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Beteiligung an Hilfsprogramm: Großbritannien lehnt Finanzhilfen für Griechenland ab

Das geplante Hilfsprogramm für Griechenland könnte Großbritannien eine Milliarde Euro kosten. Doch die Regierung in London wehrt sich gegen eine Beteiligung. Aus dem Finanzministerium heißt es: "Das ist ein Rohrkrepierer."

Premier Cameron: "Britische Unterstützung nicht hinnehmbar" Zur Großansicht
AP/dpa

Premier Cameron: "Britische Unterstützung nicht hinnehmbar"

Die Eurostaaten sollen das neue Hilfsprogramm für Griechenland allein stemmen. Großbritannien lehnt eine Beteiligung jedenfalls entschieden ab. Das hat Schatzkanzler George Osborne nach britischen Medienberichten vor dem Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag klargemacht.

"Unsere Kollegen von der Eurozone haben klar und deutlich die Botschaft erhalten, dass es nicht hinnehmbar wäre, in dieser Angelegenheit eine britische Unterstützung wieder aufzugreifen", verlautete aus dem Finanzministerium in London. "Die Vorstellung, das Geld britischer Steuerzahler für die neuste Vereinbarung mit Griechenland zu verwenden, ist ein Rohrkrepierer."

Die britische Regierung beruft sich auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 2010. Damals hatte Premierminister David Cameron die Zusage erhalten, dass der damalige Europäische Stabilitätsmechanismus (EFSM) aller EU-Staaten keine Hilfsprogramme für Euroländer mehr gewährt. Vielmehr sollen nur die 19 Eurostaaten für solche Hilfsprogramme geradestehen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker soll nun allerdings vorgeschlagen haben, den EFSM als zusätzliche Sicherheit für kurzfristige Kredite an Griechenland wiederzubeleben. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem bestätigte, dass man über ein Hilfsprogramm berate, an dem sich alle EU-Staaten beteiligen.

Der EFSM leiht sich Geld an den internationalen Finanzmärkten und nutzt das EU-Budget als Sicherheit. Großbritannien bringt eine Milliarde Euro in den EU-Haushalt ein - dieses Geld ginge im Falle eines griechischen Zahlungsausfalls verloren. Das Risiko hierfür wird in London als sehr hoch eingeschätzt.

Ein britischer Regierungssprecher sagte dazu, Cameron gehe davon aus, dass die Zusage von 2010 weiter gelte und der EFSM nicht mehr genutzt werde.

Cameron sieht sich einer wachsenden EU-Skepsis der Briten gegenüber. Deshalb hatte er vor seiner Wiederwahl im Mai versprochen, bis spätestens Ende 2017 ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten zu lassen. Um sein Land in der EU zu halten, bemüht er sich derzeit, günstigere Bedingungen für Großbritannien auszuhandeln.

Die Vereinbarung von 2010 hatte Cameron den Briten als großen Verhandlungserfolg präsentiert. Würde sie nun hinfällig, wäre der Premier blamiert.

syd/AFP

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insgesamt 458 Beiträge
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1. Recht hat er,
Greggi 14.07.2015
der David Cameron. Sollen doch die Euro-Traumtänzer ihre selbst eingebrockte Griechen-Suppe selber auslöffeln.
2. Schuldverschiebung
luciusvoldemort 14.07.2015
Nun bekommt Camaron den schwarzen Peter und Merkel ist die Karte los.
3. GB sagt nein zu GR Hilfe
eks2040 14.07.2015
Das ist die richtige wirtschaftliche Entscheidung. Und da GB ueber EU sowieso reden/verhandeln will, ist auch die politische Seite abgesegnet. Ich wuenschte, dass DE auch so denken koennte/wuerde... Karl
4. Clever
Whow 14.07.2015
Bisher habe ich von Cameron nicht viel gehalten. Der Mann ist Realist. Mein Respekt wächst. Wäre er ein deutscher Politiker, gäbe es eine Alternative bei der nächsten Bundestagswahl.
5. Hut ab, vor...
Eckfahne 14.07.2015
.... der Sicht der Briten auf die sich erneut anbahnende Geldvernichtung Richtung Athen. Dort, in London, sitzen die wahren Demokraten. Sie sagen klar und deutlich und auch rechtzeitig, was sie denken und wie sie handeln werden.
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