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Griechen-Krise: Schäuble warnt vor Euro-Kollaps

Stürzt Griechenland Europa in den Abgrund? Finanzminister Schäuble hält das für möglich: Das Land gefährde den Euro als Ganzes, sagt er in einem Zeitungsinterview. Ökonomen werfen den Regierungen Versagen vor - und fordern einen raschen Schuldenschnitt.

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Finanzminister Schäuble: "Und dann sehen wir, welche Optionen sich anbieten"

Berlin - Griechenland wird zum Klotz am Bein Europas - so sieht es zumindest der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble: "Wir müssen sicherstellen, dass Griechenland seine Schulden tragen und finanzieren kann", sagte der CDU-Politiker der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die Märkte zweifelten jedoch daran, dass der Regierung in Athen dies noch gelingen werde. "Diese von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes."

Dennoch schreckt der Minister vor einem Radikalschritt zurück. Auf die Frage, ob er unter dem Druck der Krise nun doch eine teilweise Annullierung der griechischen Schulden befürworte, antwortete Schäuble ausweichend. Darüber wolle er jetzt nicht spekulieren. Die Euro-Gruppe habe vereinbart, zügig Lösungen zu erörtern. "Und dann sehen wir, welche Optionen sich anbieten."

Das Zögern der europäischen Staats- und Regierungschefs in der griechischen Schuldenmisere hat die Euro-Krise nach Ansicht vieler Beobachter noch verschärft. Schon vor Wochen sollte ein zweites Milliardenpaket für den Pleitestaat geschnürt werden, doch eine Lösung zeichnet sich bislang nicht ab. Ein für diesen Freitag angedachtes Sondertreffen ist abgeblasen worden.

"Die Lage ist wirklich ernst"

Scharfe Kritik kommt nun von Top-Ökonomen. Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro empört sich über das Taktieren der Politiker. "Die Regierungen haben die Dimension des Problems immer noch nicht richtig erkannt", sagte sie dem "Handelsblatt". Es gehe zwar nicht um Krieg und Frieden, aber um die Frage, ob Europa wieder in einzelne Nationen zerfällt. Die Lage sei "wirklich ernst" und der Wohlstand Europas "nicht einfach so gesichert".

Die Expertin sieht nur einen Ausweg aus der verfahrenen Lage: eine Umschuldung. Eine umfassende Lösung sei überfällig, um Menschen und Märkten wieder Sicherheit zu geben, sagte di Mauro der Zeitung. Vor di Mauro hatte bereits Commerzbank-Chef Martin Blessing eine Kappung der griechischen Staatsschulden als unvermeidbar bezeichnet.

Kritik am europäischen Krisenmanagement äußerte auch die Mauros Kollege, der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. "Das Schicksal von Europas Schuldensündern liegt zu 25 Prozent in den Händen der Regierungen und zu 75 Prozent in den Händen der Märkte", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Di Mauro schlägt ein Tauschangebot des europäischen Rettungsschirms EFSF an die privaten Gläubiger vor. Demnach würde der EFSF griechische Staatsanleihen zum Marktpreis - also bis zu 50 Prozent unter dem Nominalwert - annehmen. Im Gegenzug erhielten die privaten Gläubiger Anleihen, die von der EZB als Sicherheiten angenommen würden. Auf diese Weise entstehe kein Problem mit dem Urteil der Rating-Agenturen, gleichzeitig erhielten die Gläubiger einen Anreiz, umzutauschen und die Verluste zu realisieren. Das Angebot solle zunächst nur für Griechenland gelten, später auch für Portugal und Irland, sagte di Mauro.

