Schuldenkrise EZB verlängert Nothilfen für griechische Banken

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat entschieden: Die Ela-Nothilfen an griechische Banken fließen vorerst weiter, werden aber nicht mehr erhöht. Damit werden Kapitalkontrollen immer wahrscheinlicher.

EZB-Zentrale in Frankfurt: Lebensader der griechischen Banken
REUTERS

EZB-Zentrale in Frankfurt: Lebensader der griechischen Banken


Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Nothilfen für griechische Banken am Sonntag verlängert. Der Rahmen dafür werde auf dem aktuellen Niveau gehalten, teilte die Notenbank mit. Man sei bereit, die Entscheidung jederzeit zu überdenken und werde eng mit der griechischen Notenbank zusammenarbeiten, um die Finanzstabilität zu gewährleisten.

Die griechischen Banken sind von Nothilfen abhängig, die offiziell von der Zentralbank in Athen gewährt werden. Die EZB muss diese Hilfen aber regelmäßig genehmigen. Zuletzt hatte sie den Rahmen dafür immer weiter ausgedehnt - bis auf knapp 90 Milliarden Euro. Ohne die ständig frischen Kredite wären die griechischen Finanzinstitute längst zahlungsunfähig.

Nun soll der Rahmen zwar nicht weiter erhöht, aber auch nicht gekürzt werden. Damit will die EZB einerseits einen Zusammenbruch des griechischen Finanzsystems verhindern. Gleichzeitig soll aber auch der Druck auf Griechenland aufrechterhalten werden, die gewaltigen Geldabflüsse der Banken mit Kapitalverkehrskontrollen zu stoppen. Dabei könnten zum Beispiel Obergrenzen für Geldabhebungen am Automaten oder für Überweisungen ins Ausland gesetzt werden.

Einführung von Kapitalkontrollen immer wahrscheinlicher

Mit der EZB-Entscheidung ist die Einführung solcher Kontrollen sehr wahrscheinlich geworden. Wie griechische Medien berichten, bereite sich auch die Regierung in Athen darauf vor. Finanzminister Gianis Varoufakis sagte am Sonntag in der BBC, dass auch erwogen werde, die Banken am Montag geschlossen zu halten.

Seit vergangenen Dezember haben die griechischen Bankkunden Dutzende Milliarden Euro von ihren Bankkonten geholt. Zuletzt hatten sich die Abflüsse dramatisch beschleunigt. Nachdem der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras am späten Freitagabend ein Referendum für den 5. Juli über ein von den internationalen Gläubigern gefordertes Sparpaket angekündigt hatte, waren am Samstag viele Menschen an die Geldautomaten geströmt, um ihre Ersparnisse zu sichern.

SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Giorgos Christides berichtet am Sonntagnachmittag, dass in Athen bereits viele Geldautomaten leergeräumt seien. Die Menschen blieben zwar insgesamt ruhig, viele seien aber auch wütend.

Politisch hatte sich die Lage am Samstag dramatisch zugespitzt. Nach der Ankündigung des Referendums hatten die Eurofinanzminister bei ihrem Treffen in Brüssel die Verlängerung des am 30. Juni auslaufenden Hilfsprogramms für Griechenland abgelehnt. Damit verfallen 15,5 Milliarden Euro, die bei einer Verlängerung noch aus dem Hilfsprogramm hätten ausgezahlt werden können.

Eine griechische Staatspleite wird damit immer wahrscheinlicher. Am Dienstag muss das Land eine Schuldenrate von 1,55 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Doch die Kassen in Athen sind dem Vernehmen nach leer. Kann Griechenland nicht pünktlich zahlen, wäre das Land zwar noch nicht offiziell bankrott. Faktisch wäre dies aber die Pleite.

stk/gec

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 739 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bonner85 28.06.2015
1. Unglaublich...
und unverantwortlich... Draghi sollte man verhaften und lebenslänglich in Einzelhaft stecken!
markzwanzig 28.06.2015
2. Dir
frische Volksverarsche geht weiter. Ich wäre gern ein Brite, ich beneide die um die kommende Wahlmöglichkeit.
matbhmx 28.06.2015
3. Die EZB ist offensichtlich ...
... von allen guten Geistern verlassen. Vor allem muss dierser unseelige Draghi weg (wer kam eigentlich auf die irrwitzige Idee, ausgerechnet einen Italiener auf diesen Posten zu setzen?)!
Aquifex 28.06.2015
4.
Das heißt jetzt was? Die gewährten Kredite werden nicht jetzt zurückgefordert, oder es fließen neue ELA Kredite nach Griechenland?
nothx 28.06.2015
5. the needle
returns to the start of the play and we all sing along like before. Der Schrecken nimmt kein Ende.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.