Aktionsbündnis US-Manager will griechische Wasserprivatisierung stoppen

In der griechischen Hafenstadt Thessaloniki hat sich ein ungewöhnliches Bündnis gegen die geplante Wasserprivatisierung formiert: Bürger wollen mit Hilfe des US-Geschäftsmanns Bob Apfel den Versorger vergesellschaften - und orientieren sich dabei an Beispielen aus Großbritannien.

Von , Thessaloniki

AP

Die Privatisierung in Griechenland nimmt konkrete Züge an. Zum Verkauf stehen die Wasserversorger in Athen und Thessaloniki - und um den letzteren wird derzeit hart gerungen. Für das profitable Unternehmen EYATH gibt es vier Interessenten, die 51 Prozent der Anteile bei Griechenlands Privatisierungsfonds Taiped übernehmen wollen.

Bei den potentiellen Investoren handelt es sich dem Vernehmen nach um den französischen Riesen Suez Environnement, eine griechisch-israelische Arbeitsgemeinschaft, den griechisch-russischen Unternehmer Ivan Savvidis sowie um einen Außenseiter: Die Citizens Union for Water (CUW), einer Dachorganisation griechischer Genossenschaften. Die CUW will den Wasserversorger vergesellschaften, Eigentümer sollen EYATH-Kunden, die Arbeitnehmer und weite Teile der griechischen Bevölkerung werden.

Lazaros Aggelou ist der Wortführer des Bündnisses, das einst aus der sogenannten Initiative 136 hervorging. Sein Vorhaben klingt simpel: "Die 520.000 EYATH-Kunden bezahlen einen Betrag in Höhe von 136 Euro und die Firma gehört ihnen." Wasser sei keine Ware. "Wenn es zu einer Privatisierung kommt, werden die Preise steigen", ist sich Aggelou sicher.

Die Privatisierung des städtischen Wasserversorgers ist in Thessaloniki äußerst umstritten. Die Stadtverwaltung hat bereits ein Referendum angesetzt, sie argumentiert, Wasser sei eine "unverkäufliche soziale Ressource". Privatisierungsgegner beklagen, Griechenland gäbe die Wasserversorgung ab, während sie in immer mehr europäischen Städten, darunter Berlin, zurück in staatliche Hand ginge.

Die kapitalistische Kavallerie

Seit zwei Jahren ist die Bewegung bereits aktiv. Experten schenkten ihr jedoch zunächst nur wenig Aufmerksamkeit. Doch plötzlich geriet sie ins Rampenlicht. Dank Bob Apfel. Der amerikanische Geschäftsmann ist Chef der Bondholder Communications Group, einer Firma, die die Kommunikation mit Wertpapier-Besitzern erleichtern soll.

Während eines Besuchs in Thessaloniki hatte Apfel von der Bürgerinitiative gehört und seine Hilfe angeboten. Er habe eine Idee, wie man eine halbe Million griechische Haushalte mit genügend Kapital ausstatten könne, sagte Apfel. Diejenigen, die die 136 Euro nicht aufbringen könnten, könnten ein Mikrodarlehen von sozialverantwortlichen Investoren, wie etwa der Bill und Melinda Gates Stiftung oder Banca Etica bekommen. Er habe bereits Kontakte zu derartigen Investoren aufgebaut, Gespräche zu potentiellen Beteiligungen geführt und positive Rückmeldungen bekommen, sagte der Unternehmer.

"Ich war wirklich sehr begeistert von der Initiative", sagte Apfel SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, die Wasserversorgung in öffentlicher Hand zu behalten, liegt im Interesse Griechenlands und seinen Bürgern."

Apfels Konzept ist nicht neu. Das habe es alles bereits vorher schon gegeben, sagt er. "In einem eher unbekannten Land namens Großbritannien, mit zwei ebenfalls wenig bekannten Unternehmen namens British Telecom (BT) und British Gas während der achtziger Jahre", scherzt er und erinnert an die Privatisierung der beiden Unternehmen. Etwa 1,5 Millionen Briten konnten durch eine Kampagne für eine Beteiligung gewonnen werden. Laut "Guardian" sind bei British Gas heute immer noch 600.000 Anleger mit Anteilen von weniger als 250 Pfund beteiligt.

