Freiflug-Affäre: Griechenlands Regierung feuert obersten Privatisierer

Privatisierer Stavridis, Reeder Melissanides: Angebot angenommen Zur Großansicht
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Privatisierer Stavridis, Reeder Melissanides: Angebot angenommen

Es ist ein neuer Rückschlag für die Sanierungspläne der Regierung in Athen: Der Chef der griechischen Privatisierungsbehörde wird entlassen. Auslöser sind Berichte über einen Flug im Privatjet eines Unternehmers.

Athen - Es ist bereits der zweite Rauswurf an der Behördenspitze binnen sechs Monaten: Stelios Stavridis muss als Chef des staatlichen griechischen Privatisierungsfonds Taiped gehen. Das teilte das Finanzministerium in Athen am Sonntag mit. Einem Insider aus dem Ministerium zufolge erfolgt die Abberufung mit sofortiger Wirkung und sei eine Reaktion auf einen Zeitungsbericht von Samstag.

Die griechische Tageszeitung "Proto Thema" hatte berichtet, Stavridis sei in dieser Woche im Privatjet des Reeders Dimitris Melissanidis mitgeflogen. Dieser ist einer der Großaktionäre des griechisch-tschechischen Konsortiums, das sich im Mai zum Kauf des Wettanbieter-Monopolisten OPAP für 652 Millionen Euro entschlossen hatte. Melissanidis ist mit 33 Prozent an dem Konsortium beteiligt. Der entsprechende Vertrag wurde am vergangenen Montag unterzeichnet, kurz danach soll Stavridis den Flug angetreten haben.

Stavridis war nicht für eine Stellungnahme zur Entlassung zu erreichen. Am Samstag und Sonntag bestätigte er jedoch gegenüber griechischen Medien, das Angebot des Reeders angenommen zu haben. Den Berichten zufolge hatte er als Reisziel die griechische Insel Kefalonia im Ionischen Meer angegeben, auf der er ein Ferienhaus besitzt. "Melissanidis, der nach Frankreich reiste, bot mir an, mich mitzunehmen", sagte Stavridis demnach "Proto Thema".

OPAP war die erste geglückte größere Privatisierung

Der in der Schweiz ausgebildete Ingenieur Stavridis, der als Marktliberaler gilt, hatte seinen Posten erst im März angetreten. Er war zuvor Chef des Wasserversorgers Eydap und früher beim Raffineriebetreiber Hellenic Petroleum tätig.

Bereits im März musste Takis Athanasopoulos den Posten an der Taiped-Spitze räumen, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen eines Vertrags eingeleitet hatte, den er 2007 als damaliger Leiter der griechischen Elektrizitätswerke (PPC) unterzeichnet hatte.

