Hamburg - Die EU-Staaten wollen Griechenland in der Euro-Zone behalten - und sie machen sich keine Illusionen: Wenn das Land nicht bald die Währungsunion verlassen soll, wird es Nachverhandlungen über das griechische Sparprogramm geben.
Laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") bereitet sich die Euro-Zone darauf bereits vor. Unabhängig vom Wahlausgang am Sonntag werde jede neue Regierung Nachverhandlungen verlangen, heißt es demnach in EU-Kreisen. Man werde sich dem nicht verweigern können.
Inwieweit die Euro-Retter den Griechen entgegenkommen würden, ist unklar. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte am Dienstag noch einmal betont, man werde das Möglichste tun, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten - wenn es seine Verpflichtungen erfüllt.
Deutsche wenden sich von Griechen ab
Das tut es aber offenbar nicht. In Kreisen der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) gehe man davon aus, dass das Land Verpflichtungen bereits wieder verletzt habe, berichtet die "FTD" weiter. Seit der Umschuldung und der Billigung des zweiten Griechenland-Pakets im März sei die Umsetzung kaum vorangekommen. "Das Programm ist aus der Spur", sagte ein Verantwortlicher der Euro-Zone der Zeitung.
Während man in Brüssel versucht, zu retten, was noch zu retten ist, bröckelt in Deutschland der Rückhalt für den Kurs der EU-Politiker. 69 Prozent der Deutschen plädieren laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov inzwischen dafür, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt. Nur 17 Prozent der Deutschen sind für einen Verbleib.
Sehr skeptisch sehen die Deutschen auch die Zukunft der Europäischen Union und ihrer Gemeinschaftswährung. Nur eine knappe Mehrheit (52 Prozent) würde bei einem Referendum dafür stimmen, in der EU zu bleiben. 29 Prozent würden die EU verlassen. Rund jeder fünfte Deutsche rechnet damit, dass der Euro die kommenden zehn Jahre nicht überleben wird.
Sorgen um Italien
Auch die Angst der Anleger vor einer neuen Eskalation der Euro-Krise nimmt zu. Am Dienstag waren die Zinsen für spanische Staatsanleihen auf neue Rekordstände gestiegen. Dabei hatten die EU-Partner Spanien gerade erst Unterstützung für seine maroden Banken zugesagt - und zwar bis zu hundert Milliarden Euro. Auch die Aufschläge für italienische Anleihen stiegen - das Land gilt als nächster möglicher Kandidat für die Hilfe anderer Staaten.
Italiens Ministerpräsident Mario Monti traf sich am Dienstag mit den Chefs der anderen Parteien im italienischen Parlament. Er zeigte sich "besorgt über die Alarmsituation" an den Anleihemärkten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Monti bat die anderen Parteien um breite Unterstützung für seinen Sparkurs.
Gleichzeitig betonte er: das Land wolle keine Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds. Er begreife zwar, dass Italien als "lustiges undiszipliniertes Land gesehen werde", sagte Monti dem Bayerischen Rundfunk in Rom. Aber Italien sei derzeit viel disziplinierter als andere Länder - und besonders lustig sei es auch nicht mehr.
ssu/dapd/dpa-AFX/Reuters
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