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Tsipras-Besuch bei Merkel: Letzte Hoffnung

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Beim Deutschland-Besuch des griechischen Regierungschefs Tsipras geht es um mehr als ein paar fehlende Milliarden. Das Treffen mit Kanzlerin Merkel ist die vielleicht letzte Chance, das zerrüttete Verhältnis beider Länder zu kitten.

Es ist das Tragische am Euro, dass er die Länder Europas eigentlich näher zusammenbringen sollte und sie nun immer tiefer entzweit. Das beste (oder schlimmste) Beispiel dafür sind Deutschland und Griechenland.

Seit die von Berlin angeführten Eurostaaten dem Land im Mai 2010 zum ersten Mal mit Hilfskrediten beisprangen und ihnen im Gegenzug ein radikales Sparprogramm aufzwangen, gibt es Spannungen in den Beziehungen zwischen beiden Ländern. Und in den vergangenen Wochen ist diese Spannung so stark geworden, dass der Bogen mitunter auch manchmal überspannt wurde.

In Deutschland heizte die "Bild"-Zeitung diese Wut an, indem sie über die undankbaren "Pleite-Griechen" schimpfte. Flankiert wurde sie dabei von diversen Politikern aus CSU, CDU und SPD, die Regierung und Bürger eines befreundeten europäischen Landes im Schulmeisterton aufforderten, "endlich ihre Hausaufgaben" zu machen oder damit drohten, sie andernfalls aus der Eurozone zu schmeißen.

Auch in Griechenland brach sich die Wut Bahn: in absurden Drohungen, Flüchtlinge nach Deutschland zu schicken (womöglich auch Terroristen), in Nazi-Karikaturen und Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Wenn Alexis Tsipras an diesem Montag nach Berlin kommt, schwingt das alles mit. Die Verwerfungen zwischen den beiden Ländern behindern die Lösung der griechischen Krise - obwohl die so dringend nötig wäre.

In einem Brief von Tsipras an Bundeskanzlerin Angela Merkel, der offenbar schon vor einer Woche abgeschickt wurde, warnt der griechische Regierungschef, dass es seinem Land nicht mehr möglich sein werde, die anstehenden Schuldenrückzahlungen in den kommenden Wochen zu erfüllen, wenn die europäischen Partner keine schnellen Hilfen bereitstellen. So berichtet es die britische "Financial Times". Als Gegenleistung will er Merkel offenbar eine Liste mit Maßnahmen präsentieren, die die Bundesregierung und die anderen Geldgeber gnädig stimmen sollen.

Deutschland füllt die Rolle des Aufrechners penibel aus

Das Treffen zwischen Merkel und Tsipras könnte die letzte Chance sein, so etwas wie gegenseitiges Verständnis herzustellen, ohne das weder Griechenland noch der Euro als Ganzes gerettet werden kann.

Die Idee der europäischen Währungsunion war vor allem eine politische: Das gemeinsame Geld sollte die Völker Europas enger aneinanderbinden, sie sollten eine Schicksalsgemeinschaft gleicher Interessen bilden. Doch genau das ist grandios gescheitert: Wenn es ums Geld geht, haben viele Staaten der Währungsunion heute genau gegensätzliche Interessen.

Zum Teil liegt das an der Konstruktion des Euro selbst: Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank etwa kann nicht für alle Staaten passend sein. Für die einen sind die Zinsen immer zu hoch, für die anderen sind sie zu niedrig. Staaten wie Griechenland konnten sich so billiger verschulden, als es ihnen langfristig ökonomisch gutgetan hätte.

Entscheidend für die Verwerfungen zwischen den Mitgliedstaaten aber war etwas anderes: die Konstruktion der Rettungspolitik, die vor fünf Jahren mit dem Fall Griechenland begann. Gerettet wurde nämlich erstens immer durch Kredit - und zweitens immer auf getrennte Rechnung.

