Neue Milliardenlücke: Griechenland braucht Geld zum Schuldenrückkauf

Griechenland war mit dem Rückkauf seiner Schulden erfolgreich - und hat sich gleich das nächste Problem eingehandelt: Für den Rückkauf aller angebotenen Staatsanleihen fehlt dem Land mehr als eine Milliarde Euro. Zumindest aus Italien kommen aber gute Nachrichten.

Weihnachtsbeleuchtung in Athen: Zum Schuldenrückkauf fehlen 1,3 Milliarden Euro Zur Großansicht
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Weihnachtsbeleuchtung in Athen: Zum Schuldenrückkauf fehlen 1,3 Milliarden Euro

Athen - Endlich ein Erfolg bei der Schuldenbekämpfung - und schon hat die griechische Regierung ein neues Geldproblem: Bei dem wichtigen Schuldenrückkaufprogramm hat das Land Staatsanleihen im Wert von 31,9 Milliarden Euro angedient bekommen und damit mehr als geplant. Die internationalen Geldgeber haben für den Deal zehn Milliarden Euro zur Seite gelegt. Um alle Angebote annehmen zu können, würden aber knapp 11,3 Milliarden Euro benötigt, hieß es aus Griechenland.

Die Regierung in Athen will alle Schulden aufkaufen - sofern der Euro-Rettungsfonds EFSF zusätzlich knapp 1,3 Milliarden Euro Finanzierungshilfe leisten würde, teilte die Schuldenagentur Griechenlands am Mittwoch mit. Die Papiere würden mit einem Durchschnittspreis von 33,8 Cent je Euro Nennwert gekauft und das Land könnte so 20 Milliarden Euro Schulden abschreiben.

Die Anleihenbesitzer hatten bis vergangenen Dienstag Zeit, das Rücknahmeangebot zu akzeptieren. Griechenland hatte zunächst 30 Milliarden Euro angepeilt. Weil am Freitag vergangener Woche nicht genug Angebote eingegangen waren, hatte die Schuldenagentur die Frist verlängert. Der Erfolg des Rückkaufs ist die Voraussetzung für weitere Finanzhilfen der Euro-Partner, die am Donnerstag 34 Milliarden Euro freigeben müssen, um die Staatspleite abzuwenden.

Citigroup rechnet mit "Grexit"

Trotz der anhaltenden Hilfs- und Reformbemühungen rechnet die US-Großbank Citigroup mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. "Die Wahrscheinlichkeit eines 'Grexit' sehen wir bei 60 Prozent", sagte Volkswirt Jürgen Michels in Frankfurt am Main. Die jetzigen Maßnahmen dienten lediglich dazu, Griechenland noch einige Monate finanziell über Wasser zu halten. "Nach der Bundestagswahl im Herbst 2013 wird eine Neubewertung stattfinden."

Zum Jahreswechsel 2013/14 könnte es dann zum Austritt Griechenlands kommen, sagte Michels. Ein komplettes Auseinanderbrechen der Euro-Zone befürchtet der Volkswirt aber nicht. Die Politik, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Rettungsfonds ESM würden alles unternehmen, um ein Übergreifen der Krise nach einem Austritt Griechenlands auf andere Staaten zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt seien Spanien und wohl auch Italien bereits unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft, prophezeite Michels.

Italien sammelt am Finanzmarkt erfolgreich Geld ein

Aus Italien kommen unterdessen gute Nachrichten: Die erste Anleihe-Emission des Landes nach der Comeback-Ankündigung von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi ist erfolgreich gelaufen. Das Land begab am Mittwoch Einjahres-Papiere im Volumen von 6,5 Milliarden Euro so günstig wie seit März nicht mehr. Wie das Finanzministerium in Rom mitteilte, sank die Rendite auf 1,456 Prozent.

Am Montag war es am italienischen Anleihemarkt zu einem regelrechten Ausverkauf gekommen, aus Angst, Berlusconi könnte in das Regierungsamt zurückkehren. Er hatte seine Comeback-Pläne fast zeitgleich mit der Rückzugsankündigung von Ministerpräsident Mario Monti kundgetan. Italien fährt unter Monti einen harten Sparkurs. Anleger fürchten, dass Italien ohne ihn vom Reformpfad abkommen könnte.

nck/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 19 Beiträge
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1.
dale_gribble 12.12.2012
Kann man denen nicht einfach eine Einzugsermaechtigung geben? Es nervt naemlich langsam taeglich neue Hiobsbotschaften ueber diesen Mist zu lesen. Es ist doch sowieso vergebene Liebesmueh. Dieses Gewurschtel hat anscheinend 75% Zustimmung der deutschen Bevoelkerung. Die Buerger und Steuerzahler WOLLEN abgezogen werden. Also: Sparen Sie sich doch einfach die ganzen Berichte. Einzugsermaechtigung und gut.
2. Zum Wirtschaftsnobelpreis vorschlagen.
schnitti23 12.12.2012
Man sollte die Erfinder des Perpetuum mobile zum Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaft machen. Alte Schulden mit neuen Schulden aufkaufen, dabei einen Profit machen. Danach die gemachten Schulden für den ersten Rückkauf wieder mit neuen Schulden rückkaufen und wieder einen Profit machen usw. Das ist ein Perpetuum mobile mit eingebautem Schneeballsystem. Der dumme Deutsche Michel macht ja alles willig mit, also weiter so!
3. Aus Italien kommen
idealist100 12.12.2012
Zitat von sysopDPAGriechenland war mit dem Rückkauf seiner Schulden erfolgreich - und hat sich gleich das nächste Problem eingehandelt: Für den Rückkauf aller angebotenen Staatsanleihen fehlt dem Land mehr als eine Milliarde Euro. Zumindest aus Italien kommen aber gute Nachrichten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-fehlen-1-3-milliarden-euro-zum-schuldenrueckkauf-a-872485.html
Aus Italien kommen gute Nachrichten. Was soll das? Jeder einigermaßen Informierte weiß das Anleihen bis zu 3 Jahren von der EZB Draghi aufgekauft werden. Und dies geschieht bei 1 jährigen zu 100%. Also wieder so ein Beitrag, der nur beruhigen soll.
4. ein riesen Erfolg!
mukkesucker 12.12.2012
Griechenland hat nun nachdrücklich bewiesen, daß es ehrlich und sauber spielen will. Ab jetzt machen wir gemeinsame Kasse. Weiter so Hellas!
5.
c++ 12.12.2012
Mit 10 Milliarden Krediten, für die die Steuerzahler aus Ländern wie D bluten müssen, hat Gr völlig wertlose Schrottanleihen zurückgekauft, eigentlich ein Geschenk an die Besitzer dieser Anleihen, vorwiegend griechische Banken und Hedgefonds. Und da die griechischen Banken, die hauptsächlich "profitiert" haben, jetzt ihre Verluste offenlegen müssen, müssen diese rekapitalisiert werden. Dafür bekommen wir ja, unserer politischen Klasse sei gedankt, die "europäische" Bankenrettungsunion, d.h. als Steuerzahler bezahlen wir das auch. Und die Krönung ist, dass uns dies von der Politik auch noch als Erfolg verkauft wird. Es ist einfach nur noch total irre.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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