Urkundenfälschung Gericht verurteilt früheren griechischen Minister

Er steht für die Vetternwirtschaft der griechischen Politik: Ex-Finanzminister Papakonstantinou soll Verwandte von einer Liste mutmaßlicher Steuersünder gestrichen haben. Nun hat ein Gericht ihn zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Papakonstantinou im Parlament (Archivbild): Vorwurf der Vetternwirtschaft
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Papakonstantinou im Parlament (Archivbild): Vorwurf der Vetternwirtschaft


Athen - Ein Gericht in Athen hat den früheren sozialistischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou wegen Urkundenfälschung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Papakonstantinou soll 2010 aus einer Datei mutmaßlicher griechischer Steuersünder mit Geldeinlagen in der Schweiz die Namen von Verwandten gelöscht haben. Der Ex-Finanzminister bestritt die Vorwürfe. Das Gericht sprach ihn nun zwar der Urkundenfälschung schuldig, nicht aber des Amtsmissbrauchs. Die Strafe fiel deshalb milder aus.

Papakonstantinou war von 2009 bis 2011 Finanzminister in der Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Ausarbeitung des ersten Rettungspakets von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) beteiligt, mit dem Griechenland vor der Staatspleite bewahrt wurde.

Hintergrund des Prozesses ist die sogenannte Lagarde-Liste mit den Namen von rund 2000 Griechen, die Konten mit großen Vermögen im Ausland hatten. Die Liste war von einem Bankmitarbeiter in der Schweiz entwendet worden. 2010 wurde sie von der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde an Griechenland übergeben. Papakonstantinou soll sie in Empfang genommen und die Namen seiner Verwandten gelöscht haben, bevor er sie an die Steuerfahndung weiterleitete.

2012 war die Manipulation aufgeflogen und hatte für große Empörung im krisengebeutelten Griechenland gesorgt. Vetternwirtschaft, Korruption und Steuerbetrug sind dort große Probleme. Die neue Regierung um den linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ist angetreten, um die Missstände einzudämmen, musste aber selbst schon mit Korruptionsvorwürfen kämpfen: Minister Giorgos Katrougalos soll entlassene Beamte wieder eingestellt und zugleich als Anwalt daran verdient haben.

Die neue Regierung hat auch eine Überprüfung der gesamten Lagarde-Liste angekündigt, um mögliche Steuerhinterzieher zur Rechenschaft zu ziehen.

stk/dpa/Reuters/AP/AFP

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
nimmersatt 24.03.2015
1. Erhaltet uns die Griechen in der EU denn.......
solange dort nach Verbrecher in Nadelstreifen gesucht wird, hat das Land indem wir leben seine trügerische Ruhe!
ichbinmalweg 24.03.2015
2. Neee ...
... ist kein Amtsmissbrauch. Gar nicht daran zu denken!
Inselbewohner, 24.03.2015
3. Schon wieder Spon
: Minister Giorgos Katrougalos soll entlassene Beamte wieder eingestellt undzugleich als Anwalt daran verdient haben. Verbreitet ihr Halbwahrheiten bzw. bewußt die Unwahrheit. Der Herr G.K. hat im Rahmen seines Jobs in einer Anwaltskanzlei spezialisiert auf Arbeitsrecht entlassene Beamte vertreten. Als er Minister wurde hat er sein Mandat in eben dieser Kanzlei niedergelegt bzw. ruhen lassen. Er hat definitiv KEINE Beamten eingestellt!!! Das wurde doch schon ausführlich in einem Forum diskutiert! Warum macht ihr so etwas? Gruß HP
dietmar0402 24.03.2015
4. Griechische Vetternwirtschaft.
Nenne mir eine Beamten in Griechenland der nicht in seine eigenen Taschen wirtschaftet dort sind fasst alle Korrupt . Den kleinen Leuten wird der Himmel auf Erden versprochen nur wo das Geld herkommt weis keiner. Dieses Land hat auf keinen fall was in der EU zu suchen Sie müssen erst einmal ihr Land ausrichten .
gehirnakrobat 24.03.2015
5.
ja richtig, und dabei standen soviele Griechenlandretter wie Sie bereit die ohne mit der Wimper zu zucken Griechische Staatsanleihen gekauft hätten. Eine Win-Win-Win Situation. Die Griechen hätten munter weiter prassen können. Der Deutsche Steuerzahler hätte die Party nicht bezahlen müssen und die Staatsanleihekäufer wie Sie hätten hätten dem ganzen illegalen Sklavenvertrag mit der Troika nicht hilflos zusehen müssen.
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