So hat die Eurokrise einen Großteil des Kontinents in Gläubiger und Schuldner unterteilt. Ständig wurde aufgerechnet, wer wem wie viel schuldet - und was der Geldgeber im Gegenzug dafür erwarten kann. Deutschland hat diese Rolle des Aufrechners stets besonders penibel ausgefüllt. Welche Blüten das treibt, zeigte sich auch an diesem Montag wieder, als eine Zeitung es für erwähnenswert hielt, dass der deutsche Staat die Übernachtungskosten des griechischen Regierungschefs in einem Berliner Hotel zahlt.

Wenn Merkel und Tsipras nun miteinander sprechen, wird sich die Rollenverteilung nicht grundlegend ändern. Den Wunsch der griechischen Bürger und der neuen griechischen Regierung, nicht mehr durch immer neue Kredite und neue Schulden gerettet zu werden, hat die Bundesregierung längst abgeschmettert. Jetzt geht es nur noch darum, das kurzfristige finanzielle Überleben eines Landes zu sichern. Doch selbst dazu wäre es nötig, dass Deutschland seine Rolle des reichen Besserwissers zumindest mal kurz verlässt.

Das Mindeste, was dabei herauskommen sollte, ist ein Gespräch auf Augenhöhe, in dem sich die Partner auf die Lösung der finanziellen Probleme konzentrieren - und nicht auch die Aufrechnung von Schuld und Schulden.

Die Chronik der Griechenlandkrise

Am 1. Januar 2001 tritt Griechenland der Eurozone bei. Bei der Einführung des Euro 1999 war das Land noch nicht dabei. Erst im Jahr 2000 erfüllte es die sogenannten Konvergenzkriterien des Maastrichter Vertrages - zumindest auf dem Papier.

Im November 2004 wird klar: Die Regierung in Athen hat sich die Aufnahme in die Eurozone mit gefälschten Finanzdaten erschummelt. Alle Haushaltsdefizite vergangener Jahre waren in Wahrheit deutlich höher als zuvor an Brüssel gemeldet. So übertrafen die neuen Schulden in jedem Jahr die im Stabilitätspakt erlaubte Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung. Langjähriger Berater der Griechen war die US-Investmentbank Goldman Sachs.

Ende Oktober 2009 zeichnet sich zum ersten Mal so etwas wie eine Griechenland-Krise ab. Das voraussichtliche Haushaltsdefizit liegt bei rund 12,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, doppelt so hoch wie zunächst angenommen. Die neue Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou kündigt Sparmaßnahmen an.

Mitte Dezember 2009 stuft die Rating-Agentur Standard & Poor's Griechenlands Kreditwürdigkeit herab. Zuvor hatte dies schon die Agentur Fitch getan. Warnungen vor einer drohenden Staatspleite werden lauter. Der Kurs des Euro bricht ein. Bundeskanzklerin Angela Merkel beschwichtigt: "Ich bitte im Interesse einer sachlichen Diskussion, das nicht überzubewerten."

Im Frühjahr 2010 wird es eng: Griechenland bekommt nur noch sehr schwer Geld an den Finanzmärkten. Die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) springen dem Land bei. Anfang Mai schnüren sie ein Rettungspaket mit Krediten über 110 Milliarden Euro, 30 Milliarden davon übernimmt der IWF, auf Deutschland entfallen 22,4 Milliarden Euro. Die Bundesregierung peitscht das Gesetz im Eilverfahren durch den Bundestag. Die Geldgeber sehen die Griechen-Krise offenbar als temporäres Problem: Die Laufzeit der Kredite beträgt nur drei Jahre. Kurz darauf geraten auch andere Länder wie Irland und Portugal ins Wanken.

Ein Jahr später spitzt sich die Schuldenkrise erneut zu. Weil absehbar ist, dass Griechenland sich nicht wie geplant bereits 2012 am Kapitalmarkt finanzieren kann, braucht es mehr Geld von den Staaten der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds. Am 10. Mai 2011 kündigt die griechische Regierung ein neues Sparpaket an. Wenige Tage später legen gewaltsame Demonstrationen Teile des Landes lahm. Die Polizei muss das Parlament gegen wütende Bürger verteidigen. Sie feuert Tränengas, Demonstranten werfen Steine zurück, attackieren die Limousine von Ministerpräsident Papandreou.

