Griechenland-Verhandlungen Jetzt bleiben nur noch wenige Stunden

Das nächtliche Treffen von Alexis Tsipras mit Spitzenvertretern der Geldgeber hat keinen Durchbruch gebracht. Nun wollen sich der griechische Premier und die Gläubiger ab 9 Uhr erneut zusammensetzen - kurz vor dem EU-Gipfel.


Die Verhandlungen zwischen dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und den Chefs der Gläubigerinstitutionen über einen Kompromiss im Schuldenstreit sind in der Nacht ohne einen Durchbruch beendet und auf den Morgen vertagt worden.

Über Ergebnisse wurde offiziell nichts bekannt. Aus griechischen Regierungskreisen hieß es allerdings, die Regierung in Athen stehe zu ihrer Position. Die Gespräche auf Spitzenebene sollen um 9 Uhr fortgesetzt werden.

Tsipras hatte bereits den ganzen Mittwoch und nach einer kurzen Unterbrechung erneut seit dem späten Abend mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, IWF-Chefin Christine Lagarde, EZB-Präsident Mario Draghi und dem Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, über einen Kompromiss verhandelt.

Ein Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe war am Mittwochabend nach nur einer Stunde vertagt worden. Auch zahlreiche Fachleute waren in die Griechenland-Gespräche eingebunden. Sie wollten um 6 Uhr morgens ihre Arbeit wieder beginnen.

Bei den Spitzengesprächen forderte Tsipras laut Diplomaten eine Verlagerung der Schulden auf den Euro-Rettungsschirm ESM - was die Geldgeber ablehnen. Der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling sagte, der Vorstoß für die Schulden-Umschichtung sei der "größte Brocken" in den Verhandlungen. "Das ist für viele ein drittes (Hilfs-)Programm durch die Hintertür."

Laut Informationen der griechischen Seite gibt es unter anderem Differenzen bei der Mehrwertsteuer. Die Geldgeber forderten, dass der Satz für Restaurants auf 23 Prozent angehoben werde. Dies sei ein großes Problem für das vom Tourismus abhängige Land. Der IWF wolle Kürzungen bei den Renten, aber keine Erhöhung der Unternehmensteuer, wie sie zuletzt die Griechen vorschlugen.

Tsipras und die Gläubiger sollen eine Vorlage für einen Kompromiss aushandeln, über den dann die Eurofinanzminister beraten. Ursprünglich sollte das bereits am Mittwoch passieren. Doch weil Griechenland und die Geldgeber noch nicht fertig verhandelt hatten, vertagten sich die Finanzminister auf Donnerstag um 13 Uhr.

Eine mögliche Vereinbarung soll dann beim EU-Gipfel am Donnerstag oder Freitag von den Staats- und Regierungschefs der Eurozone besiegelt werden.

Eine Einigung drängt, weil das Hilfsprogramm der Gläubiger für das finanziell angeschlagene Land am 30. Juni endet und damit der Anspruch auf weitere Überweisungen. Kommt keine Einigung zustande, droht Griechenland die Pleite und das Ausscheiden aus dem Euro, der sogenannte Grexit.

syd/mmq/Reuters/dpa

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jgwmuc 25.06.2015
1. Ungalublich
Streiten? Der Schuldner streite sich um Schuldenerlass zu bekommen, nachdem er die geliehenen Milliarden verprasst hat. Wo sind wir denn? Kommen die Greichrn damit durch, mit Frechheit und Beleidigungen dann ist das Ende der EU und des Euro eingeläutet. Alle Schuldner machen dann den "Griechen"
gilderoy 25.06.2015
2. ?
Ich hab gedacht der Durchbruch wäre bis zum 19.6. fällig gewesen, damit die Vereinbarungen auf den unteren Ebenen noch ausgearbeitet werden können und sich die zuständigen Parlamente ordentlich informieren und abstimmen können. (die Frist läuft doch in 5 tagen aus?!) naja, buisness as usual eben.
warum_denkt_keiner_nach? 25.06.2015
3. Warum gibt man es nicht endlich zu?
Auf dem G7 Gipfel wurde doch schon längst beschlossen, dass Griechenland entweder ein Diktat unterschreiben muss oder Konkurs geht. Dieser ganze Zirkus, dass die griechische Regierung Vorschläge machen soll, dient doch nur dazu, die Griechen noch ein wenig zu foltern. Vielleicht will aber auch einfach niemand den Buhmann spielen und klipp und klar sagen: "Entweder Kapitulation oder raus."
Potatocouch 25.06.2015
4. Fauler Kompromiss
"Tsipras und die Gläubiger sollen eine Vorlage für einen Kompromiss aushandeln" Man sucht einfach eine Lösung in der alle ihr Gesicht bewahren, es keinen Grexit gibt und die weiteren Milliarden die Griechenland verpuffen werden in schöne Worte für das Wahlvieh zu packen.
Bio4Life 25.06.2015
5. Die EU braucht GR nicht
Bei nur 1-2 Prozent der Wirtschaftsleistung kann man nicht 99% der Arbeitszeit vieler EU-Politiker über 5 Jahre fordern - das zieht die EU nur nach unten. Die Griechen hatten ihre Chance, aber immer bewiesen, daß sie nicht zur Kultur aller anderen Staaten der EU passen. Also fliegen sie endlich raus. Als nächstes muss dann England/UK beweisen, daß es dazugehören will. Vielleicht bleibt ein funktionsfähigeres Kerneuropa zurück, wenn GR un UK einmal ausgetreten sind bzw. wurden. Jetzt erst einmal einen Schlußstrich ziehen und zuschauen wie GR vielleicht in einem Afrikanischen, Russischen oder Mittelmeerbündnis neue Partner findet, die es finanzieren wollen.
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