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Griechen-Krise Der Euro ist stärker als die Zocker

Griechenland: Kampf gegen den Bankrott
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dpa

2. Teil: Die wahren Währungssünder sind die Angelsachsen selbst

Es ist schon komisch, dass just jene Angelsachsen, die sich derzeit an den Turbulenzen in der Euro-Zone weiden, diese schlimmsten aller Währungssünden mit großer Selbstverständlichkeit begehen. Die Notenbanken der USA und Großbritanniens hatten im vergangenen Jahr keine Hemmungen, en masse Staatsanleihen ihrer Regierungen dauerhaft aufzukaufen. In den USA waren das 2009 sagenhafte fünf Billionen Dollar, weitere Billionen sind für 2010 eingeplant. Diese Regierungen taten und tun also das, was man gemeinhin mit dem Terminus "Finanzierung durch die Druckerpresse" umschreibt.

Nichts dergleichen betreibt die EZB. Selbst wenn Berlin und andere europäische Regierungen Griechenland bei der Rückzahlung seiner Schulden Beistand gewähren würden - es wäre eine Hilfe durch die jeweiligen Regierungen, keine Geldvermehrung durch die Notenbank mit der Gefahr der Inflationierung.

Natürlich ist der Euro ein Großexperiment mit historischer Dimension. Nie zuvor haben sich so viele souveräne Länder zu einem Währungsverbund zusammengeschlossen. Das birgt zweifelsfrei Risiken, die vorher schwer abzuschätzen sind. Auch das Risiko des Scheiterns und Auseinanderbrechens.

Die größte Gefahr liegt zweifelsfrei darin, dass sich die einzelnen Wirtschaftsräume zu weit auseinanderentwickeln. Wenn in einzelnen Ländern die Löhne deutlich stärker steigen als in anderen, dann schwindet die Wettbewerbsfähigkeit der Hochlohnregionen auf den internationalen Märkten. Sie können nun ja nicht mehr wie früher, als sie über eine eigene Währung verfügten, durch Abwertung ihre Exporte ankurbeln und geraten zunehmend in wirtschaftliche Nöte, wenn sie sich nicht anpassen.

"Wir müssen aufpassen, dass die Divergenzen nicht immer breiter werden", warnt zu Recht der Luxemburger Premier Jean-Claude Juncker, der Vorsitzende der Euro-Finanzgruppe.

Auch in Deutschland gibt es Unterschiede - ohne Gefahr für die Währung

Allerdings besteht auch angesichts der wirtschaftlichen Unterschiede kein Anlass für Horrorszenarien, sofern die Abstände nicht zu groß werden. Ein Währungsgebiet wird niemals in allen Regionen die gleichen wirtschaftlichen Leistungsdaten aufweisen. Auch innerhalb Deutschlands, dem Geltungsbereich der seligen Mark, bestanden und bestehen große Unterschiede - ohne dass man ein Ende der gemeinsamen nationalen Währung befürchten musste.

In Hessen lag im vergangenen Jahr das Bruttoinlandsprodukt pro Person bei 36.382 Euro, im ärmsten Land, Mecklenburg-Vorpommern, waren es nur 21.439 Euro. Bei den Schulden der öffentlichen Haushalte je Einwohner kam Bayern, der am wenigsten verschuldete Flächenstaat, auf 2881 Euro, Sachsen Anhalt, der größte Schuldensünder, auf 9875. Der Stadtstaat Bremen brachte es gar auf 23.084 Euro. Beim Start des Euro vor zehn Jahren waren die Unterschiede ähnlich groß, und keiner hatte deswegen Zweifel an der Tauglichkeit und Sicherheit der Mark.

Das alles ist sicher kein Grund für die Europäer, sich mit ihrer Währung in Sicherheit zu wiegen. Die Attacke der Finanzmärkte - so wenig sie ökonomisch begründet erscheint - müssen die Europäer ernst nehmen. Alle, nicht nur die Griechen, müssen schnellstmöglich die Verschuldungsgrenzen von Maastricht einhalten. Die Hellenen müssen wissen, dass sie auch ohne Rausschmissklausel im Euro-Vertrag aus der Währungsunion vertrieben werden können: Wer so massiv wie sie, auf fast schon kriminelle Weise, gegen bestehende Verträge verstößt, der hat jeden Rechtsschutz verspielt.

Der Euro wird die Prüfung bestehen

Zu dieser grausamen Strafe wird es nicht kommen. Weil die Erschütterungen für die EU allzu heftig wären; und weil die Griechen keine Einzeltäter sind, weil auch die großen Meinungsführer der EU, Deutschland und Frankreich, notorische Schuldensünder sind.

