Aktionsbündnis: US-Manager will griechische Wasserprivatisierung stoppen

Von Georgios Christidis, Thessaloniki

Thessaloniki: Widerstand nach britischem Vorbild Fotos
AP

In der griechischen Hafenstadt Thessaloniki hat sich ein ungewöhnliches Bündnis gegen die geplante Wasserprivatisierung formiert: Bürger wollen mit Hilfe des US-Geschäftsmanns Bob Apfel den Versorger vergesellschaften - und orientieren sich dabei an Beispielen aus Großbritannien.

Die Privatisierung in Griechenland nimmt konkrete Züge an. Zum Verkauf stehen die Wasserversorger in Athen und Thessaloniki - und um den letzteren wird derzeit hart gerungen. Für das profitable Unternehmen EYATH gibt es vier Interessenten, die 51 Prozent der Anteile bei Griechenlands Privatisierungsfonds Taiped übernehmen wollen.

Bei den potentiellen Investoren handelt es sich dem Vernehmen nach um den französischen Riesen Suez Environnement, eine griechisch-israelische Arbeitsgemeinschaft, den griechisch-russischen Unternehmer Ivan Savvidis sowie um einen Außenseiter: Die Citizens Union for Water (CUW), einer Dachorganisation griechischer Genossenschaften. Die CUW will den Wasserversorger vergesellschaften, Eigentümer sollen EYATH-Kunden, die Arbeitnehmer und weite Teile der griechischen Bevölkerung werden.

Lazaros Aggelou ist der Wortführer des Bündnisses, das einst aus der sogenannten Initiative 136 hervorging. Sein Vorhaben klingt simpel: "Die 520.000 EYATH-Kunden bezahlen einen Betrag in Höhe von 136 Euro und die Firma gehört ihnen." Wasser sei keine Ware. "Wenn es zu einer Privatisierung kommt, werden die Preise steigen", ist sich Aggelou sicher.

Die Privatisierung des städtischen Wasserversorgers ist in Thessaloniki äußerst umstritten. Die Stadtverwaltung hat bereits ein Referendum angesetzt, sie argumentiert, Wasser sei eine "unverkäufliche soziale Ressource". Privatisierungsgegner beklagen, Griechenland gäbe die Wasserversorgung ab, während sie in immer mehr europäischen Städten, darunter Berlin, zurück in staatliche Hand ginge.

Die kapitalistische Kavallerie

Seit zwei Jahren ist die Bewegung bereits aktiv. Experten schenkten ihr jedoch zunächst nur wenig Aufmerksamkeit. Doch plötzlich geriet sie ins Rampenlicht. Dank Bob Apfel. Der amerikanische Geschäftsmann ist Chef der Bondholder Communications Group, einer Firma, die die Kommunikation mit Wertpapier-Besitzern erleichtern soll.

Während eines Besuchs in Thessaloniki hatte Apfel von der Bürgerinitiative gehört und seine Hilfe angeboten. Er habe eine Idee, wie man eine halbe Million griechische Haushalte mit genügend Kapital ausstatten könne, sagte Apfel. Diejenigen, die die 136 Euro nicht aufbringen könnten, könnten ein Mikrodarlehen von sozialverantwortlichen Investoren, wie etwa der Bill und Melinda Gates Stiftung oder Banca Etica bekommen. Er habe bereits Kontakte zu derartigen Investoren aufgebaut, Gespräche zu potentiellen Beteiligungen geführt und positive Rückmeldungen bekommen, sagte der Unternehmer.

"Ich war wirklich sehr begeistert von der Initiative", sagte Apfel SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, die Wasserversorgung in öffentlicher Hand zu behalten, liegt im Interesse Griechenlands und seinen Bürgern."

Apfels Konzept ist nicht neu. Das habe es alles bereits vorher schon gegeben, sagt er. "In einem eher unbekannten Land namens Großbritannien, mit zwei ebenfalls wenig bekannten Unternehmen namens British Telecom (BT) und British Gas während der achtziger Jahre", scherzt er und erinnert an die Privatisierung der beiden Unternehmen. Etwa 1,5 Millionen Briten konnten durch eine Kampagne für eine Beteiligung gewonnen werden. Laut "Guardian" sind bei British Gas heute immer noch 600.000 Anleger mit Anteilen von weniger als 250 Pfund beteiligt.

Auf den Spuren von Margaret Thatcher

Damit das Projekt in Thessaloniki ähnlich erfolgreich wird, warb Apfel den konservativen Abgeordneten John Redwood an, der damals die Privatisierung von BT und British Gas beaufsichtigt hat. Zudem plant der Manager, das Fachwissen von Citigate Dewe Rogerson zu nutzen. Die Regierung von Margaret Thatcher vertraute beim Verkauf der beiden britischen Konzerne an die Bevölkerung auf die in London ansässige PR-Agentur. "British Gas gehörte am Ende Millionen von Familien. Zudem beteiligten sich 96 Prozent der Arbeiter", erinnert sich Apfel.

Aber nicht jeder ist von der Idee überzeugt. Einer ihrer Kritiker ist der Geschäftsführer von EYATH, Nikos Papadakis. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sagt er, solche "sozialistischen Hirngespinste" seien bereits unternommen und fehlgeschlagen. "Ich würde gerne sehen, wie Bill Gates die Wasserversorgung von Thessaloniki übernimmt und Wasser für umsonst anbietet", sagt Papadakis.

