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Finanzkrise: Zwei Alternativen zur Geldschwemme

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Mit billigem Geld versuchen die Notenbanken, die Finanzkrise zu lindern. Diese Woche will die Europäische Zentralbank mit einem neuen Anleihenkauf-Programm nachlegen. Doch die Geldflut schürt bei Bürgern und bei Experten Zweifel am bestehenden Währungssystem. Sie fordern Alternativen.

Goldvorräte der Bundesbank: Keine Bindung mehr ans Geld Zur Großansicht
dapd

Goldvorräte der Bundesbank: Keine Bindung mehr ans Geld

Hamburg - Richard Nixon hatte sich die beste Sendezeit ausgesucht. Eigentlich sollte am Sonntagabend die Western-Serie "Bonanza" über die Bildschirme flimmern - ein sogenannter Straßenfeger im Amerika der siebziger Jahre. Doch an diesem 15. August 1971 bekamen die Zuschauer nicht Ben Cartwright von der Ponderosa-Ranch zu sehen, sondern einen sichtlich nervösen US-Präsidenten.

Die Finanzspekulanten hätten einen "radikalen Krieg gegen den amerikanischen Dollar" eröffnet, sagt Nixon. Deshalb habe er seinen Finanzminister John Conally angewiesen, die Währung zu verteidigen und die Konvertierbarkeit des Dollar in Gold vorübergehend aufzuheben.

Diese Sätze bedeuten das Ende eines Währungssystems, mit dem die Welt seit 1944 eigentlich ganz gut gefahren war. Von der D-Mark bis zum japanischen Yen waren alle nationalen Währungen an den Dollar gekoppelt, und der Dollar selbst war an das Gold gebunden. Gegen 35 Dollar sollte die US-Notenbank eine Feinunze Gold eintauschen - eine Vorsichtsmaßnahme, die eine allzu starke Ausweitung der Geldmenge verhindern sollte.

Nixons Sätze kippten dieses als "Bretton Woods" bekannte System - und läuteten zugleich eine neue Ära ein: In den kommenden Jahrzehnten verbreitete sich ein ungezügelter Finanzkapitalismus. Geld diente immer weniger der Bezahlung von Wirtschaftsgütern und immer mehr der Spekulation. Der Handel mit Finanzprodukten stellte den mit Gütern und Dienstleistungen in den Schatten.

Die EZB entfacht den Geldsturm

Auch die weltweite Geldmenge stieg drastisch. Unternehmen, Verbraucher und Staaten sicherten sich billige Kredite - es entstanden Finanzblasen, die immer wieder zu heftigen Krisen führten. Die schlimmste davon erlebt die Welt seit 2007: Zuerst traf es die überschuldeten Hauskäufer in den USA, dann die überschuldeten Banken in der ganzen Welt - mittlerweile hat die Krise die Staaten in Europa erreicht.

Um die Verwerfungen zu bekämpfen, versuchen es die Notenbanken erneut mit noch mehr billigem Geld. Seit 2008 pumpen sie es in das Finanzsystem, um die Wirtschaft anzukurbeln. Allein die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Bilanzsumme etwa verdreifacht. An diesem Donnerstag will sie den nächsten Schritt machen und ein wahrscheinlich unbegrenztes Ankaufprogramm für Anleihen europäischer Krisenstaaten vorstellen - bis vor kurzem wäre so etwas undenkbar gewesen.

Angesichts der in immer kürzeren Abständen auftretenden Krisen und der radikalen Gegenmaßnahmen kommen nicht nur vielen Bürgern Zweifel am bestehenden Geldsystem. Auch Experten suchen nach Alternativkonzepten - und kramen dafür tief in der Theoriegeschichte.

Meistens tauchen dabei zwei Forderungen auf: Eine Rückkehr zum Goldstandard und die Einführung eines Vollgeldsystems. Doch könnten solche Ideen das System wirklich sicherer machen? Und welche Nebenwirkungen müssten die Bürger fürchten? SPIEGEL ONLINE stellt beide Konzepte vor.

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1.
alcowe 03.09.2012
Zitat von sysopdapdMit billigem Geld versuchen die Notenbanken die Finanzkrise zu lindern. Diese Woche will die Europäische Zentralbank mit einem neuen Anleihenkaufprogramm nachlegen. Doch die Geldflut schürt bei Bürgern und bei Experten Zweifel am bestehenden Währungssystem. Sie fordern Alternativen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853621,00.html
Vollgeld wäre viel zu intelligent und eine echte Alternative! Es würde die Probleme ja fast schon an der Wurzel packen! Das will doch keiner. Wer Geld hat bestitzt Macht und kann die Politik kaufen oder im Zweifel die Bevölkerung eines Landes mit Werbeaktionen manipulieren wie man möchte. Also wer genau will denn Vollgeld? Genau, niemand! Ich tippe auf Inflation! Hat sich schon sehr oft bewährt... mit den Kriegen die danach folgen kann man dann auch gleich die Wirtschaft ankurbeln.
2. Geo
pajogeri 03.09.2012
Zu diesem Thema kann ich nur auf einen GEO-Artikel aus der letzten Zeitschrift verweisen. Erschreckend, die Kehrseite des Goldes!
3. Am Gelde hängt's, zum Gelde drängt's
nickleby 03.09.2012
Die Einführung des Vollgeldes käme einer Renaissance der Banca d'Italia der 70iger und 80iger Jahre gleich, und zwar mit Inflationsraten von bis zu 25%. Das will wohl keiner, denn italienische Zustände würden den Euro total ruinieren und Europa ins Elend stürzen.
4. Vollgeld
distel61 03.09.2012
Die EZB kann ich zwar nicht beurteilen, aber aus langer Erfahrung mit der BuBa kann ich mir vorstellen, dass die das gut handhaben könnten.
5.
muellerthomas 03.09.2012
Zitat von alcoweVollgeld wäre viel zu intelligent und eine echte Alternative! Es würde die Probleme ja fast schon an der Wurzel packen! Das will doch keiner. Wer Geld hat bestitzt Macht und kann die Politik kaufen oder im Zweifel die Bevölkerung eines Landes mit Werbeaktionen manipulieren wie man möchte. Also wer genau will denn Vollgeld? Genau, niemand! Ich tippe auf Inflation! Hat sich schon sehr oft bewährt... mit den Kriegen die danach folgen kann man dann auch gleich die Wirtschaft ankurbeln.
Nicht auf die Hyperinflation von 1923, sondern auf die Deflation der Weltwirtschaftskrise folge die Diktatur und damit der Krieg und auch vor dem Ersten WK gab es keine Inflation, sondern wenn überhaupt leichte Deflation.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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