Griechen-Hilfe Euro-Retter planen Tabubruch

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: Die Euro-Staaten schwenken in der Schuldenkrise offenbar um. Laut "Financial Times Deutschland" könnte Griechenland nun doch Anleihen zu Niedrigpreisen zurückkaufen - mit EU-Geld. Banken plädieren für einen harten Schnitt.

Flaggen vor der Akropolis: Die EU sucht eine Lösung für Griechenland
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Flaggen vor der Akropolis: Die EU sucht eine Lösung für Griechenland


Berlin - Spekulanten wetten gegen Italien, Irland wird herabgestuft, das griechische Schuldendesaster schwelt weiter: Die Euro-Krise hat sich zugespitzt, die EU sucht nach einem Ausweg. Angesichts der Verunsicherung auf den Märkten sind die Euro-Länder nun offenbar auch zu radikalen Schritten bereit. Laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") erwägen sie ihre Unterstützung für ein umfangreiches Rückkaufprogramm von griechischen Staatsanleihen zu Dumpingpreisen.

Ein solcher Schritt würde eine Art Schuldenschnitt bedeuten und soll der griechischen Regierung aus der Misere helfen. Demnach wird diskutiert, dass der griechische Staat Staatsanleihen zurücknimmt und dafür im Durchschnitt 50 Prozent des Nominalwertes zahlt. Laut "FTD" soll das Geld für den Rückkauf der Bonds aus dem Euro-Schutzschirm EFSF kommen. Der Zeitung zufolge wäre eine Mehrheit der Euro-Länder bereit zu akzeptieren, dass Anleihen zeitweise als "teilweiser Zahlungsausfall" eingestuft würden.

Auch der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geführte internationale Bankenverband IIF plädiert dafür, dass Griechenland einen Teil seines Staatsschuldenbergs zurückkauft. Die Option eines solchen Rückkaufprogramms wurde bereits früher diskutiert, war dann aber wieder vom Tisch. Angesichts der Zuspitzung der Schuldenkrise sondieren die Euro-Länder aber wieder mehrere Möglichkeiten, die sie zuvor verworfen hatten. So hatten die Euro-Finanzminister bei ihrem jüngsten Treffen angesichts der drohenden Staatspleite Griechenlands auch eine Umschuldung nicht mehr ausgeschlossen.

"Es ist höchste Zeit, dass endlich mal ein klarer Schnitt gemacht wird"

Auch für Banken ist ein Schuldenschnitt für Griechenland kein Tabu mehr. So sprach sich Commerzbank Chart zeigen-Chef Martin Blessing für eine rasche Umschuldung aus. "Unsicherheit und Misstrauen unter den Anlegern haben sich in den vergangenen Tagen verschärft, deshalb muss eine andere Lösung für Griechenland her, als immer neue Kreditpakete zu schnüren", sagte Blessing der "Bild"-Zeitung. Eine freiwillige und zugleich nennenswerte Beteiligung der privaten Gläubiger funktioniere nicht. "Griechenland muss einen Teil seiner Schulden abstreifen. Anders kommt das Land nicht auf die Beine", sagte Blessing.

Das frühere Mitglied des Bankenrettungsfonds Soffin, Gerhard Stratthaus, sagte, es wisse inzwischen jeder, dass Griechenland nicht in der Lage sein werde, seine Schulden zu bedienen und zurückzuzahlen. "Deshalb sollte man da mal mit ganz offenen Karten spielen", sagte er dem Sender WDR 5. "Es ist höchste Zeit, dass endlich mal ein klarer Schnitt gemacht wird."

Angesichts der angespannten Lage erwägen die EU-Staats- und Regierungschefs einen Sondergipfel am Freitag. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, die Krise sei jetzt systemisch, also auf die gesamte Euro-Zone übergeschwappt. Die gesamte europäische Wirtschaft sei in Gefahr. Laut Bundesregierung gibt es aber bisher noch keine konkreten Pläne für einen Sondergipfel.

Die schlechten Nachrichten für die Euro-Länder reißen derzeit nicht ab. Weil Spekulanten Italien ins Visier genommen haben, gab es am Dienstag eine Achterbahnfahrt an den Börsen. Zudem stiegen die Zinsen für italienische Staatsanleihen. Schließlich gab auch noch die Rating-Agentur Moody's bekannt, dass sie die Bonität Irlands auf Ramschstatus gesenkt hat. Sie begründete dies damit, dass die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Hilfspaktes für Irland gestiegen sei.

IWF fordert von Italien harten Sparkurs

Trotz der schlechten Nachrichten zeigte sich der Euro Chart zeigen am Mittwochvormittag relativ stabil und notierte bei 1,40 Dollar. Auch der deutsche Aktienmarkt startete ohne größere Verluste in den Handel. Im Laufe des Vormittags legte der Dax Chart zeigen zu. Noch am Vortag sorgten Spekulationen über Italiens Zahlungsfähigkeit für eine Rallye an den Börsen.

Die Schulden des Landes liegen verglichen mit seiner Wirtschaftsleistung bei 120 Prozent. Ein Rettungspaket für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone würde Europa vor neue Probleme stellen.

