Staatsschulden Griechische Großbanken bestehen EZB-Stresstest

Zeugnistag für Griechenlands Banken: Die vier größten Kreditinstitute des Landes benötigen vorerst keine neuen Finanzierungspläne. Doch noch sind nicht alle Hausaufgaben gemacht.

Alpha Bank in Athen (Archiv)
REUTERS

Alpha Bank in Athen (Archiv)


Die griechischen Großbanken haben den jüngsten Stresstest der europäischen Bankenaufsicht ohne ganz große Blessuren überstanden. Das geht aus den am Samstag veröffentlichten Ergebnissen der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor. Demnach erwiesen sich die Kapitalpuffer der vier untersuchten Institute - Alpha Bank, Eurobank, NBG und Piraeus Bank - als halbwegs krisenfest. Die EZB erhielt damit Klarheit über deren Lage, bevor im August das dritte Rettungsprogramm für Griechenland abläuft.

Allerdings muss vor allem die Piraeus Bank nach eigener Einschätzung noch weitere Hausaufgaben erledigen. Man bleibe in der Pflicht, die Pläne für eine weitere finanzielle Stärkung der Bank umzusetzen, erklärte der Chef der Bank, Christos Megalou, am Samstag in Athen.

Die Bankenaufsicht hatte auf Basis der Geschäftszahlen von Ende 2017 durchgerechnet, wie sich die Kapitalpolster der Banken entwickeln, wenn die - aktuell tatsächlich auf Erholungskurs steuernde - griechische Wirtschaft erneut in eine schwere Krise rutschen würde. Unterstellt wurde dabei eine mehrjährige Durststrecke, in der die Wirtschaftsleistung 2018 um 1,3 und 2019 um 2,1 schrumpft, um 2020 mit plus 0,2 Prozent wieder minimal zu wachsen - mit entsprechenden Folgen zum Beispiel für das Ausfallrisiko bei Krediten. Wichtigste Kennziffer ist das sogenannte harte Kernkapital im Verhältnis zu den Risikopositionen der jeweiligen Bank.

Dem Stresstest zufolge würde die Alpha Bank die angenommene neuerliche Rezession am besten überstehen - mit einer Kernkapitalquote von dann immer noch 9,7 Prozent im Jahre 2020. Bei Eurobank (6,8) und NBG (6,9) fiele der Wert stärker - am schlechtesten schlug sich die Piraeus Bank (5,9).

Anders als bei dem spektakulären europaweiten Stresstest 2014 hatte die Bankenaufsicht - wie schon 2016 - allerdings auch diesmal keine Kapitalquoten vorgegeben, die zu erfüllen waren. Es handele sich nicht um eine Übung, bei der am Ende ein "Bestanden" oder "Durchgefallen" stehe, betonte die EZB in ihrer Mitteilung. Zur Orientierung: 2014 hatte die EZB verlangt, dass auch in einem Krisenszenario die Kapitalquote nicht unter die Schwelle von 5,5 Prozent fällt.

