Hochrangiger IWF-Manager "Griechenland braucht drittes Rettungspaket"

Das Urteil des Verfassungsgerichts ließ Europas Börsen aufatmen, doch nun droht schon der nächste Schock: Nach Angaben eines hochrangigen Managers des Internationalen Währungsfonds braucht Griechenland bald ein drittes Rettungspaket. Die Regierung dementiert das vehement.

Pensionäre bei einer Demonstration in Athen: Sparpakete belasten die Bevölkerung
DPA

Pensionäre bei einer Demonstration in Athen: Sparpakete belasten die Bevölkerung


Hamburg - Es schien ein hoffnungsvolle Woche für Europa zu werden. Die Krisenländer Italien und Irland konnten sich zu deutlich geringeren Zinsen Geld leihen. Der Euro-Befürworter und Sparfalke Mark Rutte siegte bei der Wahl in Holland. Am Mittwoch hatte das Bundesverfassungsgericht ein deutsches Engagement beim Euro-Rettungsschirm ESM erlaubt. Und in der vergangenen Woche hatte die EZB den unbegrenzten Kauf von Anleihen angeschlagener Euro-Länder beschlossen. Die Euro-Krise, so schien es, war ein Stück zurückgedrängt.

Die Entspannung währte nur kurz.

Am Donnerstagnachmittag sorgte ein Interview im "Wall Street Journal" für Aufsehen. In diesem brachte ein hochrangiger Manager des Internationalen Währungsfonds ein drittes Rettungspaket für Griechenland ins Gespräch. "Griechenland wird zusätzliche Finanzierungen brauchen", sagte Thanos Catsambas, der Griechenland im Verwaltungsrat des IWF repräsentiert. "Entweder über einen Forderungsverzicht von öffentlichen Gläubigern oder über zusätzliche Kredite zu hoffentlich günstigeren Zinsen."

Die Reaktion folgte prompt - in Form eines Dementi der Regierung. Nur er und der Ministerpräsident sprächen in dieser Frage für die Regierung, sagte Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Generalstreik gegen neue Sparmaßnahmen

Doch tatsächlich klafft in Athens Haushalt schon wieder eine große Lücke - trotz eines Schuldenschnitts und zwei Rettungspaketen. Der Regierung in Athen fehlen in den beiden kommenden Jahren mindestens 11,5 Milliarden Euro, vielleicht sogar mehr. Athen versucht diese Lücke mit einem neuen Sparpaket zu schließen - doch das gestaltet sich schwierig.

Die Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Die Arbeitslosenquote ist im selben Zeitraum von 16,3 auf 23,6 Prozent gestiegen. Beides verschlimmert die Schuldenkrise. Die Bevölkerung revoltiert gegen die immer neuen Sparmaßnahmen. Griechische Gewerkschaften blasen zum Generalstreik am 26. September.

Tatsächlich sind die geplanten Sparmaßnahmen drakonisch. Unter anderem schlägt die Troika vor, die Sechs-Tage-Woche wieder einzuführen und dass Arbeitnehmer bis zu 13 Stunden am Tag arbeiten, wenn der Betrieb dies als nötig einstuft. Kündigungsfristen und Abfindungen sollen halbiert werden. Die Regierung in Athen lehnt all diese Maßnahmen bislang ab.

Doch mit wichtigen Sparmaßnahmen kommt sie kaum voran. 50 Milliarden Euro soll sie bis 2020 durch Privatisierungen einsparen. Doch die entsprechenden Schritte dauern viel länger als gedacht. Derzeit ist unter anderem im Gespräch, rund 40 griechische Inseln zu verpachten.

Troika macht Druck

Experten der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank überprüfen in Athen die Spar- und Reformfortschritte. Eine Zustimmung der Experten ist Voraussetzung für die Freigabe weiterer Tranchen. Ohne weitere Hilfen wäre das Land binnen Wochen pleite.

Bereits im Frühjahr hatte Griechenlands Regierung nach neuen Hilfen getastet. Am 15. März war das zweite Rettungspaket für Griechenland endgültig abgesegnet worden. 15 Tage später sprach Regierungschef Lukas Papademos selbst von einem möglichen dritten Rettungspaket.

"Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige finanzielle Unterstützung notwendig sein wird", sagte er seinerzeit der italienischen Tageszeitung "Il Sole 24 Ore". Sein Land werde alles dafür tun. Doch könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich auch nach Auslaufen des zweiten Rettungspakets im Jahr 2015 am freien Markt kein Geld zu keinen erschwinglichen Zinsen leihen können wird.

Nun scheint es nicht mehr ausgeschlossen, dass das Land schon viel früher neue Hilfen braucht.

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
cipo 13.09.2012
1.
Zitat von sysopDPADas Urteil des Verfassungsgerichts ließ Europas Börsen aufatmen, doch nun droht schon der nächste Schock: Nach Angaben eines hochrangigen Managers des Internationalen Währungsfonds braucht Griechenland bald ein drittes Rettungspaket. Die Regierung dementiert das vehement. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,855688,00.html
Es ist schon faszinierend, wie in den deutschen Medien einfach ignoriert wird, daß es seit einer Woche auch in Portugal ganz heftig brodelt. Die Regierung Passos Coelho steht nach 15 desaströsen Monaten kurz vor dem Aus...
Klaus100 13.09.2012
2. Das hat System
Glaubt eigentlich noch jemand an den notwendigen Willen der Griechen selbst einen Beitrag zur Problemlösung zu leisten? Erkennbar ist dieser Wille nicht. Man verlässt sich auf die Hilfe von außen und vergisst sogar noch Danke zu sagen.
herr_kowalski 13.09.2012
3. Uij jui jui jui.......
Zitat von sysopDPADas Urteil des Verfassungsgerichts ließ Europas Börsen aufatmen, doch nun droht schon der nächste Schock: Nach Angaben eines hochrangigen Managers des Internationalen Währungsfonds braucht Griechenland bald ein drittes Rettungspaket. Die Regierung dementiert das vehement. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,855688,00.html
"Experten der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank überprüfen in Athen die Spar- und Reformfortschritte. Eine Zustimmung der Experten ist Voraussetzung für die Freigabe weiterer Tranchen. Ohne weitere Hilfen wäre das Land binnen Wochen pleite." Zum wievielten Male innerhalb der letzen 2 Jahre ??
schandmaul1000 13.09.2012
4. Wen interessiert ein Generalstreik
in Griechenland und vor allem wenn möchten die Streikeden beeindrucken.Hat ein bisschen die Qualität eines störrischen Kindes an der Supermarktkasse.
marthaimschnee 13.09.2012
5.
Griechenland braucht EIN Rettungspaket! Die bisherigen und auch alles kommende rettet nur irgendwelche Banken und Gläubiger, das griechische Volk läßt man ohne Skrupel über die Klinge springen.
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