Zweites Rettungspaket, erster Versuch: Ein Sondergipfel der Eurostaaten beschließt am 21. Juli 2011 ein neues Hilfspaket für Griechenland mit einem Volumen von 109 Milliarden Euro. Der Großteil des Geldes soll aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF und dem Internationalen Währungsfonds kommen. Erstmals sollen aber auch private Gläubiger beteiligt werden - auf freiwilliger Basis.

Ende Oktober 2011 legt die Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) einen neuen Bericht zur Finanzsituation Griechenlands vor. Die Experten zeichnen darin ein düsteres Bild: Die Lage des Landes hat sich in den vorangegangenen Monaten weiter verschlechtert. Auf einem EU-Gipfel am 26. Oktober schmieden die Staats- und Regierungschefs einen neuen Rettungsplan: Private Gläubiger sollen auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Das trifft vor allem europäische Banken. Athen soll weitere 100 Milliarden Euro erhalten, mit zusätzlichen 30 Milliarden Euro soll der Schuldenschnitt abgesichert werden.

Turbulente Herbsttage: Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend eine Volksabstimmung über die Beschlüsse des Eurogipfels und die damit verbundenen Sparauflagen für sein Land an. Beim G20-Gipfel in Cannes nehmen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Papandreou Anfang November ins Gebet. Daraufhin lässt dieser den Referundumsplan fallen und tritt zurück. Loukas Papademos, der Ex-Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, tritt am 11. November 2011 an die Spitze einer Übergangsregierung.

Im Februar 2012 stimmt das griechische Parlament einem neuen Sparprogramm zu. In Athen kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Die internationalen Geldgeber hatten auf verschärfte Reformen gepocht - im Gegenzug verabschieden die Euro-Finanzminister das zweite Rettungspaket. Neben dem Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger enthält es auch die im Oktober angekündigten Hilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro. Für die Kredite aus dem ersten Hilfspaket von 2010 werden die Zinsen halbiert. Der Schuldenschnitt wird am 9. März 2012 wirksam.

Bei der Parlamentswahl am 6. Mai 2012 strafen die Griechen die Traditionsparteien Nea Dimokratia (ND) und Pasok ab, die aus ihrer Sicht das Land einem internationalen Spardiktat unterworfen haben. Parteien wie Syriza, die eine Aufkündigung der Sparvereinbarungen fordern, legen kräftig zu. Eine Regierungsbildung scheitert. Nach der Neuwahl am 17. Juni wird ND-Chef Antonis Samaras als Ministerpräsident vereidigt. Unterstützt wird seine Regierung von Pasok und der demokratischen Linken (Dimar). Das bei den Wahlen zweitplatzierte Linksbündnis Syriza ist jedoch nicht beteiligt.

Die Lage an den Finanzmärkten spitzt sich im Sommer 2012 wieder zu. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sinniert über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi erklärt am 26. Juli, die EZB werde "alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten" - und leitet damit eine Wende in der Eurokrise ein. Von nun an schwindet die Angst davor, dass die griechische Krise auch Länder wie Italien oder Spanien anstecken könnte.

Am 8. Oktober 2012 besucht Angela Merkel zum ersten Mal seit Ausbruch der Krise Griechenland. Sie lobt die Fortschritte des Landes. Der IWF dagegen glaubt nicht, dass Griechenland den Sanierungszeitplan einhalten kann. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble tritt Spekulationen über einen Euro-Austritt Griechenlands entgegen. Dabei gelingt ihm ein legendärer Satz auf Denglisch: "I think there will be no Staatsbankrott in Greece."

Griechenland erhält weitere Zugeständnisse: Am 27. November 2012 einigt sich die Euro-Gruppe mit dem IWF auf eine Anpassung des zweiten Rettungspakets: Die Regierung in Athen soll mehr Zeit für die Umsetzung der Sparvorgaben bekommen. Daraus ergibt sich eine Finanzlücke von 14 Milliarden Euro, die unter anderem mit günstigen Zinsen auf bereits gewährte Kredite gestopft werden soll.

