Finanznot Griechenland bettelt Botschaften um Bargeld an

In ihrer Geldnot greift die griechische Regierung zu drastischen Maßnahmen: Diplomatische Vertretungen aus aller Welt sollen ihre Einnahmen und Bargeldreserven nach Athen schicken - im Zweifel per Kurier.

Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias: Beispiellose Aktion
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Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias: Beispiellose Aktion


In einer beispiellosen Aktion hat Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias die Botschaften und Konsulate angewiesen, alle Einnahmen aus Visaanträgen und Garantien sowie überschüssiges Bargeld an die Zentralbank in Athen zu überweisen. Die diplomatischen Vertretungen dürften nur die Beträge behalten, die "notwendig sind, um die Ausgaben des Büros in den kommenden drei Monaten zu decken", hieß es in der Anweisung, die die griechische Zeitung "Proto Thema" auf ihrer Homepage veröffentlichte.

Die Anweisung macht die dramatische Situation der Staatsfinanzen deutlich. Demnach sollen die Botschaften Bargeld per Kurier schicken, sollte die telegrafische Geldüberweisung nicht möglich sein. Die Bündel sollten nicht mehr als hundert Scheine umfassen. Laut einem Bericht der Zeitung "Weekly To Vima" gehen Diplomaten davon aus, dass der Schritt den Botschaften im Tagesgeschäft Probleme bereiten wird.

Zuvor waren bereits Kommunen und andere Behörden aufgefordert worden, Barreserven an die Zentralbank weiterzuleiten. Hunderte Bürgermeister hatten sich jedoch geweigert, die Anweisung zu befolgen.

Trotz der akuten Finanznöte hat der Staat den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst pünktlich ihre Gehälter überwiesen. Die jeweils Mitte des Monats fälligen Gelder seien ausbezahlt worden, teilte das Finanzministerium am Freitag mit. Es seien rund 500 Millionen Euro, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider.

Der Regierung in Athen droht in den kommenden Wochen das Geld auszugehen. Die Auszahlung weiterer 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramms ist von einer Einigung der Athener Regierung mit den Euro-Partnern über den Reformkurs abhängig. Die Verhandlungen kommen jedoch nur schleppend voran.

gic/brk/Reuters

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insgesamt 174 Beiträge
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insideman 15.05.2015
1. ...
Ich glaube man muss kein Starökonom sein um zu erkennen das die Jungs wirklich pleite sind. Da hilft gar nichts mehr. 60 Milliarden € deutsche Steuergelder weg.. Merke: Die erste Rechnung ist immer die billigste!
daesh 15.05.2015
2. Koffer mit Bargeld
Die Koffer mit Bargeld werden in Athen dann von "vertrauenswürdigen" Ministeriumsmitarbeitern in Empfang genommen und wieder ins Ausland zurück transferiert. Vorrangige Ziele: Schweiz, Luxemburg, Lichtenstein und die Cayman Islands. Dortige Botschaften können das Bargeld auch im Land behalten und auf ein Konto von Nikos Kotzias oder eines vertrauenswürdigen Verwandten überweisen. Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht.
mijaps 15.05.2015
3. Was soll das denn???
Wie immer und immer wieder wurden und werden die Hilfsgelder vom Wasserkopf der gigantischen Bürokratie dieses Landes aufgefressen. Für irgendwelche Projekte, für wirtschaftliche Entwicklungen, für Investitionen - kein Euro bleibt dafür übrig. Nur den vor der Wahl versprochenen Kurs "...keine Reformen..." halten sie durch. Wo bleibt irgendein Politiker, der da in Brüssel wenigstens einmal klare Worte spricht???
localpatriot 15.05.2015
4. Ein positiver Schritt
Ein erster positiver Schritt! Anstatt mehr Schulden aufzunehmen, welche man am Ende abgeschreiben müsste, holt Griechenland rechtmäßig Geld von den eigenen Botschaften. Ein positiver nächster Schritt wäre der Aufruf der ins Ausland ausgelagerten Gelder, Steuern of Einkommen aus der Schifffahrt, und natürlich die Privatisierung gewisser Staatsfirmen. Alles positiv, aber leider geht nach fünf Jahren die Zeit aus und der Euroklub muss wieder einmal einspringen.
AusVersehen 15.05.2015
5. Und immernoch
Und immernoch leidet in Griechenland nur die arbeitende, bzw. inzwischen arbeitslose Bevölkerung. Reiche und Steuerhinterzieher können sich einen lauen Lenz machen. Zinsertragssteuern in Deutschland 26,375%, in Griechenland 10%. Steuern auf Dividenden in Deutschland 26,375%, in Griechenland 0%! Steuern auf Spekulationsgewinne in Deutschland 26,375%, in Griechenland wieder 0%! Griechenland ist eine Steueroase für Reiche! Auf Kosten des deutschen Steuerzahlers! Und deshalb steht an Griechenlands Küsten eine Protzvilla neben der anderen. Ein überfüllter Yachthafen neben dem anderen. In Monaco können sich die echten Monegassen das Leben nicht mehr leisten und flüchten nach Frankreich. In Griechenland geschieht ähnliches. Das Volk verarmt und trägt trotzdem alle Steuerlasten und die reichen fresser feiern Partys und werden so gut wie gar nicht besteuert.
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