Der IWF verlangt von der Regierung in Rom einen entschlossenen Abbau der Staatsverschuldung. Der Währungsfonds forderte Italien in seinem Jahresbericht auf, das Haushaltsdefizit bis 2012 auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken und bis 2014 ein ausgeglichenes Budget vorzulegen. Die italienische Regierung strebt Einsparungen in Höhe von 40 Milliarden Euro über die kommenden vier Jahre an.

mmq/Reuters/AFP/dapd/dpa

insgesamt 291 Beiträge
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Seite 1
si_tacuisses 13.07.2011
1. Was bitte ist denn trotz Schuldenkrise an diesem Euro stabil ??
Zitat von sysopLieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende:*Die EU-Staaten schwenken in der Schuldenkrise offenbar um. Laut*"Financial Times Deutschland"*könnte Griechenland nun doch mit EU-Geld Anleihen zu Niedrigpreisen zurückkaufen. Banken plädieren für einen harten Schnitt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,774142,00.html
Dass ich heute für einen Liter Heizöl 86 ct zahlen muss und vor einem Jahr 56 ?? Nein,nicht das Heizöl ist wertvoller geworden, die Butter nicht, Milch nicht, Obst und Gemüse nicht, Strom nicht, Wasser nicht, kommunale Abgaben nicht. Die synthetische Währung Euro, mit der Millionen Europäer beschissen und um ihr Geld ( Kaufkraft ) gebracht wurden, die ist im Tiefflug in die Pleite. Wertloses buntes Papier. Der Unterschied zum Dollar ? Der hat nur 2 Farben. Sonst keiner.
Peet89 13.07.2011
2. .
Zitat von si_tacuissesDass ich heute für einen Liter Heizöl 86 ct zahlen muss und vor einem Jahr 56 ?? Nein,nicht das Heizöl ist wertvoller geworden, die Butter nicht, Milch nicht, Obst und Gemüse nicht, Strom nicht, Wasser nicht, kommunale Abgaben nicht. Die synthetische Währung Euro, mit der Millionen Europäer beschissen und um ihr Geld ( Kaufkraft ) gebracht wurden, die ist im Tiefflug in die Pleite. Wertloses buntes Papier. Der Unterschied zum Dollar ? Der hat nur 2 Farben. Sonst keiner.
Verstehen Ihren Beitrag nicht. Bitte aufklären. Außerdem finde ich es immer wieder lustig zu sehen, wie alle hier im Forum die ultimative Lösung für alles haben. Amüsant. :)
15962 13.07.2011
3. D Renten sind sicher, - der Euro auch
Wenn ich den Artikel richtig verstehe, beginnt jetzt für den deutschen Steuerzahler das große Geldverdienen. Denn, wie wir gelernt haben, die Bürgschaften kosten nichts, das Geld wird auf jeden Fall zurückgezahlt und das auch noch zu höheren Zinsen. Wurde uns ja von EX perten vorgerechnet. Das die Banken für einen Schuldenschnitt sind, bedeutet wohl, das sie sich 'freiwillig' von den Schuldverschreibungen schon getrennt haben. Schade, das unser Regierungschef Ackermann an diesem tollen Geschäft nicht mitverdienen kann. Man sollte vielleicht ein Spendenkonto einrichten??? Vielleicht habe ich aber auch nur etwas nicht begriffen.
food4thought 13.07.2011
4. Und wer sind die Dummen?
So, so, nun sind die Banken also auf einmal für einen harten Schnitt. Dies hat nicht zufällig etwas damit zu tun, dass sie zum grössten Teil bereis ihre Anleihen abgestossen haben??!! Wer hält denn nun die Anleihen, ist das nicht weitesgehend die EZB? Und wer kommt für die Verluste dann zwangsweise auf, der europäische Steuerzahler?? Die Banken sind nur noch gering investiert, kein Wunder also, dass sie nun einem harten Schnitt gegenüber offen sind. Dieser hätte aber bereits ganz am Anfang kommen müssen, doch da gab es, oh Wunder, keine Zustimmung von den Banken. Es ist und bleibt eine riesen Sauerei. Die Politik hat komplett versagt. Eine kritischere Berichterstattung von SPON hätte man sich hier gewünscht, so wird die Nachricht gar noch als etwas Positives in die Bevölkerung getragen.
Hardliner 1, 13.07.2011
5. Nicht auf Ackermann gehört
Zitat von sysopLieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende:*Die EU-Staaten schwenken in der Schuldenkrise offenbar um. Laut*"Financial Times Deutschland"*könnte Griechenland nun doch mit EU-Geld Anleihen zu Niedrigpreisen zurückkaufen. Banken plädieren für einen harten Schnitt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,774142,00.html
Dass Griechenland ein Fass ohne Boden ist, schreiben diue Foristen hier seit Monaten. Aber bei den Schirmaufspannern in der EU, speziell in den Euro-Ländern, setzt sich diese Erkenntnis nur sehr langsam und zögerlich durch. Der harte Schnitt bei Griechenland ist unausweichlich. Das hat Ackermann schon vor einem Jahr gesagt, aber der Buhmann Ackermann wurde bekanntlich nicht ernst genommen, sondern für seine Aussagen auch noch heftig kritisiert, von FRinanzexperten wie Angie M. und Schäuble.
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