mkl/dpa

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Mister Stone 05.05.2018
1.
Die vier größten Kreditinstitute des Landes benötigen vorerst keine neuen Finanzierungspläne. Ist "vorerst" nicht das wunderbarste deutsche politische Wort der Welt? Waren "endgültig letzte Griechenlandrettung" und "definitiv letztes Rettungspaket" und "absolut letzte Tranche" nicht auch wunderbare deutsche politische Phrasen? Zauberhaft, poetisch. Ich mag die deutsche Sprache, denn sie ist definitiv und endgültig absolut wahrhaftig ...
fortelkas 05.05.2018
2. Den Beitrag Nr. 1 mit dem leicht hämischen Unterton
.....sollte man schon ein wenig ergänzen. Es ist doch gut, wenn die griechischen Großbanken wieder kreditwürdig sind, war doch das finanzpolitische Ziel der Aktion. Die Hilfen galten doch nur den Banken und nicht dem griechischen Volk, das ja angeblich zu faul ist zum Arbeiten. Wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht, kann man das doch nur begrüßen. Ich warte nur auf die Foristen, die wieder das Märchen erzählen, "die Griechen" hätten von "unserem Geld" gelebt, scheint doch auch ohne "unser Geld" zu gehen, im übrigen haben die EU-Staaten doch lediglich gebürgt, haben sie auch nur einen Cent verloren? Geht es z. B. Deutschland irgendwie wirtschaftlich schlechter? Dieser hämische Unterton ist einfach lächerlich! Erwin Fortelka
Andre V 05.05.2018
3. Nachtigall, ick hör dir trapsen
Glaubt das irgendjemand? Ist das so ehrlich wie die ursprünglichen Zahlen, die Griechenland überhaupt erst den Eintritt in die Eurozone brachten, die aber von vorne bis hinten gefälscht waren? Gut, es gibt nur wenige Institutionen und Organisationen, die diese Zahlen auswerten können, aber wer fast zwanzig Jahre immer wieder falsch gelegen ist, wird nicht ausgerechnet heute recht haben. Kann es sein, dass griechische Großbanken auch gerne an der Bankenunion teilhaben möchten, damit deutsche Sparer dann auch griechische Sparer bezahlen? Reicht es nicht, wenn deutsche Steuerzahler schon tun, was griechische Steuerzahler eigentlich tun sollten, nämlich Steuern zahlen, damit Griechenland funktioniert?
Andre V 05.05.2018
4.
Zitat von fortelkas.....sollte man schon ein wenig ergänzen. Es ist doch gut, wenn die griechischen Großbanken wieder kreditwürdig sind, war doch das finanzpolitische Ziel der Aktion. Die Hilfen galten doch nur den Banken und nicht dem griechischen Volk, das ja angeblich zu faul ist zum Arbeiten. Wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht, kann man das doch nur begrüßen. Ich warte nur auf die Foristen, die wieder das Märchen erzählen, "die Griechen" hätten von "unserem Geld" gelebt, scheint doch auch ohne "unser Geld" zu gehen, im übrigen haben die EU-Staaten doch lediglich gebürgt, haben sie auch nur einen Cent verloren? Geht es z. B. Deutschland irgendwie wirtschaftlich schlechter? Dieser hämische Unterton ist einfach lächerlich! Erwin Fortelka
Haben Sie den Schuldenschnitt Griechenlands im März 2012 vergessen? Oder den kommenden Schuldenschnitt vom Juni/Juli 2018? Oder, wie die Amis so schön sagen: "Put your money where your mouth is" und investieren in griechische Staatsanleihen. Dann haben Sie zumindest meinen Respekt. Passende Zahlen finden Sie unter pigbonds.info Beste Grüße
ladida1970 05.05.2018
5. "halbwegs krisenfest"..
..ist ein schönes Oxymoron, fast so etwas wie "ein bisschen schwanger"! Und nur, um mal diese lächerlichen "Stresstests" als das zu entlarven, was sie sind -nämlich Beruhigungspillen für den naiven Bürger: Anno 2008, bei der letzten Witschaftskrise, brach die Weltwirtschaft innert eines Jahres um 6,3% ein. Und in Griechenland waren es gar 7,1%; dort stieg es auch nicht mal schönfärberisch im Folgejahr schon wieder an, sondern sank 8 Jahre in Folge (=bis 2016) -trotz all der Geldgeschenke und Schuldenerlasse. Von Krisenbeginn 2008 bis 2016 sank das griechische Bruttoinlandsprodukt von 356 Mrd. Euro p.a. auf 192 Mrd. -mithin also ein Rückgang von 47%. -So, liebe EZB, und jetzt erklärt ihr uns bitte mal, was für realitätsferne Szenarien Ihr da eigenlich getestet habt?
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