Im Juni 2013 räumt der Internationale Währungsfonds (IWF) Fehler bei der Rettungspolitik ein. Beim ersten Hilfsprogramm aus dem Mai 2010 habe man zu optimistische Annahmen zugrunde gelegt. Weder der Schuldenstand noch das Wachstum hätten sich so entwickelt wie damals angenommen. Die griechische Wirtschaft schrumpft 2013 das fünfte Jahr in Folge. Seit 2008 ist das Bruttoinlandsprodukt um gut 22 Prozent eingebrochen, die Staatsverschuldung ist wieder höher als vor dem Schuldenschnitt.

2014 scheint die jahrelange Talfahrt endlich zu Ende zu gehen. Die griechische Regierung erwartet sogar ein kleines Wirtschaftswachstum - und wird forsch: Anfang April leiht sich das Land erstmals seit vier Jahren wieder langfristig Geld am Kapitalmarkt. Die Investoren sind begeistert - und geben den Griechen drei Milliarden Euro zu 4,75 Prozent Zinsen.

Ende 2014 laufen die Hilfen der Europartner für Griechenland aus - und Ministerpräsident Antonis Samaras wird nicht müde zu betonen, dass kein neues Geld nötig sei. "Die Ära der Rettungspakete geht zu Ende", jubelt er. Ende November meldet der SPIEGEL, es werde wohl doch ein weiteres Hilfspaket geben. Zehn Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds ESM sollten umgewidmet werden.

Am 29. Dezember 2014 scheitert die Wahl des Staatspräsidenten im dritten Wahlgang - die griechische Verfassung sieht für diesen Fall Neuwahlen vor, die am 25. Januar stattfinden sollen. Das könnte die große Chance für das linke Syriza-Bündnis und dessen Chef Alexis Tsipras sein. Tsipras lehnt die Reformauflagen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) ab und will im Falle eines Wahlsiegs einen Schuldenschnitt durchsetzen. Bei den Geldgebern stößt das nicht auf Begeisterung. Anfang Januar 2015 meldet der SPIEGEL, die Bundesregierung sei bereit, Griechenland notfalls aus der Eurozone ausscheiden zu lassen. Die Finanzmärkte reagieren schockiert.

Am 25. Januar 2015 gewinnt Alexis Tsipras mit seinem Linksbündnis Syriza die Parlamentswahl. Die absolute Mehrheit verfehlt er dabei knapp – und muss eine Koalition eingehen. Als Partner wählt Syriza ausgerechnet die rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen. Am 26. Januar wird Tsipras als Ministerpräsident vereidigt.

Wenige Tage nach der Wahl reist Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem nach Athen. Er will mit der neuen griechischen Regierung darüber sprechen, wie es mit dem Hilfs- und Reformprogramm weitergeht. Doch was er erlebt, ist eine knallharte Abfuhr. Griechenland weigere sich, weiter mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF zusammenzuarbeiten, sagt Finanzminister Giannis Varoufakis bei der gemeinsamen Pressekonferenz. Dijsselbloem steht auf und geht – es reicht nur noch für einen flüchtigen Händedruck.

Nach wochenlangem Ringen mit gegenseitigen Drohgebärden einigen sich Griechenland und die Euro-Finanzminister am 20. Februar in Brüssel auf eine Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms. Doch das Geld soll erst fließen, wenn Griechenland konkrete Reformvorschläge vorlegt, die von den Gläubigern gebilligt werden.

