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Notfallmaßnahmen: Griechenland schließt Banken

Geldbote in Athen: Die Bankkunden haben massenhaft Geld abgehoben Zur Großansicht
REUTERS

Geldbote in Athen: Die Bankkunden haben massenhaft Geld abgehoben

Mit radikalen Maßnahmen will Griechenland sein Finanzsystem vor dem Zusammenbruch bewahren. Die Banken bleiben bis zum 6. Juli geschlossen. Bis dahin dürfen die Griechen täglich maximal 60 Euro abheben.

Die griechische Regierung will die Banken des Landes vorerst nicht mehr öffnen: Das Kabinett beschloss, die Geldhäuser frühestens am kommenden Montag, also am 6. Juli, wieder zu öffnen. Zudem werden Kapitalverkehrskontrollen verhängt, das heißt: die Abhebungen an Geldautomaten werden pro Tag auf höchstens 60 Euro begrenzt.

Rentner sind davon ausgenommen: Sie können sich ihre Rente an einigen Filialen in bar auszahlen lassen, teilte ein Regierungssprecher mit. Auch Ausländer dürfen mit ihren Kreditkarten Bargeld in unbegrenzter Höhe abheben. Die Geldautomaten sollen von der Mittagszeit bis zum frühen Abend in Betrieb sein, so die Regierung in Athen.

In Finanzkreisen hieß es zudem, auch der Handel an der Athener Börse solle am Montag ausgesetzt werden.

Mit diesen Maßnahmen will die Regierung das griechische Finanzsystem stabilisieren. Vor allem sollen die gewaltigen Geldabflüsse der Banken gestoppt werden. Seit vergangenen Dezember haben die griechischen Bankkunden Dutzende Milliarden Euro von ihren Konten geholt. Zuletzt hatten sich die Abflüsse dramatisch beschleunigt. Nachdem der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras am späten Freitagabend ein Referendum für den 5. Juli über ein von den internationalen Gläubigern gefordertes Sparpaket angekündigt hatte, waren am Wochenende viele Menschen an die Geldautomaten geströmt, um ihre Ersparnisse zu sichern.

SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Giorgos Christides berichtet am Sonntagnachmittag, dass in Athen bereits viele Geldautomaten leergeräumt seien. Die Menschen blieben zwar insgesamt ruhig, viele seien aber auch wütend.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Sonntagnachmittag bereits die Nothilfen für griechische Banken verlängert. Der Rahmen dafür werde auf dem aktuellen Niveau gehalten, teilte die Notenbank mit. Das entspricht knapp 90 Milliarden Euro. Um die erwarteten Kapitalabflüsse der kommenden Tage zu kompensieren, hätte die EZB die Notkredite deutlich erhöhen müssen.

Die Maßnahmen der EZB hätten die griechische Zentralbank dazu gezwungen, die Kapitalverkehrskontrollen zu verhängen und die Banken für einen Tag geschlossen zu halten, sagte Tsipras. Zugleich versuchte er die Bürger zu beruhigen. Die Ersparnisse, Löhne und Renten der Bürger seien "garantiert".

In heftigen Worten kritisierte Tsipras die harte Haltung der internationalen Gläubiger nach Ankündigung des Referendums. Die Versuche, den demokratischen Prozess zu stoppen, seien eine Beleidigung und eine Schande für die demokratische Tradition Europas.

Politisch hatte sich die Lage am Samstag dramatisch zugespitzt. Nach der Ankündigung des Referendums hatten die Eurofinanzminister bei ihrem Treffen in Brüssel die Verlängerung des am 30. Juni auslaufenden Hilfsprogramms für Griechenland abgelehnt. Damit verfallen 15,5 Milliarden Euro, die bei einer Verlängerung noch aus dem Hilfsprogramm hätten ausgezahlt werden können. Tsipras appellierte am Sonntag erneut an die Geldgeber, das Hilfsprogramm Land zu verlängern.

Am Dienstag muss das Land eine Schuldenrate von 1,55 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Doch die Kassen in Athen sind dem Vernehmen nach leer. Kann Griechenland nicht pünktlich zahlen, wäre das Land zwar noch nicht offiziell bankrott. Faktisch wäre dies aber die Pleite.

stk/syd/Reuters/AP/dpa/AFP

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insgesamt 293 Beiträge
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1. ???
andre4711 28.06.2015
Mal wieder zwei Stunden zu spät der Beitrag!
2. ach was ...
Hilfskraft 28.06.2015
... hat ja lange gedauert. Wenn sie wieder aufmachen, gibt´s hoffentlich Drachme ...
3.
rdexter 28.06.2015
Sorgt für einen geordneten grexit, und dann muss sich merkel dafür verantworten, dass sie dort Milliarden verbrannt hat.
4. Totaler Failed-State
abc-xyz 28.06.2015
Glückwünsch, Tsipras. Ich hätte nicht gedacht, dass man Griechenland noch mehr ins Verderben reiten kann als die bisherigen griechischen Kleptokraten. Jetzt kommt die die totale Kernschmelze.
5. umsichtige Merkel
Hilfskraft 28.06.2015
hier zeigt sich wieder Merkels Umsichtigkeit, als sie den Griechen bei Zeiten Panzer u.ä. zur Verfügung stellte. Die werden in der nächsten Zeit sicher gebraucht ...
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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