Das grandiose Projekt der gemeinsamen europäischen Währung wird diese Prüfung dennoch bestehen. Der Euro, nach dem Dollar die zweitwichtigste Währung der Welt, wird wegen Griechenland oder Italien oder Spanien nicht zur Weichwährung, weil es eben den viel beklagten Automatismus "Staatsschulden = Inflation" nicht gibt. Da mögen sich Hedgefonds-Manager noch so häufig zu irgendwelchen Verabredungen treffen.

Voraussetzung ist die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank. Und dass sie frei ist von Regierungsinterventionen, weit mehr als die amerikanische Federal Reserve, daran bestehen nicht die geringsten Zweifel. Da schützt sie nicht zuletzt der Umstand, dass sie, paradoxerweise, eine Währung vieler Nationen ist, nicht eines einzelnen Staats: Jeder Regierende, der diese Unabhängigkeit angreift, würde auf den energischen Widerstand von anderen Mitgliedern des Verbunds stoßen.

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insgesamt 49 Beiträge
cabane 05.03.2010
Endlich ein Kommentar, der die Zusammenhänge klarstellt. Die Angelsachsen fürchten den Euro, weil er ein Gegengewicht zum Dollar darstellt, ganz zu schweigen vom englischen Pfund. Die Spekulation wird dies aber nicht verhindern, [...]
Zitat von sysopRichten die Griechen den Euro zugrunde? Auf den ersten Blick mag es so aussehen - doch tatsächlich ist es höchst zweifelhaft, ob hohe Staatsschulden eine Währung zerstören können. Die Spekulanten, die gegen die europäische Gemeinschaftswährung wetten, haben deshalb keine Chance. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,681878,00.html
Endlich ein Kommentar, der die Zusammenhänge klarstellt. Die Angelsachsen fürchten den Euro, weil er ein Gegengewicht zum Dollar darstellt, ganz zu schweigen vom englischen Pfund. Die Spekulation wird dies aber nicht verhindern, aber zumindest gegenüber den früheren Einzelwährungen der Eurozone reduzieren.
michael_dhabin 05.03.2010
"Es ist schon komisch, dass just jene Angelsachsen, die sich derzeit an den Turbulenzen in der Euro-Zone weiden, diese schlimmsten aller Währungssünden mit großer Selbstverständlichkeit begehen." Ich hoffe nur, dass [...]
"Es ist schon komisch, dass just jene Angelsachsen, die sich derzeit an den Turbulenzen in der Euro-Zone weiden, diese schlimmsten aller Währungssünden mit großer Selbstverständlichkeit begehen." Ich hoffe nur, dass diese Zockerbande ihre Quittung erhält und mit ihren Spekulationen untergeht. Europa muss zusammenstehen - es lohnt sich, auch wenn's manchmal wehtut. Solidarität schließt ein dass man sich untereinander die Wahrheit sagt, notfalls auch drastisch. Das gilt nicht nur für Griechenland sondern auch für die anderen Schuldenmacher in Europa.
iawdw 05.03.2010
1992 hat sich gezeigt, dass man Hedgefonds nicht unterschaetzen sollte. Damals ging die Wette gegen den Pfund auf und die britische Waehrung brach ein. Ein paar Jahre spaeter verloren britische Manager zum Glueck gegen die DM. [...]
1992 hat sich gezeigt, dass man Hedgefonds nicht unterschaetzen sollte. Damals ging die Wette gegen den Pfund auf und die britische Waehrung brach ein. Ein paar Jahre spaeter verloren britische Manager zum Glueck gegen die DM. Hoffentlich koennen die Huehner auch diesmal nicht so schnell aufgescheucht werden.
unbekannt47 05.03.2010
Hohe Staatsschulden führen zu Inflation. Nur weil der Dollar auch unter Inflation leidet (wie die so ziemlich alle Papiergeld Währungen auf diesem Planeten), heißt das nicht, dass die Kaufkraft des Euro nicht schwindet. Der [...]
Hohe Staatsschulden führen zu Inflation. Nur weil der Dollar auch unter Inflation leidet (wie die so ziemlich alle Papiergeld Währungen auf diesem Planeten), heißt das nicht, dass die Kaufkraft des Euro nicht schwindet. Der verschuldete Staat will seine Schulden reduzieren, logischerweise. Das scheint aber in so ziemlich allen westlichen Staaten unmöglich zu sein (nicht nur, dass die Schulden nicht verringert werden; sie steigen auch noch jedes Jahr). Irgendwann werden die Schulden so hoch sein, dass niemand mehr dem Staat Geld leihen will aus Angst, dass er das Geld sowieso nicht mehr zurückbekommt. Dann bleibt dem Staat nur noch ein Instrument: Gelddruckpresse. Und wohin das führt, kann man in Zimbabwe ganz gut erkennen.
Ohne Zweifel ein interessanter Artikel, der vielerlei Gedanken initiiert. Ein ganz genereller mag sein, wie es sich überhaupt mit der Schwarz- und der "Weißmalerei" des Euro in der internationalen Presse verhält. [...]
Ohne Zweifel ein interessanter Artikel, der vielerlei Gedanken initiiert. Ein ganz genereller mag sein, wie es sich überhaupt mit der Schwarz- und der "Weißmalerei" des Euro in der internationalen Presse verhält. Generell wird man sagen können, dass wohl beide Extreme naturgemäß neben der Wahrheit liegen sollten, da eben die meisten Prozesse und Entwicklungen aufgrund der ihnen immanenten, antagonistischen Dämpfer im allgemeinen dazu tendieren, sich irgendwo zwischen den beiden möglichen Extremen zu bewegen. So bedeutete die Einführung der Gemeinschaftswährung genauso wenig den Untergang des Abendlandes wie den Schritt in eine einzig bloß glänzende Zukunft ohne Makel - vielmehr hat die letzte Dekade erwartete und unerwartete, positive und negative Konsequenzen aufgezeigt. Wie man diese im einzelnen gewichten mag, ist sicherlich auch ein subjektive Angelegenheit, jedenfalls findet man zweifelsfrei sehr gute Argumente für die Gemeinschaftswährung. (Das "lästige Geldwechseln" gehört mE übrigens nicht dazu, da der relevante grenzüberschreitende Geldverkehr bargeldlos abläuft). Nach alledem ist der - zumindest zwischen den Zeilen allzuoft anzutreffende und leicht anmaßend anmutende - Vorwurf der jeweiligen Vertreter der Pro- / Contra-Euro-Fraktion, die jeweils andere Anhängerschaft sei bis zu einem gewissen Grade den Fakten gegenüber ignorant und fehlgeleitet, meines Erachtens auch in dieser sonst sehr aufschlussreichen Analyse Fehl am Platz. "Eine andere Verbindung zwischen dem Staatsbudget und dem Geldwesen entsteht über das allgemeine Zinsniveau. Wenn sich das Gemeinwesen übermäßig viel Geld auf den Kapitalmärkten leihen muss, steigen nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage die Preise, sprich: die Zinsen. Sie tun das auch für jene Kredite, die Privatleute oder Unternehmen aufnehmen. Das kann dann die Wirtschaft nachhaltig lähmen. Solange also die umlaufende Geldmenge gleich bleibt, wofür die Notenbank mit ihren Instrumenten sorgen muss, entsteht durch den zusätzlichen Kreditbedarf des Staats keine Teuerung. Die Währung bleibt stabil." [Zitat aus dem Artikel] Das ist ein sehr interessanter Punkt und resultiert auf meiner Seite in der Frage, ob marktextern hervorgerufene steigende Zinsen, wenn sie aufgrund staatlicher Verursachung von einiger Dauer sind, nicht gerade doch zu steigenden Preisen auch innerhalb des Marktes und damit zu einer Teuerung führen müssten?
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Zum Autor
mm
Wolfgang Kaden leitete ab 1979 das Ressort Wirtschaft des SPIEGEL und übernahm dort 1991 die Chefredaktion. Von 1994 bis Juni 2003 war er Chefredakteur des manager magazins.


Kommentare zum Sparpaket
"Gott helfe uns", schrieb die in Athen erscheinende konservative Zeitung "Apogevmatini". Es werde kein Geld für den Konsum geben. Nicht nur der Kleinhändler, sondern auch der Mittelstand könnte aussterben.

Steckbrief: Griechenland

Schuldenquote: 112,6 Prozent des nationalen BIP

Haushaltsdefizit: 12,7 Prozent des nationalen BIP (2009)

BIP-Wachstum: -1,1 Prozent (Prognose 2009)

Anteil am BIP der Euro-Zone: 2,6 Prozent (2008)

Quelle: EU-Kommission

Darf die EU Griechenland helfen?
Griechenlands Schuldenchaos belastet den Euro - und verunsichert die Finanzmärkte. Nun diskutieren andere EU-Staaten über mögliche Hilfen für Athen. Aber welche Maßnahmen sind rechtlich überhaupt zulässig?

Länderlexikon
Eigenname: Hellenische Republik

Offizieller Eigenname: Elliniki Dimokratia

Staatsoberhaupt: Karolos Papoulias
(seit März 2005)

Regierungschef: Loukas Papademos
(seit November 2011)

Außenminister: Stavros Dimas
(seit November 2011)

Staatsform: Parlamentarische Republik

Mitgliedschaften: EU, Nato, OECD, OSZE, Uno

Hauptstadt: Athen

Amtssprache: Griechisch

Religionen: mehrheitlich orthodoxe Christen

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,359 Mio. Einwohner

Bevölkerungsdichte: 86 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 0,2%

Fruchtbarkeitsrate: 1,5 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 25. März

Zeitzone: MEZ +1 Stunde

Kfz-Kennzeichen: GR

Telefonvorwahl: +30

Internet-TLD: .gr

Mehr Informationen bei Wikipedia | Griechenland-Reiseseite




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