Ende März 2015 legt Tsipras Reformvorschläge vor, die Gläubiger lehnen sie umgehend ab – so wie alle der zahlreichen Reformlisten, die im Frühjahr aus Athen nach Brüssel geschickt werden. Der Ton wird noch rauer, die Drohgebärden drastischer. Die Griechen holen viele Milliarden Euro von ihren Bankkonten. Dennoch scheint ein Kompromiss in letzter Sekunde zu gelingen – bis zum 26. Juni: Tsipras kündigt ein Referendum über die Forderungen der Geldgeber an und empfiehlt den Griechen, gegen sie zu stimmen, die griechischen Verhandler werden aus Brüssel abgezogen. Die Euro-Finanzminister beschließen, das Hilfsprogramm auslaufen zu lassen – ohne die letzte Tranche zu überweisen. Die griechische Regierung verhängt Kapitalverkehrskontrollen, vom 29. Juni an sind die Banken geschlossen, Abhebungen und Überweisungen gedeckelt.

In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli endet das zweite Hilfsprogramm – und Griechenland bleibt zum ersten Mal seit Beginn der Krise eine Kreditrate schuldig: 1,54 Milliarden Euro hätte das Land an den IWF zahlen müssen. Die Geldgeber lehnen neue Verhandlungen bis zum Referendum am 5. Juli ab, Tsipras und Varoufakis knüpfen ihre politische Zukunft an ein Nein des Volks zu den Gläubiger-Forderungen. Im ganzen Land bilden sich lange Schlangen vor Geldautomaten, pro Tag gibt es höchstens 60 Euro. Rentner warten stundenlang vor den wenigen offenen Bankfilialen auf einen Teil ihrer Renten.

Am 5. Juli findet das Referendum über die Sparauflagen statt. Begleitet wird es zum Teil von scharfen Angriffen auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU), der auf Plakaten als Vampir verunglimpft wird. Nachdem die Umfragen lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraussagen, triumphiert am Ende Tsipras: 61 Prozent der Abstimmenden folgen seinem Rat, die Reformforderungen der Gläubiger abzulehnen.

Unmittelbar nach dem Referendumserfolg vollzieht Tsipras eine beachtliche Kehrtwende: Sein umstrittener Finanzminister Varoufakis tritt zurück und braust am 6. Juli mit Ehefrau Danae von dannen (Foto). Kurz darauf legt Tsipras mit Unterstützung der französischen Regierung ein umfassendes Reformpaket vor, das den Forderungen der Gläubiger weit entgegenkommt. Obwohl dies eine 180-Grad-Wende bedeutet, bekommt Tsipras in der Nacht auf den 11. Juli im Parlament eine Mehrheit für die Aufnahme von Verhandlungen – allerdings nur mithilfe der Opposition.

Falls Tsipras sich von seinem Reformvorschlag eine schnelle Einigung erhofft hat, so wird aufs Gröbste enttäuscht. Zunächst bringt Finanzminister Wolfgang Schäuble vor einem Treffen mit seinen Amtskollegen die Option einen zeitweiligen Euro-Austritt ins Gespräch. Beim anschließenden Euro-Gipfel in der Nacht vom auf den 13. Juli verhindert EU-Ratspräsident Donald Tusk laut Teilnehmern ein Scheitern nur, indem er Merkel und Tsipras verbietet, den Raum zu verlassen. Am Ende wird Griechenland zwar ein neues Hilfsprogramm in Aussicht gestellt, nicht zuletzt auf Betreiben von Frankreichs Präsident Francois Hollande (M.). Doch Tsipras muss dafür Bedingungen akzeptieren, die deutlich härter als das ursprüngliche Angebot der Gläubiger sind.

Am 15. Juli muss das griechische Parlament die ersten Reformen beschließen, das Ultimatum haben die Euro-Partner gestellt. Für Tsipras und seinen neuen Finanzminister Efklidis Tsakalotos wird die Abstimmung jedoch zur Nervenprobe, denn der Widerstand in der Regierungspartei Syriza reicht bis zur Parlamentspräsidentin Zoi Konstantopoulou. Zwar bekommt Tsipras eine knappe Regierungsmehrheit zustande, doch die Spaltung seiner Partei ist nicht mehr zu übersehen. Darauf reagiert der Regierungschef, indem er zwei Tage später sein Kabinett umbildet und rebellische Minister entlässt. In der Nacht auf den 23. Juli werden weitere Reformforderungen verabschiedet, der Weg zu neuen Verhandlungen mit den Geldgebern ist vorerst frei.

