Umsetzung von Reformen Griechenland erhöht Mehrwertsteuer auf sechs Inseln

Wenige Tage nach dem Wahlsieg setzt die griechische Regierung Reformen um. Von 1. Oktober an fallen die Steuervergünstigen auf sechs Inseln. Dort steigt die Mehrwertsteuer deutlich.

Griechische Insel Santorin: Von 13 auf 23 Prozent Mehrwertsteuer
Corbis

Griechische Insel Santorin: Von 13 auf 23 Prozent Mehrwertsteuer


Gegen diese Reformforderung der Geldgeber hatte sich die griechische Regierung am vehementesten gewehrt: die Abschaffung der ermäßigten Mehrwertsteuersätze auf griechischen Inseln.

Am Ende willigte die Links-rechts-Regierung unter großem Druck ein, zumindest für die wohlhabendsten und touristisch stärksten Inseln wollte sie die Privilegien streichen. Nun setzt sie wenige Tage nach ihrer Wiederwahl die Vereinbarung um: Von 1. Oktober an sollen die Steuersätze auf sechs Inseln steigen, teilte das Finanzministerium in Athen mit. Auch dort sind dann die landesüblichen bis zu 23 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Konkret handelt es sich demnach um Santorin, Mykonos, Rhodos, Naxos, Paros und Skiathos - wichtige touristische Zentren Griechenlands. Bislang galten auch auf diesen Inseln Steuervergünstigungen. Bei einer Abschaffung befürchteten griechische Politiker einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Ländern Europas, in denen etwa Hotelübernachtungen häufig einem ermäßigten Steuersatz unterliegen.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf den griechischen Inseln ist in mehreren Schritten geplant. Von kommenden Juni an sollen die Vergünstigungen auf weiteren Inseln fallen, der Rest der Steuererhöhungen soll von Januar 2017 an folgen. Bereits im Juli dieses Jahres war im ganzen Land die Mehrwertsteuer auf zahlreiche Produkte und Dienstleistungen von 13 auf 23 Prozent angehoben worden.

Die neue Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras, die nach der Wahl am vorvergangenen Sonntag gebildet wurde, steht unter Zeitdruck. Bereits Mitte Oktober wollen Vertreter der EU-Institutionen mit der Überprüfung beginnen, ob Griechenland die im Gegenzug für das dritte Hilfspaket zugesagten Reformen umsetzt. Nur wenn die Prüfer zu einem positiven Ergebnis kommen, sollen die Milliardenkredite auch tatsächlich überwiesen werden.

Zudem stehen in den kommenden Wochen wichtige Verhandlungen über mögliche Schuldenerleichterungen an - die ökonomisch einem Schuldenschnitt gleichkämen. Für diese Verhandlungen, in denen auch der Internationale Währungsfonds (IWF) eine wichtige Rolle spielen wird, dürfte die Umsetzung vereinbarter Reformen aus Sicht der Tsipras-Regierung einen Vorteil darstellen.

fdi/Reuters/AFP

insgesamt 45 Beiträge
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tageskolumne 29.09.2015
1. Auch nur Blendwerk
Nach eigenen Beobachtungen und zahreichen Berichten kann ich nur sagen: egal wie hoch die Steuererhöhung auch sein mag, die Steuer-Unehrlichkeit war und ist sehr hoch in Griechenland. Was nützt ein MWST-Satz, wenn die Geschäftsleute gar nicht erst Steuern abführen? Die massiv gesunkenen Steuereinnahmen seit Amtsantrott von Herrn Tsipras Anfang des Jahres sprechen doch für sich. Da ist so viel Lug und Trug im Spiel, und alle schauen (wieder) weg und tun nichts.
pmp 29.09.2015
2. Und in Deutschland?
Möchte die EU wirklich auch noch den Tourismus in GR zerstören? Wie kann man ein schon armes Volk mit einem solch hohem USt.-Satz drangsalieren. Da ist weitere Steuerhinterziehung vorprogrammiert! Und der deutsche Bild-Bürger zeigt schön mit dem Finger auf die "faulen" Griechen und freut sich über 19 % bzw. 7 % MwSt.
Draw2001 29.09.2015
3. Es,wird kaum wirken.....
Auch ein noch höherer Mwst.-Satz wird nichts bringen, solange die griechischen Geschäftsleute vermeiden, ihn an den Staat abzuführen.
suplesse 29.09.2015
4. So ist das mit linken Regierungen!
Und zwar überall, wenn sie in die Pflicht genommen werden ist es mit dem Gutmenschentum vorbei.
Takapuna 29.09.2015
5. Beachtliche Leitung
In Anbetracht der Anzahl an Inseln, die zu Griechenland gehören, hört es sich nach einer wirklich beachtlichen Leistung an. Dieser erfolgreiche Schritt wird die Situation umfangreich ändern können.
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