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Verschobene Abstimmung: EU streitet weiter über neue Glyphosat-Zulassung

Pestizideinsatz auf einem Feld in Brandenburg (Archivbild) Zur Großansicht
DPA

Pestizideinsatz auf einem Feld in Brandenburg (Archivbild)

Giftig - aber auch gefährlich? Die EU-Staaten haben sich bislang nicht auf die Neuzulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat einigen können. Die Abstimmung über das Herbizid wurde verschoben.

Die EU-Staaten haben sich vorerst nicht auf eine Neuzulassung des umstrittenen Unkraut-Vernichters Glyphosat einigen können. Bereits am ersten Tag der zweitägigen Sitzung mit Experten aus den 28 Ländern zeichnete sich ab, dass die nötige Mehrheit nicht zustande kommen würde. Zu einer Abstimmung kam es nicht. Die derzeitige Zulassung in der EU läuft noch bis Ende Juni - die EU-Kommission hatte eine Neuzulassung bis zum Jahr 2031 vorgeschlagen.

Über die Gefahren, die von Glyphosat ausgehen, streiten Experten seit Langem. Menschen kommen mit Glyphosat über Lebensmittel, Trinkwasseroder etwa die Arbeit in der Landwirtschaftin Kontakt. Im Juli 2015 stufte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) den Unkrautvernichter als wahrscheinlich krebserregend ein. Im November kam die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, nach einer Beurteilung durch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), zum gegenteiligen Ergebnis.

Mit dem Herbizid, das vom Agrar-Konzern Monsanto unter dem Markennamen Round-Up vertrieben wird, soll sich das Expertengremium erneut am 18. und 19. Mai befassen. Allerdings könnte auch schon vorher über das Mittel gesprochen werden, hieß es aus Kreisen der EU-Kommission. Insbesondere habe es Diskussionen über Zusatzstoffe gegeben, die gemeinsam mit der Substanz Glyphosat zum Einsatz kommen.

Die Bundesregierung hat ihre Position zu Glyphosat, das unlängst auch in Bier nachgewiesen wurde, bisher nicht festgelegt. Mindestens vier weitere Staaten wollten dem Vorschlag nicht zustimmen. Schweden, Italien, Frankreich und die Niederlande waren nicht oder noch nicht zum Ja bereit.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner zeigte sich erfreut über die Entwicklung: "Natürlich bedeutet das Verschieben noch lange kein Ende für Glyphosat. Aber es gibt uns potenziell die notwendige Zeit, weitere wichtige Einschätzungen zur Gesundheits- und Umweltgefahr des Pflanzenvernichters abzuwarten." Ebner verwies auf ausstehende Neubewertungen der Europäischen Chemikalienagentur und einer Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte einen "grundsätzlichen Wandel in der Landwirtschaft" und Alternativen zum "Griff zur Giftspritze".

Bei der Diskussion um die Zulassung auf EU-Ebene geht es nur um die Substanz Glyphosat. Die Entscheidung darüber, ob Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten, sicher sind und auf ihrem Gebiet in den Verkehr gebracht werden dürfen, obliegt den einzelnen Mitgliedstaaten.

Monsanto erzielte 2015 mit dem Mittel einen Umsatz in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar. Im US-Staat Kalifornien klagt die Firma gegen die Umweltbehörde, die Glyphosat in eine Liste krebserregender Mittel aufnehmen möchte.

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apr/dpa/Reuters

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