen und deren Fahrer in ihrem Unternehmen", hieß es etwa in der Erklärung. Abgestritten wird die Existenz solcher Konstruktionen also nicht.
"Wir legen Wert auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die im Rahmen der Gesetze gestaltet wird", hieß es weiter. Das Unternehmen sei "stolz auf unsere Transportunternehmer und deren Fahrer, die GLS im Außenverhältnis repräsentieren. Die Transportunternehmen werden bei der Erledigung von Transportaufträgen von GLS zur Beschäftigung von Fahrern in rechtskonformen, sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen verpflichtet."
Wallraff zufolge soll vor allem die Lage der Subunternehmer schlimm sein, da sie das ganze Unternehmerrisiko alleine trügen. "Ich habe bei meinen Recherchen über ein Dutzend Subunternehmer kennengelernt, die für GLS fahren oder gefahren sind", schrieb Wallraff. "Bei allen mit zwei Ausnahmen sind die Beziehungen kaputtgegangen, die Familien zerbrochen." Meist hielten auch die Subunternehmer nur einige Jahre durch und stünden nicht selten am Ende mit einem großen Schuldenberg da.
ssu/AFP/dpa
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