Auf den Spuren von Margaret Thatcher

Damit das Projekt in Thessaloniki ähnlich erfolgreich wird, warb Apfel den konservativen Abgeordneten John Redwood an, der damals die Privatisierung von BT und British Gas beaufsichtigt hat. Zudem plant der Manager, das Fachwissen von Citigate Dewe Rogerson zu nutzen. Die Regierung von Margaret Thatcher vertraute beim Verkauf der beiden britischen Konzerne an die Bevölkerung auf die in London ansässige PR-Agentur. "British Gas gehörte am Ende Millionen von Familien. Zudem beteiligten sich 96 Prozent der Arbeiter", erinnert sich Apfel.

Aber nicht jeder ist von der Idee überzeugt. Einer ihrer Kritiker ist der Geschäftsführer von EYATH, Nikos Papadakis. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sagt er, solche "sozialistischen Hirngespinste" seien bereits unternommen und fehlgeschlagen. "Ich würde gerne sehen, wie Bill Gates die Wasserversorgung von Thessaloniki übernimmt und Wasser für umsonst anbietet", sagt Papadakis.

Zudem verweist der EYATH-Chef darauf, dass die Privatisierung der Wasserversorgung keinen wirtschaftlichen Zielen diene und mehr als eine bloße Bemühung sei, die Einnahmenlücken zu stopfen. "Griechenlands Probleme beruhen auf der Ineffizienz des öffentlichen Sektors", sagte er. "EYATH könnte sehr gut in öffentlicher Hand bleiben oder an die Gemeinden abgetreten werden, wenn wir einen modernen Staat hätten, der die Firma richtig führen würde."

Während sich der Widerstand gegen die Privatisierung formiert, ist die Begutachtungsphase noch im vollen Gange. Ein offizielles Angebot ist noch nicht eingereicht worden, wie SPIEGEL ONLINE aus der Führungsetage von Taiped erfuhr. Dort will man die Ernsthaftigkeit der vier Interessenten in den kommenden Wochen prüfen. Anschließend können bis September Angebote eingereicht werden. Klar ist: Der Verkauf der börsennotierten EYATH soll der Staatskasse mehr als 100 Millionen Euro bringen und bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Bob Apfel ist optimistisch, dass sein Vorhaben Erfolg haben wird: "Ich glaube, es wird klappen. Es wäre sehr schade, wenn der griechische Staat dem Allgemeinwohl und der Bevölkerung von Thessaloniki den Rücken kehren würde."

Übersetzung: Martin Motzkau



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insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
maxderzweite 25.05.2013
1. Weiße Ritter,
aber die Idee ist nicht schlecht, sollte man in Deutschland bei Wasser und Strom,Heizung(Gas) einführen, dann würde diese frechen Preise sinken und diese Gemeinschaftsunternehmen müssten keine großen Gewinn machen!
mantrid 25.05.2013
2. Die Hand an der Gurgel
Die Trinkwasserversorgung zu privatisieren ist so, als wenn man jemanden gestatten würden, einen die Hand an die Grugel zu legen, um dann mehr oder weniger fest zuzudrücken. Die lebensnotwendige Grundvesorgung hat nichts in den Händen renditeorientierter Unternehmen zu suchen. Das Beispiel Berlin zeigt, es wird teurer und schlechter für die Bürger. Grenzwerte werden bis ans Limit ausgereizt.
carolian 25.05.2013
3. Wofür braucht man als Bürger eigentlich noch einen Staat?
Die Strassen verkommen und das Wasser wird als Profitquelle an Krokodile verscheuert. Das kann doch wohl nicht wahr sein, dass ein Staat die Wasserrechte privatisiert. Dann sollte er auch die Katasterämter aufgeben und wildes Bauen wieder zulassen. Sein Wasser holt man sich dann -wie im wilden Westen- mit der Knarre.
stereopath 25.05.2013
4.
Zitat von maxderzweiteaber die Idee ist nicht schlecht, sollte man in Deutschland bei Wasser und Strom,Heizung(Gas) einführen, dann würde diese frechen Preise sinken und diese Gemeinschaftsunternehmen müssten keine großen Gewinn machen!
Wasser ist ei Grundrecht und darf NIEMALS privatisiert werden!
AxelSchudak 25.05.2013
5. Wasser sei keine Ware
Recht haben sie. Die Wasserversorgung gehört nicht in die Hände profitorientierter Organisationen, genausowenig wie Polizei oder Gerichte.
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