Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Euro-Gruppen-Treffen: Griechenland mauert, Deutschland auch

Griechenlands Premier Tsipras mit Abgeordneten: Die nächste letzte Chance Zur Großansicht
AP

Griechenlands Premier Tsipras mit Abgeordneten: Die nächste letzte Chance

Die Fronten sind verhärtet, die Erwartungen gering - trotzdem muss sich die Euro-Gruppe am Nachmittag einigen. Sonst ist die Pleite Griechenlands kaum noch aufzuhalten. Die Regierung in Athen zeigt sich allerdings weiterhin unnachgiebig.

Brüssel - Es werden harte Verhandlungen für den griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis: Auf einer Sondersitzung mit seinen Kollegen aus der Eurozone wird er wieder einmal um neue Finanzhilfen für das von der Pleite bedrohte Griechenland ringen.

Wenige Stunden vor Beginn der Sitzung zeigte sich die Regierung in Athen allerdings unnachgiebig: Griechenland werde nicht über die Verlängerung des Rettungsprogramms mit den Spar- und Reformauflagen diskutieren und halte an dieser Position auch gegenüber der Euro-Gruppe fest, sagte ein Regierungssprecher am Freitag. Das Land habe alles getan, um eine Lösung zu finden, die zum Wohle aller Beteiligten sei.

Unnachgiebig zeigt sich allerdings auch die Euro-Gruppe: Zwar hatte Varoufakis bei Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem eine Verlängerung der Finanzhilfen beantragt, Deutschland hatte den Brief aber brüsk zurückgewiesen. Jetzt kommt es darauf an, wie sich beide Seiten im Laufe des Tages aufeinander zubewegen - oder die Fronten weiter verhärten.

Portugal zeigt Verständnis für Griechenland

Die portugiesische Finanzministerin Maria Luís Albuquerque forderte die Regierung in Athen zum Festhalten am bestehenden Hilfsprogramm auf. Auch Portugal habe nach dem Regierungswechsel im Sommer 2011 Anpassungen an seinem Hilfsprogramm vorgenommen, die vorher mit den internationalen Geldgebern des Landes abgestimmt worden seien. "Dieser Weg steht auch Griechenland offen", sagte Albuquerque dem "Handelsblatt".

Die Ministerin zeigte zugleich Verständnis für Athen. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass diese Maßnahmen hart sind", sagte sie. Allerdings könne es keine Finanzhilfe ohne Konditionen geben. "Anders funktioniert es nicht", sagte Albuquerque.

Auf die Frage, ob Griechenland die Eurozone verlassen müsse, wenn es keine Einigung gebe, sagte Albuquerque: "Das haben wir nicht diskutiert in der Euro-Gruppe." Griechenland sei Mitglied der Währungsunion, "und unser Wunsch ist, dass es dabei bleibt". Eine Ansteckungsgefahr für Portugal sieht Albuquerque indes nicht.

"Trojanisches Pferd" oder "ermutigendes Zeichen"?

Die Euroländer sind sich in den Fragen ob und wie Griechenland geholfen werden kann, offenbar nicht ganz einig: In einem Papier aus Berlin zur Vorbereitung des Treffens hieß es, der griechische Antrag auf weitere Milliardenkredite sei ein "Trojanisches Pferd". Deutschland und Finnland hatten die Bitte abgelehnt - Frankreich allerdings sprach von einem ermutigenden Zeichen.

In seinem Antrag an die Euro-Gruppe bittet Varoufakis um eine sechsmonatige Verlängerung der Finanzhilfen für das Krisenland - also faktisch bis Ende August. Für das hochverschuldete Land wird die Zeit knapp: Am 28. Februar läuft das aktuelle Hilfsprogramm der Europäer aus. Ohne eine Verlängerung droht dem Land die Pleite.

Allerdings verlangt die Bundesregierung auch eine Antwort auf die entscheidende Frage: Ist die neue Athener Regierung nun auch bereit, im Gegenzug für Hilfskredite weitere Auflagen der internationalen Geldgeber zu akzeptieren? Ohne ein verbindliches Bekenntnis dazu, waren die Europartner bislang nicht zu Zugeständnissen an Athen bereit.