Eigentlich sollten die Einnahmen aus der Privatisierung von Staatsbesitz erheblich dazu beitragen, die riesigen Schulden des krisengeplagten Landes zu senken. Allerdings verfehlte Athen die Auflagen der internationalen Geldgeber aus EU und Internationalem Währungsfonds bislang regelmäßig und deutlich. Der Verkauf des Gasversorgers Depa war erst im Juni gescheitert, der Anteilsverkauf bei Hellenic Petroleum wurde verschoben. Der Deal um den Glücksspielanbieter OPAP war die erste geglückte größere Privatisierung.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Glücksspiel
der-denker 18.08.2013
Beim Glücksspiel gewinnt immer der Veranstalter. Warum man etwas verscherbeln soll was proftabel ist? Vermutlich nur weil es in das neoliberale Konzept der "Sanierer", allen voran Merkel/FDP, passt. Und das ist also das Einzige was bisher geklappt hat. Chapeau! Dass der Herr Soundso gefeuert wird ist in dem Spiel nur ein Marekting-Manöver, und ihm selbst sicher völlig wurst. Der hat seine Schäfchen im Trockenen und feine Freunde, warum soll er sich Stress überhaupt antun. Jetzt erst mal entspannen auf der Insel...
2. Es läuft einfach nicht!
analysatorveritas 18.08.2013
Zitat von sysopEs ist ein neuer Rückschlag für die Sanierungspläne der Regierung in Athen: Der Chef der griechischen Privatisierungsbehörde wird entlassen. Auslöser sind Berichte über einen Flug im Privat-Jet eines Unternehmers. Griechenland: Chef der Privatisierungsbehörde muss nach Freiflug gehen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-chef-der-privatisierungsbehoerde-muss-nach-freiflug-gehen-a-917213.html)
Leider wird dieses neue Privatisierungskonzept Griechenland kaum helfen können, die Verschuldung ist einfach noch zu hoch, die eigene Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone kaum vorhanden. Der öffentliche Sektor ist völlig überdimensioniert, die sozialen Sicherungssysteme sind zunehmend überfordert und unterfinanziert. Die Arbeitslosenzahlen erreichen Rekordwerte, ein Schuldenschnitt oder eine massive Streckung der Tilgungs- und Zinsraten sowie der Laufzeiten steht auf der Eurorettungsagenda 2014. Zypern wird den gleichen Weg bestreiten müssen, auch hier stehen die Zeichen auf Sturm. Die Menschen in beiden Ländern werden noch sehr viel Geduld aufbringen müssen, wollen sie den Euro weiter als Zahlungsmittel behalten wollen. Und uns selbst wird es noch sehr viel Geld, sehr viel Geduld und Verzicht abnötigen. Aber, der Euro ist ja alternativlos.
3. Privatisieren von Glücksspiel / Beteiligung der Wettmafia = Erfolg der GR-Recovery???
woistmeinaccount 18.08.2013
Soll kein GR-Bashing sein, aber irgendwie ist die Richtung doch immer noch die falsche: Es ist unfassbar: die Aktivitäten der länder-übergreifenden Wett-Firmen (Wett-Mafia?) gelten nun als Nachweis der wirtschaftlichen Erholung in Griechenland! Gerne auch mit einem Holding - Sitz auf Zypern oder in Gibraltar?? Warum tut man nicht das naheliegende? > nachhaltiger Tourismus / Familienorientiert > Qualitäts-Tourismus (echte 4 oder mehr Sterne ..) > Strom-Erzeugung (Sonne und Wind gibts ja genug, bei den dort möglichen Wirkungsgraden, sollte es dort bedeutend profitabler sein als bei uns. Und wie sieht es eigentlich mit der Einführung von Grundbuchämtern aus? Oder mit der transparenten Verteilung der Taxi-Lizenzen in Athen? ... um nur zwei der aktenkundigen Defizite herauszustreichen, bei denen sich einfach gar nichts getan hat in den vergangenen Jahren .. no hope - no wonders - no cash for GR ? Schade - einfach nur schade
4. Richtig so, weil
irreal 18.08.2013
Zitat von sysopEs ist ein neuer Rückschlag für die Sanierungspläne der Regierung in Athen: Der Chef der griechischen Privatisierungsbehörde wird entlassen. Auslöser sind Berichte über einen Flug im Privat-Jet eines Unternehmers. Griechenland: Chef der Privatisierungsbehörde muss nach Freiflug gehen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-chef-der-privatisierungsbehoerde-muss-nach-freiflug-gehen-a-917213.html)
anders geht es eh nicht. Es ist ungeheuerlich, dass ein Mensch sich sowieso erdreistet viel mehr haben zu dürfen als andere Menschen und dann noch nicht mal in der Lage ist seinen Flug SELBST zu bezahlen. Unglaublich sowas und das mitten unter uns in Europa.
5. Kein Problem
Progressor 18.08.2013
Dass die Gemeinschaftswährung in Europa nicht in zehn Jahren zu stemmen sein würde, war doch klar. Einige Länder brauchen eben länger, Griechenland vielleicht 1-2 Generationen. Bedingt durch die hohe Produktivität der Wirtschaft kann es eben nicht mehr überall Vollbeschäftigung geben. Schon wir hier in Deutschland müssen ja schon 4-5 Millionen mit durchfüttern. Bedingt durch die heissen Sommer und den widrigen strukturellen Problemen läuft halt in Griechenland so gut wie gar nichts. Dies sollte kein Problem sein: zahlen wir denen halt angemessenes Hartz IV und sorgen für eine ausreichende Krankenversicherung. Mehr können wir nicht tun. Gerecht verteilt auf die anderen Euroländer bringen wir diese Gelder auch noch auf. So Ende dieses Jahrehunderts können wir ja mal wieder vorbei schauen.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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