yes/Reuters/dpa

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1. Ich will ja...
fatherted98 15.07.2011
...nicht unken...aber genau das habe ich mir gedacht. Der Schwenk Richtung Drachme wird langsam aber merklich vollzogen. Der Druck steigt und die Griechen werden über kurz oder lang aus dem Euro rausgedrängt....denen folgen dann die anderen PIIGS in kürzeren oder längeren Zeitabständen....wer allerdings glaubt das wir damit finanziell aus dem Schneider sind der irrt...die Milliarden die in den PIIGS Anleihen stecken werden die Steuerzahler ausgleichen müssen und die Finanzhilfe die nach Südeuropa fließen werden auch nicht enden.
2. Zu viele Köche?
Litajao 15.07.2011
oh je, oh je, jetzt überschlagen sich ja die Nachrichten, erst Tremonti, (Blitzkrieg-Sanierung), dann Bofinger, EU-Bonds, (weiß auch nichts), und nun noch Schäuble, warnt vor Euro-Kollaps. Meine Herren, wie tief steckt denn nun tatsächlich der Karren in der Sch...? Offensichtlich weiß keiner mehr eine Lösung, obwohl wird doch alle, vor allem Deutschland, sooooo wahnsinning am Euro verdienen; und nun kommt eines der kleinsten Länder der Eurozone und der Euro steht "plötzlich" vor dem Kollaps. Meine Herren: setzen 6!
3. Ich kann das Lügenmärchen nicht mehr hören
mimas101 15.07.2011
Zitat: Es gehe zwar nicht um Krieg und Frieden, aber um die Frage, ob Europa wieder in einzelne Nationen zerfällt. Die Lage sei "wirklich ernst" und der Wohlstand Europas "nicht einfach so gesichert". EWG-Land ist keine Einheit die hier ständig herbeigeredet wird um dann die Geldbörsen zu öffnen mit dem ziel noch mehr Schulden zu machen. Zunächst nur für Griechenland und dann, wenn man sich dran gewöhnt hat, für den Rest von PIIGS. Das verbietet alleine schon Maastricht. Und immerhin wir hatten erheblich mehr Wohlstand ohne diese Lügenwährung gehabt. Die EWG funktionierte auch so ebenfalls bestens. Schließlich ist der EWG-Raum ein reines Marktgebilde damit es Firmen leichter haben ihre Waren abzusetzen und sonst nicht anderes. Eine Einheit, wie hier unterstellt, existiert daher garnicht.
4. Euros nach Athen tragen hilft nicht weiter
flieger0064 15.07.2011
Zitat von sysopStürzt Griechenland Europa in den Abgrund? Finanzminister Schäuble hält das für möglich: Das Land gefährde den Euro als Ganzes, sagt er in einem Zeitungsinterview. Ökonomen werfen den Regierungen Versagen vor - und fordern einen raschen Schuldenschnitt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,774585,00.html
Dann haben die Griechen es wohl doch richtig gemacht. Sie könnten uns von der Kunstwährung befreien. Selbst dem Rollifahrer dürfte doch mittlerweile klar sein, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr tilgen kann. Sie sind noch nicht mal in der Lage die Zinsen für die angehäuften Schulden aus eigener Kraft zu bezahlen. Die Märkte und die Ratingagenturen sehen das schon richtig. Nur unsere bornierten Politiker wollen nicht eingestehen, dass ihre Rettungsversuche von Anfang an zum Scheitern verurteilt waren. So wie der Euro selbst. https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123
5. Unsinn
abita 15.07.2011
Zitat von sysopStürzt Griechenland Europa in den Abgrund? Finanzminister Schäuble hält das für möglich: Das Land gefährde den Euro als Ganzes, sagt er in einem Zeitungsinterview. Ökonomen werfen den Regierungen Versagen vor - und fordern einen raschen Schuldenschnitt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,774585,00.html
Nicht Griechenland ist an der Misere Schuld, sondern unfähige und unentschlossene Politiker. Da werden Rücksichten auf Banken genommen. Die Krise ist doch schon seit Jahren bekannt. Und geschehen ist nichts ausser salbungsvollem Geschwätz.
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Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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Streik in Griechenland - was Urlauber beachten müssen
Wie gefährlich sind die Unruhen?
Das Auswärtige Amt warnt, dass Urlauber in größeren Städten mit Streiks und Demonstrationen rechnen müssen. Besonders Reisende in Athen und in Thessaloniki sollten einen weiten Bogen um Demonstrationen machen. Dort und Piräus treiben laut dem Außenamt besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf belebten Plätzen vermehrt Taschendiebe ihr Unwesen.

