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Grauer Kreditmarkt: Chinas Schattenbanken taumeln

Hohe Zinsen, schleppende Konjunktur, kriselnde Banken - Europa und die USA kämpfen mit der Schuldenkrise. Doch selbst das reiche China ist keine Insel der Seligen. Im Gegenteil: Peking versucht derzeit verzweifelt, einen Flächenbrand auf dem Finanzmarkt zu verhindern.

Shanghai by night: Die Zahl der Pleiten nimmt zu, Bosse ergreifen die Flucht Zur Großansicht
REUTERS

Shanghai by night: Die Zahl der Pleiten nimmt zu, Bosse ergreifen die Flucht

Peking - Die Theorie, ein autoritäres System könnte ein Finanzsystem besser kontrollieren als eine Demokratie, entpuppt sich als Illusion: Ähnlich wie die westliche Welt vor drei Jahren kämpft China mit einer hausgemachten Schuldenkrise, deren Folgen noch kaum absehbar sind. Selbst in den Staatsmedien stellen die Kommentatoren bereits warnende Vergleiche mit der amerikanischen Hypothekenkrise an, die 2008 die globale Finanzkrise ausgelöst hat. Während die Europäer gerade Peking um Milliardeninvestitionen für ihren Euro-Rettungsschirm bitten, sucht die kommunistische Führung selbst nach Lösungen, um die großen Risiken im Finanzsystem und die Gefahren durch ein spürbar langsameres Wachstum bändigen zu können.

Sorgen macht nicht nur ein Berg fauler Kredite, der sich durch das milliardenschwere Konjunkturprogramm aufgetürmt hat, oder die hohen Schulden der einzelnen Provinzen. Die Regierung ist auch alarmiert über die Zahl der Schattenbanken, die seit zwei Jahren explosionsartig und unkontrolliert wächst. Zwischen 10 und 20 Prozent aller neuen Kredite stammen nach Schätzungen aus diesem informellen Kreditmarkt, der jetzt ins Wanken gerät. Es ist ein undurchsichtiges Geflecht von Unternehmen, Investoren, illegalen Geldverleihern und skrupellosen Kredithaien.

Kampf gegen das Reich der Schattenbanken

Regierungschef Wen Jiabao kündigte ein scharfes Vorgehen gegen Zinswucher und illegale Kapitalbeschaffung an. Gleichzeitig müssten die durch Kreditklemme und Kapitalmangel ausgelösten Probleme bekämpft werden, "um eine Ausbreitung der Risiken zu verhindern". Er sicherte kleinen und mittleren Unternehmen Hilfe zu. Für solche Privatfirmen, die von den großen Banken keine Kredite bekommen, bot der graue Markt schon lange effektive Finanzierungshilfen. Dafür zahlen sie auch höhere Zinsen.

Im Schattenreich des Kreditwesens bedienten sich zunehmend aber auch risikobereite Spekulanten oder Unternehmer, die fallende Gewinne in ihrer Produktion mit anderen Geschäften etwa auf dem boomenden Immobilienmarkt oder selbst als Kreditgeber aufpäppeln wollten. Jetzt platzt die Blase: Das Exportwachstum flaut ab. Die ohnehin geringen Gewinnmargen sinken weiter. Die Verluste steigen. Viele Spekulationen auf dem Immobilienmarkt gehen nicht mehr auf. Auch die Aktienbörsen sind seit Jahresanfang um 13 Prozent abgesackt.

Das chinesische Bruttoinlandsprodukt ist im Sommer um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen, im Frühjahr 2011 waren es noch 9,5 Prozent. Eine nachlassende Nachfrage aus dem Ausland bremste den Exportweltmeister ebenso wie höhere Zinsen. Die Konjunktur kühlte sich damit bereits das dritte Quartal in Folge ab. Ein schwächeres Wachstum hatte es zuletzt im Frühjahr 2009 mit 8,1 Prozent gegeben, als die weltweite Finanzkrise auf das Boomland durchschlug.