Nach Angaben aus griechischen Verhandlungskreisen fordert die Bundesregierung unter anderem einen Verzicht auf bereits angekündigte Arbeitsmarkt- und Sozialreformen. Berlin will nach Angaben von griechischer Seite zudem, dass bestimmte Verpflichtungen klar schriftlich festgehalten werden. In griechischen Regierungskreisen hieß es zuvor, die Geldgeber würden den Inhalt des Antragsschreibens mit entsprechenden Zusagen zu 95 Prozent mittragen.

Der griechische Regierungssprecher Gavriil Sakellarides hatte am Morgen im heimischen Fernsehen gesagt: "Unser Ziel ist, das Abkommen bald abzuschließen." Am Vorabend hatte sich Finanzminister Varoufakis zuversichtlich gezeigt, dass die Verhandlungen am Freitag erfolgreich abgeschlossen werden können. "Tag für Tag, Stunde um Stunde kommen wir uns näher", sagte er im griechischen Fernsehen.

nck/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 400 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gaehn...
fatherted98 20.02.2015
...wieder mal ein Versuch von SPON etwas zu implizieren, was nicht eintreffen wird. Die Griechen wissen genau das D sie nicht fallenlaesst...ansonsten waeren sie nicht so oberarrogant bei den Gespraechen aufgetreten....es fragt sich nur wie die Regierungen der EURO Gruppe ihren Waehlern das erneute einknicken erklaeren werden...naja...in D braucht man sich da keine Sorgen zu machen...der Deutsche Michel zahlt...egal fuer was.
2.
wamue779 20.02.2015
Es gibt nur zwei mögliche Ergebnisvarianten: - ein fauler Kompromiss - ein Ende mit (wie großen?) Schrecken Meine Wahl ist eindeutig.
3. Täuschungsversuch demaskiert
Demokratie+Freiheit 20.02.2015
Die Griechen geben also schon zu, daß der Brief nur ein weiteres, oberdreistes Manöver war, die Europäer einzulullen, um ohne Leistung an Geld zu kommen. Nein, jetzt muss man die Griechen endlich verstehen und beim Wort nehmen: sie wollen keine echte Hilfe, sind nicht bereit etwas dafür zu tun und wollen lieber die Drachme. Das hat nun einmal das Volk entschieden, das muss man respektieren. Immerhin sind alle anderen EU-Staaten zunächst nur ihren eigenen Wählern, aber auch ihren Nichtwählern verpflichtet. Ein Neuanfang für Griechenland mit Drachmen löst viele Probleme zwar nicht, birgt aber eine ungeheure Chance, die Fähigkeiten der Griechen endlich doch ein Steuersystem aufzubauen zu prüfen.
4.
crazy_swayze 20.02.2015
Der Grexit sollte kommen. Griechenland sollte die Rückzahlung also verweigern und wieder bei Null anfangen. Es wäre das Beste für beide Parteien. Deutschland müsste seinen Steuerzahlern nicht mehr erklären, warum sie Geld nach Athen tragen. Und die Griechen könnten sich aus eigener Kraft mit einer Drachme wieder hocharbeiten. Die Lebenshaltungskosten würden sinken, die Arbeit würde billiger, gerade reizvoll für Investoren. Baut man dann noch etwas die Bürokratie ab, steht dem Wirtschaftsboom nichts mehr im Wege. Und wenn wieder Korruption alles zunichte macht? Dann ist es wenigstens nicht mehr Deutschlands Problem.
5. Die griechische
jber 20.02.2015
Regierung hält das wirklich für ein Spiel, Tsipras und sein weltfremder Professor scheinen wirklich zu glauben das der Bluff gelingt und frisches Geld ohne Auflagen fließt. Die Europartner sollen griechische dolce Vita finanzieren. Ich glaube nicht dass das gelingt; Spieltheorieexperte hin oder her.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: