Griechen-Krise Hoffnung auf EU-Hilfe lässt Börse boomen

Der griechische Aktienindex klettert rasant nach oben - Börsenhändler wetten offenbar auf eine Geldspritze der Europäischen Union. Dabei ist die Schuldenkrise längst nicht ausgestanden, ein Großstreik legt weite Teile des Landes lahm.

Börsentafel in Athen: Erst ging es deutlich nach unten, jetzt ziehen die Kurse an
AP

Börsentafel in Athen: Erst ging es deutlich nach unten, jetzt ziehen die Kurse an


Frankfurt am Main - Kursfeuerwerk an der Börse in Athen: Der Athex Composite Index sprang am Mittwochvormittag um 4,3 Prozent nach oben, bereits am Vortag hatte er knapp fünf Prozent zugelegt. Die Anleger hoffen offenbar auf finanzielle Hilfe der Europäischen Union. An diesem Donnerstag will ein EU-Sondergipfel über die Lage in dem schwer angeschlagenen Mittelmeerstaat beraten.

Griechenland leidet unter extremer Verschuldung. Experten fürchten, dass die Krise des Landes den gesamten Euro-Raum nach unten ziehen könnte. Diese Sorge hatte in der vergangenen Woche auch die Börse belastet: Der Athex war um bis zu 13 Prozent abgerutscht. Darüber hinaus belasten die Budgetprobleme Griechenlands die Devisenmärkte: Der Kurs des Euro Chart zeigen gerät seit Tagen deutlich unter Druck.

Doch nun überwiegt offenbar Optimismus: Sollte die EU tatsächlich Geld für Griechenland bewilligen, wäre das Land zumindest kurzfristig gerettet. Von dieser Hoffnung profitierten am Mittwochvormittag vor allem Bankaktien: Papiere der National Bank of Greece sprangen um neun Prozent nach oben, Aktien der Alpha Bank verteuerten sich um sechs Prozent. Laut den Devisenexperten der Commerzbank wäre mit einer breit angelegten Hilfe das Schreckensszenario eines unkontrollierten Zahlungsausfalls vom Tisch.

"Größere Verwerfung als bei Hypo Real Estate"

Schon am Dienstag war an der Wall Street der Optimismus zu spüren und führte zu kräftigen Kursgewinnen. Der Dow Jones stieg um 1,5 Prozent auf über 10.000 Zähler. Der Deutsche Aktienindex (Dax Chart zeigen) kletterte am Mittwoch gegen Mittag um 1,5 Prozent nach oben. "Haupttreiber ist die Erleichterung darüber, dass Griechenland offenbar nicht fallengelassen wird", sagte ein Händler.

Möglicherweise bereitet die Bundesregierung sogar ein eigenes Hilfspaket für Griechenland vor. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, sind sowohl bilaterale Hilfen als auch ein international abgestimmtes Vorgehen auf EU-Ebene im Gespräch. Auch ein Alleingang Deutschlands werde nicht ausgeschlossen. Koalitionsinsider fürchten dem Bericht zufolge "eine größere Verwerfung als bei der Krise der Hypo Real Estate".

Der EU-Sondergipfel am Donnerstag in Brüssel wird nach Angaben aus EU-Kreisen voraussichtlich eine Stellungnahme zu den griechischen Haushaltsproblemen abgeben. "Ich wäre nicht überrascht, wenn eine Erklärung zu diesem Thema veröffentlicht würde", sagte eine mit den Gipfel-Vorbereitungen vertraute Person am Mittwoch in Brüssel. Auf die Frage, ob mehrere Szenarien zur Hilfe für das Mittelmeerland diskutiert würden, antwortete er: "Ich schließe nichts aus."

Großstreik legt Flughäfen lahm

Immerhin hat sich die Wirtschaftsstimmung im Euroraum zuletzt aufgehellt. Der entsprechende Indikator sei im ersten Quartal von 91,0 Punkten auf 101,3 Punkte gestiegen, teilte das Ifo-Institut in München mit. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate hätten sich verbessert.

Allerdings machen die Daten deutlich, wie unterschiedlich sich die Situation in den einzelnen EU-Staaten darstellt. So hat sich das Wirtschaftsklima insbesondere in Deutschland und Italien sowie in Österreich, Belgien und den Niederlanden verbessert. Hingegen habe es sich in Frankreich, Portugal, Slowenien, Griechenland und Zypern verschlechtert.

Die Regierung in Athen versucht nun, mit einem Sparpaket der Krise entgegenzuwirken. Allerdings stoßen die Reformvorhaben auf massiven Widerstand in der Bevölkerung. An diesem Mittwoch protestiert der Öffentliche Dienst mit einem großangelegten Streik. Für 24 Stunden sollen Flughäfen, Einrichtungen der Regierung und Schulen geschlossen bleiben, in den Krankenhäusern tritt nur eine Notbesetzung an.

wal/Reuter/dpa

insgesamt 1656 Beiträge
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grauer kater 10.12.2009
1.
In Griechenland stand die Wiege der europäischen Kultur, der Demokratie und der modernen Wissenschaften! Die Griechen sind es allemal wert, dass ganz Europa für sie einsteht, denn sie sind Fleisch von unserem Fleische!
DJ Doena 10.12.2009
2.
Zitat von grauer katerIn Griechenland stand die Wiege der europäischen Kultur, der Demokratie und der modernen Wissenschaften! Die Griechen sind es allemal wert, dass ganz Europa für sie einsteht, denn sie sind Fleisch von unserem Fleische!
Isn bisschen sehr philosophisch oder?
grauer kater 10.12.2009
3.
Zitat von DJ DoenaIsn bisschen sehr philosophisch oder?
Liebe zur Weisheit ist eben eine gute menschliche Eigenschaft, die man pflegen sollte. Die menschliche Gesellschaft könnte dabei viel gewinnen, wenn möglichst viele diese Eigenschaft entwickeln würden!
zwangsreunose 10.12.2009
4.
Zitat von sysopRatingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit von Griechenland herunter, Pessimisten sprechen gar vom drohenden Staatsbankrott. Experten aber begrüßen die drastische Warnung der Finanzmärkte. Soll die EU im Notfall einspringen?
Europa lebt in erster Linie von seinem Binnenmarkt. Das ist ein geben und nehmen. Griechenland ist dabei. Aber....liebe Nachbarn, Kritik ist berechtigt. Ihr habt neu gewählt. Bringt Euren Laden in Ordnung. Außerdem wäre ich längst für eine Europaanleihe.
grauer kater 10.12.2009
5.
Es gibt nicht die Griechen, sondern normale Menschen, wie Du und ich sowie Politiker und Führungskräfte, die für bestimmte Zustände in der Gesellschaft verantwortlich zeichnen! Meine Solidarität beschränkt sich auf die normalen Menschen, die nichts mit den Machenschaften der "Führer" zu tun haben!
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