Die Regierung hat aus Angst vor Inflation die Richtlinien für die Kreditvergabe deutlich verschärft. Dadurch aber geht auch dem Graumarkt Liquidität verloren, denn viele Geldverleiher sind ihrerseits auf die Kredite der offiziellen Banken angewiesen. Die Folge: Die Zahl der Pleiten nimmt zu, Bosse ergreifen die Flucht. "Es fühlte sich an wie ein ständiger Ritt auf dem Tiger", schilderte Hu Fulin, Chef des größten chinesischen Brillenglasherstellers Xintai in Wenzhou (Provinz Zhejiang). Er setzte sich im September unter der Last von 1,5 Milliarden Yuan Schulden (166 Millionen Euro) in die USA ab. "Ich hatte jede Nacht Alpträume." Ihm griffen die Banken unter die Arme, so dass Hu Fulin zurückkam.

Rückkehrer werden gefeiert

Chinas Staatsmedien feierten seine Rückkehr als Erfolg für die Bemühungen der Behörden, die Kreditkrise zu bekämpfen und strauchelnden Unternehmern zu helfen. Andere wurden allerdings auch in Handschellen zurückgeholt. Schlagzeilen machte vor allem die Wirtschaftsregion Wenzhou, aber auch Ordos in der Inneren Mongolei. Die Provinzen Shanxi sowie Fujian und Guangdong, die als Motoren der Wirtschaft gelten, sollen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.

"Die inhärenten Risiken im Schattenbankensystem sind im Moment groß, weil Wohnungspreise fallen und sich das Wirtschaftswachstum abschwächt", warnte Barclays in einem Bericht, den das "Wall Street Journal" unter dem Titel "Die nächste Subprime?" zitierte. Der Ausfall einiger Projekte könnte eine Welle von Kreditkündigungen auslösen, warnte das Investmenthaus. Gefahr drohe auch durch boomende neue Anlageprodukte, in denen Banken geschickt Kredite in Investitionsmöglichkeiten umwandeln. Damit umgehen sie behördliche Kreditgrenzen. Das Risiko ist meist unklar. "Wenn solche Kredite platzen, werden Einzelpersonen und Unternehmen beträchtliche finanzielle Verluste hinnehmen."

Welcher Funke in China einen Steppenbrand auslösen könnte, weiß niemand. Experten sind sich einig, dass das chinesische Finanzwesen mit seinen Staatsbanken, Kapitalkontrollen, hohen Spareinlagen und der geringen Transparenz anders funktioniert als das Bankensystem im Westen. Eine große Gefahr wäre sicher ein Vertrauensverlust der Sparer. Die Chinesen sind Weltmeister im Sparen. Durch staatlich festgelegte, niedrige Zinsen subventionieren Haushalte schon massiv die Banken, während ihr Geld durch hohe Inflation an Wert verliert.

So fürchtet die kommunistische Führung auch soziale und politische Spannungen. Die Inflation gibt aber wenig Raum für eine Lockerung der Geldpolitik, die ohnehin an Wirkung verliert. Nach Erhebungen der Rating-Agentur Fitch generiert heute jeder Yuan neuer Kredite nur noch halb so viel Wachstum wie vor fünf Jahren. Regierungschef Wen Jiabao kündigte jetzt ein neues "Fein-Tuning" an. Auch prüft das Industrieministerium eine "Stimulus-Politik" für Unternehmen, um auf den globalen Abschwung zu reagieren.