Zudem verweist der EYATH-Chef darauf, dass die Privatisierung der Wasserversorgung keinen wirtschaftlichen Zielen diene und mehr als eine bloße Bemühung sei, die Einnahmenlücken zu stopfen. "Griechenlands Probleme beruhen auf der Ineffizienz des öffentlichen Sektors", sagte er. "EYATH könnte sehr gut in öffentlicher Hand bleiben oder an die Gemeinden abgetreten werden, wenn wir einen modernen Staat hätten, der die Firma richtig führen würde."

Während sich der Widerstand gegen die Privatisierung formiert, ist die Begutachtungsphase noch im vollen Gange. Ein offizielles Angebot ist noch nicht eingereicht worden, wie SPIEGEL ONLINE aus der Führungsetage von Taiped erfuhr. Dort will man die Ernsthaftigkeit der vier Interessenten in den kommenden Wochen prüfen. Anschließend können bis September Angebote eingereicht werden. Klar ist: Der Verkauf der börsennotierten EYATH soll der Staatskasse mehr als 100 Millionen Euro bringen und bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Bob Apfel ist optimistisch, dass sein Vorhaben Erfolg haben wird: "Ich glaube, es wird klappen. Es wäre sehr schade, wenn der griechische Staat dem Allgemeinwohl und der Bevölkerung von Thessaloniki den Rücken kehren würde."

Übersetzung: Martin Motzkau

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insgesamt 126 Beiträge
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1. Weiße Ritter,
maxderzweite 25.05.2013
aber die Idee ist nicht schlecht, sollte man in Deutschland bei Wasser und Strom,Heizung(Gas) einführen, dann würde diese frechen Preise sinken und diese Gemeinschaftsunternehmen müssten keine großen Gewinn machen!
2. Die Hand an der Gurgel
mantrid 25.05.2013
Die Trinkwasserversorgung zu privatisieren ist so, als wenn man jemanden gestatten würden, einen die Hand an die Grugel zu legen, um dann mehr oder weniger fest zuzudrücken. Die lebensnotwendige Grundvesorgung hat nichts in den Händen renditeorientierter Unternehmen zu suchen. Das Beispiel Berlin zeigt, es wird teurer und schlechter für die Bürger. Grenzwerte werden bis ans Limit ausgereizt.
3. Wofür braucht man als Bürger eigentlich noch einen Staat?
carolian 25.05.2013
Die Strassen verkommen und das Wasser wird als Profitquelle an Krokodile verscheuert. Das kann doch wohl nicht wahr sein, dass ein Staat die Wasserrechte privatisiert. Dann sollte er auch die Katasterämter aufgeben und wildes Bauen wieder zulassen. Sein Wasser holt man sich dann -wie im wilden Westen- mit der Knarre.
4.
stereopath 25.05.2013
Zitat von maxderzweiteaber die Idee ist nicht schlecht, sollte man in Deutschland bei Wasser und Strom,Heizung(Gas) einführen, dann würde diese frechen Preise sinken und diese Gemeinschaftsunternehmen müssten keine großen Gewinn machen!
Wasser ist ei Grundrecht und darf NIEMALS privatisiert werden!
5. Wasser sei keine Ware
AxelSchudak 25.05.2013
Recht haben sie. Die Wasserversorgung gehört nicht in die Hände profitorientierter Organisationen, genausowenig wie Polizei oder Gerichte.
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Das dritte Rettungspaket für Griechenland
Neue Hilfen für Athen
Die Euro-Gruppe hat sich erneut auf Maßnahmen verständigt, die die Schuldenlast Griechenlands bis 2022 senken sollen. Auch wenn es nicht so genannt wird, ist es eine Art drittes Rettungspaket. Auch wenn keine neuen Kredite fließen, ist die Hilfe für die Euro-Länder keineswegs kostenlos. Die wesentlichen Punkte im Überblick:
Schuldenrückkauf
Die griechische Regierung bietet den privaten Gläubigern an, eigene Staatsanleihen zu 35 Prozent des Nennwerts zurückzukaufen, obwohl sie zu 100 Prozent in den Büchern stehen. Derzeit werden die Anleihen je nach Laufzeit zu 20 bis 30 Prozent gehandelt. Theoretisch könnte die Schuldenlast so relativ günstig verringert werden, nach Bekanntgabe des Plans dürften die Preise allerdings schnell anziehen - Investoren könnte das vom Verkauf abhalten. Es ist daher unklar, wie stark die Schuldenquote sinken wird. Ebenso ist noch nicht beschlossen, woher das Geld für den Rückkauf kommen soll.
Zinserleichterungen
Die Zinsen für die Kredite aus dem ersten Griechenland-Rettungspaket sollen um einen Prozentpunkt gesenkt werden: Damals hatten die Euro-Länder bilaterale Hilfskredite vergeben. Für Deutschland übernahm dies die Staatsbank KfW, der Bund garantierte dafür. Der KfW sollen durch den Zinserlass keine Verluste entstehen. Wie viel der griechische Staat damit genau spart, ist unklar, es handelt sich aber um eine Milliardensumme. Für die Bundesregierung reduzieren sich die Einnahmen um einen dreistelligen Millionenbetrag.
Laufzeiten
Die Laufzeiten für die bilateralen Kredite des zweiten Rettungspakets sowie die Darlehen des Euro-Rettungsfonds EFSF sollen von 15 auf 30 Jahre verdoppelt werden. Die ersten zehn Jahre muss Griechenland zudem keine Zinsen zahlen. Die Zinsen für EFSF-Darlehen im Zuge des zweiten Rettungspakets sollen zehn Jahre lang gestundet werden - Athen spart so 44 Milliarden Euro.
Zentralbankgewinne
Die Notenbanken der Euro-Staaten verzichten auf Gewinne aus dem Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) - den griechischen Haushalt soll das um elf Milliarden Euro entlasten.