Privatisierung in Griechenland Chinesische Reederei übernimmt Hafen von Piräus

Der größte Hafen Griechenlands ist künftig mehrheitlich in chinesischer Hand. Die Reederei Cosco übernimmt 67 Prozent der Anteile am Hafen von Piräus. Dafür zahlt das Unternehmen 368,5 Millionen Euro.

Hafen von Piräus: Cosco übernimmt Mehrheit
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Hafen von Piräus: Cosco übernimmt Mehrheit


Lange hatte sich die griechische Regierung gegen den Verkauf des größten Hafen des Landes gewehrt. Erst im Mai vergangenen Jahres beugte sich Athen dem Druck der Gläubiger. Nun ist die Privatisierung des Hafen von Piräus abgeschlossen. Die chinesische Reederei Cosco übernimmt 67 Prozent der Anteile. Dafür bezahlt der Konzern nach Angaben des Privatisierungsfonds Taiped 368,5 Millionen Euro.

Der Hafen in der Nähe von Athen ist der größte Passagierhafen in ganz Europa. Das chinesische Staatsunternehmen Cosco hält an ihm bereits eine Beteiligung und betreibt seit 2009 auch einen Teil des Containerhafens. Mit dem Kauf verpflichten sich die Chinesen, 350 Millionen Euro in den Hafen zu investieren.

Die Privatisierungen gehören zu den Auflagen, die Griechenland im Gegenzug für internationale Hilfen erfüllen muss. Durch den Verkauf von Staatseigentum soll Athen 50 Milliarden Euro einnehmen. Erzielt wurden seit 2011 jedoch nur 3,5 Milliarden Euro. In den vergangenen Monaten hatte Athen unter anderem Regionalflughäfen und ein Luxushotel privatisiert.

Streiks gegen Rentenkürzungen

Neben Einnahmen aus dem Verkauf von Staatseigentum will die griechische Regierung den Staatshaushalt auch durch Rentenkürzungen und Steuererhöhungen sanieren. Doch dagegen gibt es Proteste. Am Donnerstag haben griechische Landwirte wichtige Straßenverbindungen mit ihren Traktoren gesperrt. Unter anderem wurde der Verkehr auf der Achse behindert, die Westgriechenland mit der Türkei verbindet. Weitere Straßensperren sollten am Abend in Nord- und Mittelgriechenland entstehen, sagten Landwirte im Fernsehen.

Die Seeleute setzten einen 48-stündigen Streik fort. Die meisten Fähren blieben in den Häfen. Auch der Schienenverkehr wurde durch Arbeitsniederlegungen der Eisenbahner behindert. Um die Mittagszeit versammelten sich in Athen zudem mehr als 2000 Rechtsanwälte, Ingenieure, Notare, Apotheker, Prokuristen, Ärzte sowie andere Freischaffende zu Protesten. "Wir sagen Nein zur Rentenreform", skandierten die Demonstranten.

Am 4. Februar soll es zu landesweiten Streiks auch im staatlichen Bereich kommen. Die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras muss die Rentenreform umsetzen. Sie ist Voraussetzung für weitere Finanzhilfen. Geplant sind unter anderem Kürzungen aller neuen Renten um durchschnittlich 15 Prozent.

brk/dpa



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Thorkh@n 21.01.2016
1. Hätte man das nicht ...
... auf maximal 49% drücken können? So oder so: der Ausverkauf Griechenlands schreitet voran.
m.m.s. 21.01.2016
2. Weiter
Wenn kein Geld da ist muss man Sparen. Muss jeder. Da kann das beleidigte Ego noch so sehr mit dem Füßchen aufstampfen.
drwatsondalos 21.01.2016
3.
Die Privatisierung von Infrastruktur ist und bleibt inakzeptabel
the_doc 21.01.2016
4. Prokuristen
Was sind denn Prokuristen für ein Berufsstand?
elektromotor 21.01.2016
5. Dass Politiker
Zitat von drwatsondalosDie Privatisierung von Infrastruktur ist und bleibt inakzeptabel
sich durch Zugriff auf die Infrastruktur die privaten Taschen füllen, ist und bleibt inakzeptabel. Dass eine Bevölkerung wegen inkompetenter Führung mit funktionsunfähiger Infrastruktur leben muss, ist und bleibt inakzeptabel.
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