Griechenland: Abgeordneter soll eine Million ins Ausland geschafft haben
Aufregung im Athener Parlament: Ein griechischer Abgeordneter soll im vergangenen Jahr eine Million Euro ins Ausland transferiert haben. Die Überweisung war zwar offenbar legal, angesichts der desolaten Wirtschaftslage empören sich die Politiker jedoch über die Moral ihres unbekannten Kollegen.
Athen - Während sein Land um Rettungspakete ringt und sich verzweifelt gegen die Staatspleite wehrt, wollte ein griechischer Abgeordneter offenbar seine eigenen Schäfchen sicher ins Trockene bringen. Wie jetzt bekannt wurde, soll ein Parlamentarier aus Athen im Mai vergangenen Jahres eine Million Euro ins Ausland geschafft haben.
Dies teilte der Chef der Behörde zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft, Panagiotis Nikoloudis, dem zuständigen Parlamentsausschuss mit. Der Name des oder der Abgeordneten wurde nicht genannt. Dazu hätte er nicht die Erlaubnis des Parlaments und der zuständigen Datenschutzbehörde und könnte deswegen ins Gefängnis wandern, begründete Nikoloudis seine Verschwiegenheit.
Dutzende Parlamentarier forderten am Mittwochabend das Parlamentspräsidium auf, den Namen zu nennen. Anderenfalls falle "der Schatten auf alle 300 Abgeordneten", hieß es in einem Brief von sechs Abgeordneten an den Parlamentspräsidenten Filippos Petsalnikos.
Viele Abgeordnete sagten, das Geld sei zwar allen Anzeichen nach legal außer Landes überwiesen worden - was aber legal sei, sei nicht auch moralisch, hieß es. Es könne nicht sein, dass jemand, der das Volk vertritt, sein Geld ins Ausland schafft. Vetternwirtschaft und Korruption gelten unter anderem als Gründe für die desolate Haushaltslage des Landes.
lgr/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wirtschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Staat & Soziales
- RSS
- alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Mittwoch, 22.02.2012 – 22:09 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 10 Kommentare

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.
Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Fläche: 131.957 km²
Bevölkerung: 11,305 Mio.
Hauptstadt: Athen
Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias
Regierungschef: Antonis Samaras
Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite
- Griechen-Hilfe: Koalitions-Abweichler wollen Rettungspaket ablehnen (22.02.2012)
- Schuldenkrise: Rating-Agentur Fitch gibt Griechenland zweitschlechteste Note (22.02.2012)
- Griechenland-Krise: Neues Haushaltsloch gefährdet Sparpläne (22.02.2012)
- Schuldenkrise: Euro-Finanzminister einigen sich auf Hilfspaket für Griechenland (21.02.2012)
MEHR AUS DEM RESSORT WIRTSCHAFT
-
Börsen
Dax, Dow, Nikkei und Ihr persönliches Portfolio: Die Weltbörsen im Überblick -
Gehalt-Check
Brutto-Netto-Rechner: Berechnen Sie Ihr Gehalt -
Konjunktur
Alle wichtigen Wirtschaftsdaten: Arbeitslosigkeit, Brutto-
inlandsprodukt und Inflation -
Finanztest
Im Test: Finanztipps und mehr - was Sie als Verbraucher unbedingt wissen sollten -
Mehr Wirtschaft
Die Angebote von manager-magazin.de und harvardbusiness
manager.de

Möchten Sie ein anderes Land erkunden?