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IWF und Griechenland: Lagarde lässt Euroretter zappeln

Der Internationale Währungsfonds beteiligt sich womöglich erneut an Finanzhilfen für Griechenland. Deutschland wünscht sich das, doch IWF-Chefin Lagarde hält die Europäer hin.

IWF-Chefin Lagarde: "Signifikante Wirtschaftsreformen durchziehen". Zur Großansicht
DPA

IWF-Chefin Lagarde: "Signifikante Wirtschaftsreformen durchziehen".

Der Internationale Währungsfonds (IWF) könnte deutlich später über eine Beteiligung am dritten Hilfsprogramm entscheiden als von den Euroländern erhofft. Bisher seien die Voraussetzungen für eine Zusage nicht "nicht gegeben", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde der "Süddeutschen Zeitung". Zuvor müsse Griechenland "signifikante Wirtschaftsreformen durchziehen". Der dazu notwendige politische Prozess könne "vielleicht bis ins zweite Vierteljahr 2016" dauern.

Das sind schlechte Nachrichten für die Euroländer, insbesondere Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zu Beginn der Griechenlandkrise dafür eingesetzt, dass sich neben EU und Europäischer Zentralbank auch der IWF am Rettungsprogramm für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland beteiligt - auch, um faule Kompromisse unter den europäischen Regierungen zu verhindern.

Am dritten Hilfspaket für Griechenland hatte sich der IWF zunächst nicht beteiligt. Er will stattdessen eine erste Überprüfung des griechischen Reformprogramms abwarten, die eigentlich längst abgeschlossen sei sollte. Diese verzögert sich auch, weil Griechenland es ablehnt, die Bezüge der Rentner weiter zu kürzen.

Lagarde sagte: "Ganz klar ist die Rentenreform der Trigger, um zu beweisen, dass sich die ökonomische Leistungsfähigkeit verbessert". Griechenland habe diese Reform zwar eingeleitet. "Aber wir können das Ergebnis am Ende nicht vorhersehen." In welcher Höhe sich der Fonds gegebenenfalls an dem Programm beteiligen könnte, das einen Gesamtumfang von bis zu 86 Milliarden Euro hat, ließ sie offen.

Athen bekräftigt Willen zur Zusammenarbeit

Die griechische Regierung hatte zuletzt Stimmung gegen eine erneute Beteiligung des IWF gemacht, dem sie mangelnde Kompromissbereitschaft bei den Reformverhandlungen vorwirft. Premierminister Alexis Tsipras bezeichnete eine erneute Beteiligung im Dezember als "nicht nötig" und kritisierte: "Der IWF treibt uns über die politische Schmerzgrenze hinaus."

Der griechische Finanzminister Euklidis Tsakalotos bekräftigte nun allerdings den Willen zur weiteren Zusammenarbeit. "Die Beteiligung des IWF ist verabredet. Zu dieser Verpflichtung stehen wir", sagte Tsakalotos dem "Handelsblatt". Seine Regierung wisse, dass die Teilnahme des Währungsfonds für viele Europäer unabdingbar sei.

"Alexander Stubb aus Finnland, Jeroen Dijsselbloem aus den Niederlanden und Wolfgang Schäuble haben sehr deutlich gemacht, dass für sie die IWF-Beteiligung eine nicht verhandelbare Grundbedingung ist", so Tsakalotos weiter. Er hatte sich am Mittwoch in Berlin mit Schäuble getroffen, dabei war auch die Rentenreform ein Thema.

Mehr Bargeld für Griechen

Nach Plänen des griechischen Finanzministeriums sollen Bürgern bald wieder mehr Bargeld von ihren Konten abheben dürfen. Das berichtet der griechische Fernsehsender Skai. Demnach will das Ministerium die Kontrollen lockern und den wöchentlichen Betrag auf 500 Euro anheben. Seit Juni 2015 können Griechen lediglich 420 Euro Bargeld pro Woche vom Automaten oder der Bank holen. Mit diesen Kapitalverkehrskontrollen sollte im vergangenen Jahr ein Run auf griechische Banken verhindert werden.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Nur gemeinsam mit dem IWF?
dirk1962 15.01.2016
Hatte Merkel uns das nicht so versprochen, als es um die Rettung der Griechischen Wirtschaft im Sommer ging? Also wie so oft, auch nur heisse Luft. Merkels Wort ist inzwischen nichts mehr Wert. Ob das irgendwann auch die CDU mal merkt? Merkel versagt in jeder Beziehung, aber die CDU jubelt und hällt dieses Dauerelend für alternativ los?
2. Die Regeln des IWF
wgundlach 15.01.2016
sind offenbar sehr dehnbar. In der Ukraine wird trotz faktischer Staatspleite weiter Geld investiert. So wird Politik gemacht durch die Hintertür durch die s.g. Finanzwelt.
3. 3mal darf man raten was passiert , wenn
stefan.p1 15.01.2016
der IWF sich nicht an dem Hilfspaket beteiligt. Das Schmierentheater ist doch leicht zu durchschauen! Merkel hat absolut jeden Sinn für die Realität verloren.
4. Merkel muss weg
Otto Reutter 15.01.2016
Zitat von dirk1962Hatte Merkel uns das nicht so versprochen, als es um die Rettung der Griechischen Wirtschaft im Sommer ging? Also wie so oft, auch nur heisse Luft. Merkels Wort ist inzwischen nichts mehr Wert. Ob das irgendwann auch die CDU mal merkt? Merkel versagt in jeder Beziehung, aber die CDU jubelt und hällt dieses Dauerelend für alternativ los?
sagt sogar die New York Times: http://www.handelsblatt.com/politik/international/pressestimmen-zur-ruecktrittsforderung-angela-merkel-muss-gehen/12814474.html Hoffentlich geht die CDU bei den Landtagswahlen in den Keller - es ist 5 vor zwölf !
5. Iwf
volker w. rieble 15.01.2016
Worst case scenario: was passiert, wenn Griechenland die vereinbarten Reformen nicht durchsetzt und der IWF infolgedessen keine Beteiligung akzeptiert? Halten Merkel/Schäuble in diesem Fall, was sie zugesagt hatten? Lassen sie das dritte Paket dann platzen? Oder ist es eben mal wieder alternativlos? Wir alle kennen die Antworten. Aber in knapp 2 Jahren sind Wahlen.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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