mik/von Andreas Landwehr, dpa

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insgesamt 81 Beiträge
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1. China
etablierter1984 30.10.2011
Ich hatte es schon vor ein paar Monaten gewusst, dass es passieren würde. War nur eine Frage der Zeit. China ist eben auch nur ein Kartenhaus wie Europa und die USA! Wir können davon ausgehen, dass wir nur schleppend Informationen von dieser Regierung in China bekommen werden. Aber irgendwann kommt eh alles raus! PS: Wer hat hier von wem abgeschrieben? In der Financial Times stand das fast genauso drin.
2. Warum sollte China von der Erkenntnis ausgeschlossen bleiben …
wika 30.10.2011
… dass es das Geld-System ist welches nicht funktionieren kann und ziemlich kaputt ist. Exponentielles Wachstum des Geldes geht nicht, dies zu erkennen muss man weder Sozialist noch Kommunist sein, da reicht schon eine mathematische Normalbegabung, wenn man es denn erkennen will. Nur leider stehen die Gier und die Illusionisten nebst aller Vertreter des VWL und BWL Voodoo Zaubers dieser banalen Erkenntnis im Wege. Sofern Sie ihren Kindern eine leichtere und bessere Erkenntnis dazu vermitteln möchten, geben sie doch den Sprösslingen mal diesen Link: *„Jesus Euro-Cent vs. Mammons Renditeziel“* (http://qpress.de/2010/07/23/jesus-euro-cent-vs-mammon-renditeziel/), da besteht die Hoffnung, dass diese Erkenntnis ankommt, es sei denn sie möchten diese bis zum Tag X für sich behalten und eine Weile mit unserem Herrn Schäuble beten, dass die mathematische Gewissheit bitte nicht Wahrheit werde. Wird aber vergebens sein, der Blick in die Geschichtsbücher offenbart die alle drei Generationen fällige Katastrophe. Übrigens, diese Erkenntnis ist nun wirklich kein Fachchinesisch … (°!°)
3. Seltsam
Semjem 30.10.2011
Nicht ohne Grund sind Geldverleiher die Zinsen nehmen seid ein par tauschen Jahren recht unbeliebt. Für unsere Kapitalistengläubige : Wenn A 10,00 Euro mehr hat als er braucht und dieses B, dem 10 Euro fehlen, gegen Zinsen leiht, kommt B in eine Abhänigkeit. Wenn eine Gesellschaft A dauerhaft die 10 Euro mehr läßt, als er braucht muss folgende Formel angewendet werden : Betrag * Zinsen hoch Jahre + Betrag * Jahre Kapitalismus ist der Ritt auf der Kanonenkugel : man kommt schnell sehr weit und die Landung ist echt beeindruckend.
4. Chinas Kapital
BlakesWort 30.10.2011
China hat ein Kapital, das man zynisch so beschreiben kann: Sein riesiger Vorrat an menschlichen Leibern. So zumindest hat Chinas Führung seine Einwohner immer gesehen und behandelt. Aber der Kapitalismus weckt vor allem in den weniger Reichen den Wunsch, teilzuhaben. Wenn der Staat allerdings den Zugang begrenzt, wendet man sich dem Grauen oder Schwarzmarkt zu, auf den der Staat nur reagieren kann. So wachsen sich sogar diese Kleinkredite in der Summe zu gewaltigen Finanzlöchern auf, die ein ganzes System lähmen können. Was allerdings auf längere Zeit ein viel größeres Problem sein wird, sind die Massen an arbeitslosen Landflüchtlingen, die in die Städte schwärmen und dort die Märkte destabilisieren. Wie man diesen etwa 100 Millionen begegnen will, ist mir schleierhaft. So viele Menschen werden sie nicht einfach verschwinden lassen und das ist gut so.
5. ..
alexkie 30.10.2011
Zitat von SemjemNicht ohne Grund sind Geldverleiher die Zinsen nehmen seid ein par tauschen Jahren recht unbeliebt. Für unsere Kapitalistengläubige : Wenn A 10,00 Euro mehr hat als er braucht und dieses B, dem 10 Euro fehlen, gegen Zinsen leiht, kommt B in eine Abhänigkeit. Wenn eine Gesellschaft A dauerhaft die 10 Euro mehr läßt, als er braucht muss folgende Formel angewendet werden : Betrag * Zinsen hoch Jahre + Betrag * Jahre Kapitalismus ist der Ritt auf der Kanonenkugel : man kommt schnell sehr weit und die Landung ist echt beeindruckend.
Was genau soll uns diese Rechnung, die jeder mit Prozentrechnung vertraute Schüler (also vermutlich jeder Siebtklässler, der aufgepasst hat) vorführen könnte, nun sagen?
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