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1. ist ja nett...
scenes 23.03.2015
...Herr Kaiser, aber erstens hätte man das "Schuldner / Gläubigerspiel" nach richtiger Lesart der Lissabonvertrages garnicht anfangen dürfen, damit wäre Griechenland bereits 2010 aus dem Euro ausgetreten und alle wären heute noch "Freunde". Zweitens , wie will man denn nach allen Vorschlägen und Anfeindungen der letzten Monate und Jahre (Touristen als Steuerfahnder, etc...) ernsthaft "auf Augenhöhe" mit dieser Regierung ins Gespräch kommen...Meine Bank sagt mir ja auch wie ich meine Kredite zurückzahlen soll und sämtliche meiner Anfragen nach Schuldenschnitten und Ewigkeitsanleihen wurden leider bisher nicht genehmigt...
2. Austritt
captainpetrov 23.03.2015
Man muss den neuen griechischen Finanzminister nicht mögen, aber wer hat recht, dass Griechenland damals einfach hätte pleite gehen sollen. Ich denke noch immer, dass das die einzige Möglichkeit ist.
3. Kapieren es die Medien nicht? Oder wollen sie es nicht verstehen...
dschmi 23.03.2015
Die Medien als auch die Politiker der etablierten Parteien sind für das Wahlergebnis in Griechenland, gestern in Andalusien und Frankreich mitverantwortlich. Umso länger Griechenland im Euro bleibt... Umso mehr werden Eurokritische Parteien in ganz Europa immer mehr Zulauf bekommen weil keiner einsieht für Griechenland zu haften, und das zurecht! Da können die Medien noch so versuchen Stimmung zu machen und alles klein zu reden... Merken die Medien nicht das sie mit ihrem Eurofanatismus regelrecht Wahlkampf machen für AfD, Podemos, FN, uKiP etc... Anstatt einfach einmal zu sagen, Schluss mit dem Experiment. Eine Währung kann nicht von politischen Illusionen leben wenn sie auf dem Weltmarkt bestehen will... Eine Währung kann ebenso wenig bestehen wenn Staaten in dieser Währungsgemeinschaft sind die nicht dem Weltmarkt gewachsen sind. Ich weiß für viele Eurofanatiker ist das Blasphemie, aber es ist die Realität! Manche Himmeln den Euro an wie Mitglieder einer Sekte den Guru...
4. Der Ton macht die Musik
Sal.Paradies 23.03.2015
Immerhin war Merkel einer der wenigen Poltiker, die nicht permenent im "Kampfmodus" agieren, siehe unsere politischen Freunde bei CDU/CSU/SPD/GRÜNE. In der Vergangenheit hatten wir genug schrille Töne, da ist es genau der richtige Zeitpunkt, dass Enscheidungsträger wie Merkel/Tsipras mehr die moderaten Töne anschlagen. So weit so gut, aber eine Fehlkonstruktion wie den Euro kann auch Merkel nicht wirklich ändern, was bedeutet, nach dem Hilfspaket ist vor dem (nächsten) HIlfspaket. Egal wie fein Mutt das Klavier stimmen mag, für einen grieichischen Politiker wie Tsipras ist der Flügel eine Nummer zu groß und die Griechen werden auch in 15 Jahren beim Eurolied nicht den rechten Ton treffen können.........
5. Langweilige Nummer
watermark71 23.03.2015
Diese ganze Reformliste ist ein Witz. In einem Land in dem ohnehin kaum noch jmd Steuern bezahlt müsste da nur ein Punkt drauf stehen: Steuern / Außenstände eintreiben. Macht so rund 80 Mrd Euro. PS: Ideen mit spez MwSt für Touristengebiete dürften kaum mit EU Recht vereinbar sein. Wischiwaschi - entweder ist man dort so .... oder es sind die üblichen griechischen Nebelkerzen...
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