Die meisten Urlauber seien von den Unruhen aber nicht betroffen, erklärt der DRV. Nur rund ein Prozent habe für den Sommer eine Städtereise gebucht, die meisten machen auf den Inseln oder dem Peloponnes Urlaub. Und dort sei die Lage ruhig.
Welche Einschränkungen gibt es?
Während des Streiks müssen sich Griechenland-Reisende, die gerade von deutschen Flughäfen aufbrechen wollen, wegen der Fluglotsen-Streiks auf Verspätungen einrichten. Diese Fluggäste sollten sich vorher bei ihrer Gesellschaft nach möglichen geänderten Flugzeiten erkundigen, sagte Flughafensprecher von Berlin-Tegel.
Im Land selber seien von Streiks und Demonstrationen vor allem Städtereisende betroffen, sagt DRV-Sprecherin Zeuch. Museen könnten geschlossen, der öffentliche Nahverkehr lahmgelegt sein. Pauschalurlauber, die direkt auf ihre Insel fliegen, bekämen von den Protesten dagegen wenig mit.
Welche Ansprüche haben Urlauber, wenn Flüge ausfallen?
Sollten die Mitarbeiter der griechischen Flughäfen streiken und deshalb Flüge ausfallen, erhalten Urlauber keinen Schadenersatz. Denn dabei handle es sich um höhere Gewalt, erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

Pauschalurlauber könnten aber den Reisepreis mindern, wenn die Reise erst Stunden oder gar Tage später angetreten werden kann. Individualtouristen erhalten nach Wahl den Flugpreis zurück oder lassen sich auf einen anderen Flug umbuchen.

Falls der Hinflug ersatzlos ausfällt, dürfen Pauschalurlauber auch auf ein anderes Urlaubsziel umbuchen, oder sie erhalten ihr Geld zurück. Sie müssen sich auch keine Sorgen machen, wenn der geplante Flug nach Hause wegen eines Streiks ausfällt. "Der Veranstalter ist immer in der Pflicht, den Urlauber nach Hause zu bringen", sagt Fischer-Volk. Falls die Wartezeit auf den nächsten Flug sich über mehrere Tage hinzieht, müsse der Urlauber das Hotel allerdings selbst bezahlen.

Der Individualreisende dagegen muss sich selbst kümmern. Er kann laut der Reiserechtlerin entweder den Preis des ausgefallenen Flugs von der Airline zurückfordern und sich selbst die Heimreise organisieren. Oder er fordert eine Ersatzbeförderung. Dann müsse die Fluggesellschaft die Kosten für Hotel und Verpflegung bis zum nächsten Flug übernehmen.
Was ist, wenn die Fähre ausfällt?
Individualtouristen erhalten bei einem Streik den Preis des Fährtickets zurück - und haben ansonsten Pech gehabt. Wenn sie deshalb zum Beispiel den Rückflug verpassen oder nicht rechtzeitig zum gebuchten Hotel kommen, bleiben sie auf ihren Kosten sitzen, wie Fischer-Volk erklärt.

Bei Ausflügen im Rahmen einer Pauschalreise komme es darauf an, "wie prägend diese für die Reise sind". Wenn zum Beispiel bei einem Städtetrip ein Ausflug zur Akropolis ausfällt, sei der Mangel hoch zu bewerten. "Denn viele fahren ja gerade deshalb nach Griechenland", sagt Fischer-Volk. Die Urlauber könnten in diesem Fall den Reisepreis stärker mindern, als wenn ein kleiner Landausflug entfällt.

Wo die Griechen konkret kürzen
REUTERS
Die griechische Regierung stemmt sich gegen den Staatsbankrott: Mit ihrem radikalen Kürzungsprogramm will sie in den kommenden Jahren fast 80 Milliarden Euro einsparen. Aber wen treffen die Einschnitte konkret? Das Sparpaket im Überblick.


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