Besuche in Washington und Moskau Jetzt geht Athen weltweit auf Geldsuche

Die Verhandlungen mit Brüssel stocken, nun führt die griechische Regierung weitere Gespräche: mit dem Internationalen Währungsfonds in Washington - und mit Wladimir Putin. Die Athener Taktik irritiert die Euro-Partner.

Griechischer Premier Tsipras: Gang nach Moskau
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Griechischer Premier Tsipras: Gang nach Moskau


Im Kampf gegen den Staatsbankrott ist die griechische Regierung viel unterwegs: Finanzminister Gianis Varoufakis will am Sonntag in Washington mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, zusammenkommen. Am Mittwoch reist Premierminister Alexis Tsipras dann nach Moskau, wo er bei Präsident Wladimir Putin um niedrigere Energiepreise werben will - und um eine Ausnahme griechischer Produkte von russischen Sanktionen.

Offiziell ist die Regierung zuversichtlich, dass die Finanzkrisendiplomatie bald erfolgreich sein wird. "Alle Seiten betonen, dass erhebliche Fortschritte erzielt wurden", sagt Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis in der Sonntagszeitung "Eleftheros Tipos tis Kiriakis". "In den Verhandlungen ist noch ein Weg zurückzulegen. Aber ich glaube, dass wir sehr bald zu einem Übereinkommen gelangen werden." Das Treffen mit Lagarde sei Teil "der Verhandlungen, die die griechische Regierung mit allen beteiligten Institutionen führt".

Unter diesen Institutionen hat der IWF eine besondere Stellung, weil er auf einer vorrangigen und pünktlichen Rückzahlung seiner Kredite besteht. Mitte vergangener Woche hatte Innenminister Nikos Voutsis jedoch gegenüber dem SPIEGEL angekündigt, man werde die nächste Rate möglicherweise nicht rechtzeitig nach Washington überweisen. Seitdem gab es in dieser Frage wiederholt widersprüchliche Angaben aus Athen. Nach SPIEGEL-Informationen hat der IWF angesichts der stockenden Gespräche seine Fachleute sogar vorübergehend aus Athen abgezogen. Varoufakis und Lagarde dürften also einiges zu besprechen haben.

Athen beschwört "wunderbare Zukunft" mit Russland

Der geplante Besuch in Moskau sorgt ebenfalls für heftige Diskussionen. Vorab beschwor Tsipras bereits eine "wunderbare Zukunft" mit Russland und begründete die Verbundenheit unter anderem durch den gemeinsamen Widerstand gegen Hitlerdeutschland. Zugleich bezeichnete er die in der Ukraine-Krise von allen EU-Ländern inklusive Griechenland beschlossenen Sanktionen gegen Russland als "sinnlos".

Tsipras' Äußerung stieß nicht nur bei Unionspolitikern und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) auf heftige Kritik. In der "Welt am Sonntag" warnt auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt Tsipras vor einer Annäherung an Russland: Die griechische Regierung sei "gut beraten, für kurzfristige Vorteile nicht die Spaltung Europas zu riskieren". Sie könne verstehen, wenn Tsipras mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über günstigere Energiepreise oder die Sanktionen reden wolle. "Was allerdings gar nicht geht, ist der Versuch, Griechenland zwischen Europa und Russland zu positionieren."

Zugleich signalisiert Göring-Eckardt, dass ihre Partei weitere Finanzhilfen für Griechenland unterstützen würde. "Wir sollten uns alle auf ein drittes Hilfspaket einstellen", sagt sie. "Ich sehe nicht, dass Griechenland schon im Frühsommer auf eigenen Beinen steht."

Damit rechnet wohl auch in Athen niemand. Doch zur Frage, wie lange Griechenlands finanzielle Reserven noch reichen, gab es zuletzt ebenfalls widersprüchliche Angaben. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass die Regierung wegen eines neuen Gesetzes auf erhöhte Steuereinnahmen hofft, die jedoch schwer vorherzusagen sind.

Regierungssprecher Sakellaridis zeigt sich dennoch optimistisch - auch mit Blick auf den Konflikt um Russland. "Die proeuropäische Haltung Griechenlands ist gesichert", sagte er dem TV-Sender Mega. Beim Besuch von Tsipras in Moskau gehe es allein um die bilateralen Beziehungen zwischen Griechenland und Russland.

dab/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 253 Beiträge
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Seite 1
roby 05.04.2015
1. Es ist legitim für eine demokratisch gewählte Regierung...
...und Pflicht... dass sie alle Möglichkeiten und Optionen prüft und ggfls. ausschöpft um die breite Verelendung der unteren Bevölkerungsschicht zu verhindern. Dabei darf sie sich nicht unter das Diktat einer Finanzdiktatur werfen, die lediglich die Interessen von Konzernen dient und der der Humanismus ein Fremdwort ist.... Europa hin, Europa her... ein Europa das den Humanismus vergessen hat, ist es nicht wert, weiter zu bestehen.
karlsiegfried 05.04.2015
2. Die Grünen, wie immer
Zitat: 'Zugleich signalisiert Göring-Eckardt, dass ihre Partei weitere Finanzhilfen für Griechenland unterstützen würde. "Wir sollten uns alle auf ein drittes Hilfspaket einstellen", sagt sie.' Nicht mit meinem Segen. Da sollen die Grünen mal ihre Parteikasse opfern, wenn das so wichtig ist!
deb2011 05.04.2015
3. Hilfspakete ...
Man sich die Artikel vor sechs oder sieben Jahren durchlesen, und dann ist man erstaunt, dass das alles so klingt, als wäre es gestern erst geschrieben. Wahrscheinlich gibt es noch ein 4., 5. und 6. Hilfspaket - irgendwann hört man auf zu zählen. Was bleibt ist die Wut, dass da Steuergelder sinnlos verprasst werden. Ja, sinnlos.
Robert Mitchum 05.04.2015
4. Die Methode ist doch
"weiter wie bisher". Auf dass die bisherigen Profiteure des Systems weiter auf Pump "bespaßt" werden. Ernsthafte Reformen geht die Linke doch gar nicht an, dazu müsste die Regierung doch an die Schwarzgelder des Establishments gehen. Wenn die Griechen Milliardensummen suchen - fragt in der Schweiz nach.
thermo_pyle 05.04.2015
5. Was für ein Quatsch !
Langsam ist es aber genug: Offenbar besteht kein Interesse an eigenen Steuereinnahmen, zu viele Gelegenheiten zu handeln blieben ungenutzt. Und nun labert Frau G.E. von den Grünen etwas von einem dritten Hilfspaket ?! Hiermit erhebe ich als deutscher Staatsbürger Anspruch auf ein erstes Hilfspaket, bescheiden wie ich bin reichen mir vorerst 3 Mio.€, Rückzahlung fest vorgenommen aber ungewiss, da ich nicht mehr erwerbstätig sein möchte... ;-)
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