Sparerfolg Griechenland verringert Haushaltsdefizit drastisch

Die griechische Regierung kann einen spektakulären Erfolg im Kampf um solide Staatsfinanzen verzeichnen: In den ersten neun Monaten dieses Jahres erreichte der Staat einen Primärüberschuss von 2,6 Milliarden Euro. Das Haushaltsdefizit fiel mit 2,7 Milliarden Euro deutlich geringer aus als geplant.

Finanzminister Stournaras: Überraschend hoher Primärüberschuss
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Finanzminister Stournaras: Überraschend hoher Primärüberschuss


Athen - Der griechische Staat hat von Januar bis September deutlich mehr eingenommen, als er eigentlich für seine Aufgaben benötigt. In diesem Zeitraum erwirtschaftete der Euro-Krisenstaat dem Finanzministerium in Athen zufolge einen Primärüberschuss von 2,62 Milliarden Euro. Bei dieser Messgröße werden die Kosten für die Zinsen nicht berücksichtigt, die der Staat an seine Gläubiger zahlen muss. Rechnet man diese Zinslast ein, erzielte Griechenland ein Defizit im Etat in Höhe von 2,67 Milliarden Euro.

Damit hat Griechenland bei der Haushaltskonsolidierung erstaunliche Forschritte gemacht. Wie aus einer Mitteilung des Finanzministeriums hervorgeht, war für die ersten neun Monate dieses Jahres eigentlich ein Primärdefizit von 2,9 Milliarden Euro eingeplant gewesen. Insgesamt sollte das Haushaltsminus in diesem Zeitraum bei 8,3 Milliarden Euro liegen, also rund 5,5 Milliarden höher als es nun ausfiel. Noch im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres hatte der Staat noch ein Minus von 12,72 Milliarden Euro erzielt.

Weniger Ausgaben, mehr Einnahmen

Auch für das Gesamtjahr 2013 rechnet Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras mit einem Primärüberschuss. Dies soll der Regierung in Athen helfen, weitere Hilfen von den internationalen Partnern zu bekommen - die inzwischen allgemein als notwendig angesehen werden.

Hauptgrund für die überraschend guten Haushaltszahlen war der Sparkurs der Regierung. Die Ausgaben fielen um rund 3,5 Milliarden Euro geringer aus als geplant, gleichzeitig nahm Griechenland 1,4 Milliarden Euro mehr ein.

Für das kommende Jahr rechnet die griechische Regierung erneut mit einem klaren Primärüberschuss in Milliardenhöhe. Zudem wird erwartet, dass die Wirtschaft des Landes nach jahrelanger Rezession 2014 wieder leicht wachsen wird.

fdi/dpa



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insgesamt 10 Beiträge
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Lok Leipzig 23.10.2013
1. Vorsicht
Trau keiner Zahl, die Griechen errechnet haben. Erst wenn die Troika das Zahlenwerk bestätigt hat, kann man ihm vielleicht glauben. Zudem: Es ist unredlich, Zinsen und Tilgung bei der Betrachtung auszublenden, oder rechnet niemand mehr damit, dass die Schulden bedient und getilgt werden? Dann muss sofort der Schuldenschnitt her. Wenn alles so schön läuft in Hellas, dann braucht es auch kein drittes Hilfspaket, dann stemmen die Hellenen das allein.
JaguarCat 23.10.2013
2. Wann folgen die USA?
Es waren drei harte Jahre für Griechenland, und es werden noch zwei oder drei harte Jahre folgen, bis sich der Aufschwung verfestigt. In fünf oder zehn Jahren blickt aber Gesamt-Euroland stolz auf die erfolgreiche Sanierung von Griechenland zurück. Die spannende Frage ist, wann andere "Schuldensünder" folgen. Die USA haben die Schuldenquote von 100% BIP vor kurzem überschritten und sind munter weiter auf dem Weg nach oben. Japan steht bei rund 200% BIP. Jag
eichsfelder-2 23.10.2013
3. Hm ... was für ein sinnentstellender Artikel.
Erst rechnet man die Zinsen heraus und nennt das Ergebnis Primärüberschuss. Sollte dies dann nicht ausreichen, könnte man aus der Haushaltsrechnung noch alle Gehälter der Staatsbediensteten abziehen, um das Resultat weiter zu schönen. Doch machen wir uns nichts vor, der griechische Staat wird letztendlich seine Rechnungen nicht bezahlen und seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Es bleibt dabei, sie haben noch immer ein klassisches Haushaltsdefizit, es wird zu Schuldenerlassen kommen müssen und sie werden weiter gen Norden die Hand aufhalten. Und noch ein kleiner Hinweis: Im engen Sinne bleibt beim "Sparen" eigentlich immer etwas übrig. Da ich dies bei den Griechen nicht sehe, ist es auch mit dem beschriebenen Sparerfolg nicht weit her. Alles nur der berühmte Honig um unsere Mäuler, damit wir ja nur unsere Klappe halten. Volksverdummung ...
Stefan_C 23.10.2013
4. Es geht voran ...
Da können die AfD fanboys und -girls jetzt noch so viel polemisieren, aber in Griechenland geht's langsam voran und auch in Spanien gibt's die ersten positiven Zeichen. Der Sanierungs-Kurs der Kanzlerin geht auf ... und da dieser Kurs kein klassisches bailout war, ist es für die Länder mit "entspannter" Haushaltsführung klar, dass sie eine Überschuldungssuppe immer selbst auszulöffeln haben ... und das Politiker oder sogar ganze Parteien über zu hohe Schulden stürzen können. Vielleicht hat die Krise etwas reinigendes für die Zukunft.
cemi 23.10.2013
5.
Zitat von eichsfelder-2Erst rechnet man die Zinsen heraus und nennt das Ergebnis Primärüberschuss. Sollte dies dann nicht ausreichen, könnte man aus der Haushaltsrechnung noch alle Gehälter der Staatsbediensteten abziehen, um das Resultat weiter zu schönen. Doch machen wir uns nichts vor, der griechische Staat wird letztendlich seine Rechnungen nicht bezahlen und seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Es bleibt dabei, sie haben noch immer ein klassisches Haushaltsdefizit, es wird zu Schuldenerlassen kommen müssen und sie werden weiter gen Norden die Hand aufhalten. Und noch ein kleiner Hinweis: Im engen Sinne bleibt beim "Sparen" eigentlich immer etwas übrig. Da ich dies bei den Griechen nicht sehe, ist es auch mit dem beschriebenen Sparerfolg nicht weit her. Alles nur der berühmte Honig um unsere Mäuler, damit wir ja nur unsere Klappe halten. Volksverdummung ...
Richtig. Hier mal eine aktuelle Darstellung der Lage in Griechenland: Die Austeritätspolitik in Griechenland ist gescheitert. Dies nicht nur wegen des massiven Rückgangs des griechischen BIP und der dramatisch hohen Arbeitslosigkeit, sondern auch, weil die Schuldenstandsquote nicht – wie erhofft – gesunken, sondern weiter angestiegen ist, nämlich von knapp 128 Prozent im Jahr 2009 auf nunmehr 180 Prozent (http://www.nachdenkseiten.de/?p=19020)
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