Schuldenstreit EU gewährt Griechenland angeblich sechs Monate Zeit

Die EU-Kommission will Griechenland laut einem Agenturbericht ein halbes Jahr geben, um eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Bundesfinanzminister Schäuble weist den Bericht als falsch zurück.

Anti-IWF-Graffito in Athen:  Mehr Zeit für die Lösung des Schuldenproblems?
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Anti-IWF-Graffito in Athen: Mehr Zeit für die Lösung des Schuldenproblems?


Frankfurt am Main - Griechenland bekommt möglicherweise etwas Luft für die Lösung seines Schuldenproblems: Die EU-Kommission will der Regierung in Athen einem Medienbericht zufolge sechs Monate Zeit für eine Einigung mit den Gläubigern geben. Dieser Kompromissvorschlag soll am Mittwoch auf dem Treffen der Finanzminister der Eurozone vorgelegt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Market News International (MNI) unter Berufung auf einen ranghohen Kommissionsvertreter.

In den sechs Monaten soll über alle offenen Fragen und die Zeit nach dem bisherigen Hilfsprogramm gesprochen werden. Eine Sprecherin der EU-Kommission teilte mit, es gebe im Schuldenstreit mit der griechischen Regierung bisher keinen formalen Vorschlag, es würden aber intensive Gespräche geführt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies die Meldung zurück. Der Bericht "müsse falsch sein" sagte Schäuble am Dienstag in Istanbul am Rande des G20-Treffens. "Erstens weiß ich davon nichts, zweitens ist die Kommission dafür nicht verantwortlich."

Das aktuelle Programm läuft Ende Februar aus. MNI berichtet jedoch nicht darüber, welche Summen Griechenland für diesen Zeitraum erhalten soll. Dem Bericht zufolge will die EZB in dieser Übergangszeit wieder griechische Anleihen als Sicherheiten akzeptieren. Die neue griechische Regierung lehnt bisher eine Fortsetzung der Spar- und Reformpolitik ab. Wie hier eine Einigung aussehen könnte, bleibt unklar.

Der Eurokurs stieg nach der Meldung kurzzeitig an, gab aber einen Großteil seiner Gewinne rasch wieder ab. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen gingen weiter zurück.

Tsipras will offenbar mit Juncker sprechen

Angesichts der schwierigen Verhandlungen über die griechischen Staatsschulden telefonierte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras am Dienstag mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Es sei ein Gespräch in einem "positiven Geist" der Kooperation gewesen, teilte die EU-Kommission im Anschluss mit. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

In Athen hat die Syriza-Regierung unterdessen bekannt gegeben, dass sie zwei weitere große Wirtschaftsprojekte stoppen will. Energieminister Panagiotis Lafazanis sagte vor dem Parlament, man werde juristisch gegen die geplante Goldmine Skouries im Norden des Landes vorgehen. Zudem werde die Regierung den Verkauf des alten Athener Flughafens Hellenikon prüfen. Ziel sei es, das Geschäft zu verhindern.

Die von der Eldorado Gold betriebene Mine war das Vorzeige-Investitionsprojekt der alten Regierung. Der kanadische Konzern hatte das Bergwerk 2012 übernommen und angekündigt, eine Milliarde Dollar über fünf Jahre einzubringen. Die Fertigstellung ist für 2016 geplant. Gegner der Projekts fürchten Schäden für die Tourismuswirtschaft und an der Umwelt.

Die neue Regierung in Athen hat bereits eine Reihe Privatisierungen abgeblasen, darunter den Verkauf des Hafens von Piräus und eines Energieversorgers. Der Flughafenbetreiber Fraport erklärte am Wochenende, er erwarte weiterhin den Vollzug eines geplanten milliardenschweren Kaufs von 14 griechischen Regionalflughäfen.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 219 Beiträge
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Msc 10.02.2015
1.
Griechenland wird nicht fallengelassen. Tsipras hat auf seiner letzten Europatournee nur schonmal die Medienkampagne abgesprochen, damit die Bürger das auch schön schlucken.
kayhawai 10.02.2015
2. Gewonnen!
Ich hab' diverse Wetten laufen und ALLE gewonnen!!! Ich hatte gewettet dass Griechenland - egal was passiert - auf keinen Fall klare Grenzen aufgezeigt werden! Die griechische Regierung könnte auch ein Billion Euro fordern - sie würde sie bekommen! Die EU ist einfach nur noch eine absurde Veranstaltung. Das Tragische ist - und das meine ich sehr ernst - dass mit solchen Maßnahmen der Grundstock für neuen Hass und damit für neue Kriege gelegt wird.
Alexander Teeee. 10.02.2015
3. Weltmeister
Nach Exportweltmeister, jetzt auch Weltmeister im Umfallen. Ich finde, Umfallen sollte jetzt olympisch werden, denn das hier ist ganz großes Kino! :)
kf6vci 10.02.2015
4. Wer zahlt's?! :X Direkte Demokratie, bitte!
Wer ist Juncker- wwurde er gewaehlt? Wie kann es angehen, dass ungewaehlte EU Buerokraten ueber Milliarden der Steuerzahler aus Holland, Finnland, Deutschland usw. verfuegen koennen? In England soll es eine Abstimmung geben. Lasst die Steuerzahler der Geberlaender abstimmen! Und hoert die Bundesbank dazu, wie viele Milliarden tatsaechlich bereits im Feuer sind.
schwaebischehausfrau 10.02.2015
5. Juncker soll sich raushalten...
..denn die EU ist nicht der Gläubiger, sondern primär die Staaten der Euro-Zone. Juncker hat die europäischen Staaten durch seine Rolle bei Luxemburgs Beihilfe zur Steuer-Vermeidung schon Milliarden gekostet. Jetzt versucht er erneut wieder über anderer Staaten Geld zu entscheiden - genauso wie mit seinem lächerlichen Investitionsplan. Auch in diesem Fall haben die Engländer von Anfang an mehr Gespür bewiesen als unser Katastrophen-Duo Merkel/Schäuble: Cameron hat massiv versucht, Juncker zu verhindern - leider hat er keine Unterstützung von Deutschland bekommen. Grundsätzlich muss man England beglückwünschen: Die ziehen ihre Sache durch , ohne sich einschüchtern zu lassen. England hat sich nicht in den EURO-Wahnsinn reinziehen lassen (und lacht sich seitdem nur einen Ast ab über die dummen Deutschen) und England wird auch den EU-Wahnsinn in Brüssel so nicht mehr lange mitmachen.... Deutschland sollte sich endlich dringend anschauen, welche Länder in Europa ein kompatibles Werte-System haben und ein entsprechendes Gegengewicht bilden zu der Schulden-Mafia...
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