Angst vor Euro-Austritt Griechen plündern ihre Bankkonten

Anlegerpanik macht sich in Griechenland breit: Zahlreiche Bankkunden plündern ihre Konten, weil sie fürchten, das Land könnte bald aus der Euro-Zone austreten - und die neue Währung drastisch an Wert verlieren. Seit Anfang der Woche wurden schon 900 Millionen Euro abgehoben.

Griechin vor Cash-Automat: Die Anleger sind unruhig
REUTERS

Griechin vor Cash-Automat: Die Anleger sind unruhig


Athen - Noch sind es meist einzelne Menschen am Cash-Automaten, noch bilden sich vor den Banken Griechenlands keine langen Schlangen - doch die Zahl der Anleger, die ihre Konten plündern, wächst. Allein seit Wochenbeginn haben Kunden rund 900 Millionen Euro von ihren Konten abgehoben, berichtet die Nachrichtenagentur dpa-AFX unter Berufung auf Insider.

Hauptgrund ist die Angst vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Nachdem die Regierungsbildung gescheitert ist, nachdem die Bürger im Sommer noch einmal ein neues Parlament wählen müssen, nachdem bei den Neuwahlen Parteien, die den griechischen Sparkurs ablehnen, noch mehr Macht gewinnen könnten, ist die Wahrscheinlichkeit dafür gestiegen.

Das aber würde bedeuten, dass Griechenland entweder die Drachme wieder einführt - oder eine neue Währung mit anderem Namen. Auf jeden Fall würde die neue griechische Währung im Vergleich zum Euro stark abwerten, die Barguthaben auf den Konten der Griechen würden dadurch massiv an Wert verlieren. Nicht nur im Vergleich zum Euro, sondern auch im eigenen Land. Denn Importe würden für die Griechen teurer - die Verbraucherpreise würden also nicht im gleichen Maße sinken, wie die neue griechische Währung abwertet.

Wirtschaft wächst im ersten Quartal leicht

Staatspräsident Karolos Papoulias hatte bereits am Wochenende die Parteichefs darauf hingewiesen, dass die Griechen wieder verstärkt hohe Summen von Geldautomaten und über das Internet abgehoben hätten. Notenbank-Chef Georgios Provopoulos präsentierte diese Informationen demnach am Sonntag den Parteispitzen.

Papoulias wollte damit deutlich machen, wie ernst die Lage ist - und so möglicherweise eine Regierungskoalition erzwingen. Allerdings soll sich der Chef der sparkritischen Syriza-Partei, Alexis Tsipras, wenig beeindruckt gezeigt haben. "Ach was? Sie haben jetzt entdeckt, dass das Geld abfließt. Es sind doch seit Ausbruch dieser Krise 73 Milliarden Euro verlorengegangen", zitierte die griechische Presse Tsipraspras' Reaktion. Das werde ihn nicht dazu bewegen, mit den Konservativen und den Sozialisten zu kooperieren. Papoulias dagegen warnte angesichts des drohenden Euro-Austritts vor einer "Tragödie".

Die Lage ist schlimm, da kann auch eine positive Konjunkturmeldung die Stimmung kaum aufhellen. Ersten Schätzungen zufolge ist die griechische Wirtschaft im ersten Quartal 2012 wohl um rund ein Prozent gewachsen. Im Vergleich zum Vorquartal, wohlgemerkt. Im Vergleich zum ersten Quartal 2011 ist sie um 6,2 Prozent geschrumpft.

EU und IWF haben derweil angekündigt, den krisengeschüttelten griechischen Banken zu helfen - mit 18 Milliarden Euro. Das Gelder stammt aus dem zweiten 130 Millarden Euro schweren Hilfsprogramm, das der Euro-Rettungsschirm EFSF in mehreren Tranchen auszahlen soll. Die 18 Milliarden Euro seien bereits auf ein Sonderkonto der griechischen Zentralbank (Bank of Greece) überwiesen worden, teilte die Regierung in Athen mit.

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
einuntoter 16.05.2012
1. Übers Internet Geld abheben-
Wie geht das denn? Kommt das Geld dann aus dem Drucker raus?
ka.briz 16.05.2012
2. Griechen plündern ihre Bankkonten - Plündern!?
Was heisst hier plündern, wenn ich etwas, was mir gehört anderswo hinbringe? Gehört das Geld schon jemandem andern? Solche Worte aus der bequemen Zuschauerecke hört man als Betroffener wohl gerne. Falls meine Bank mal vor dem Bankrott steht, ist es wohl das erste, dass ich mein Geld auf eine andere Bank meines Vertrauens ( CREDIT!) schaffe.
wibo2 16.05.2012
3. Bank Run
Zitat von sysopREUTERSAnlegerpanik macht sich in Griechenland breit: Zahlreiche Bankkunden plündern ihre Konten, weil sie fürchten, das Land könnte bald aus der Euro-Zone austreten - und die neue Währung drastisch an Wert verlieren. Seit Anfang der Woche wurden schon 900 Millionen Euro abgehoben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,833489,00.html
Die größte Gefahr für Europa ist ein Bank-Run. Jetzt wird es Ernst. Job, Haus, Aktien und Wertpapiere sind in Gefahr. Aber: "cash is king!"
whitewolfe 16.05.2012
4. das da überhaupt noch Euros
aus dem Automaten kommen.....
ws1956 16.05.2012
5. Des Euros letzter Atemzug?
Sollten wir hier in Deutschland auch tun, denn lange geht das mit dieser Spielwährung Euro eh nicht mehr gut. Anderseits, was ein Glück für uns alle!!
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