Von Georgios Christidis, Thessaloniki
Athen - Die Troika-Mission ist nach Griechenland zurückgekehrt. Doch dieses Mal ist alles anders: Keine Zeitung warnt auf ihrer Titelseite vor weiteren schmerzhaften Sparforderungen der internationalen Geldgeber. Kein Regierungsvertreter appelliert an die Drei-Parteien-Koalition, unpopuläre Reformen zu unterstützen. Auch scheint die Angst vor einer erneut zähen Prüfung verflogen. Von einem drohenden Austritt aus der Euro-Zone ganz zu schweigen.
Alle Blicke richten sich in diesen Tagen auf Italien. Nach dem Wahldebakel dort wächst die Sorge vor einem Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise. Die griechische Regierung dagegen ist zuversichtlich, dass die an diesem Montag gestartete Kontrollmission der Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) schon am 10. März beendet sein wird - und die Freigabe der kommenden beiden Tranchen aus dem Rettungspaket über 2,8 Milliarden Euro im März und weiteren sechs Milliarden Euro im April absegnen wird. Niemand scheint eine Wiederholung des Dramas der jüngsten, fünf Monate andauernden Troika-Mission zu fürchten.
Im Gegenteil, diesmal geht die Regierung in Athen gar in die Offensive. Sie will ihre Gläubiger zu einer Reihe von Zugeständnissen bewegen, von denen sie sich eine Linderung der Wirtschaftskrise erhofft. Dazu gehören niedrigere Mehrwertsteuern für Restaurants, der Einsatz von EU-Mitteln zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ein neues Gesetz, das verschuldeten privaten Haushalten Erleichterung verschaffen soll.
Reformen ohne Zugkraft
Doch diese Selbstgefälligkeit scheint unbegründet: Die griechische Wirtschaft steckt nach wie vor tief in der Rezession und wird 2013 zum sechsten Mal in Folge schrumpfen, voraussichtlich um weitere 4,5 Prozent. Laut jüngsten Zahlen sind 27 Prozent der Griechen arbeitslos, bei den unter 24-Jährigen sind es sogar 62 Prozent. Viele fürchten bereits ein "Bulgarien-Syndrom" - in Anspielung auf die gewalttätigen Ausschreitungen und die Anti-Spar-Demonstrationen, die die Regierung des nördlichen Nachbarn in der vergangenen Woche zum Rücktritt gezwungen haben.
Darüber hinaus tritt das Versagen der Regierung in Athen bei der Umsetzung der versprochenen Reformen immer deutlicher zutage:
Woher rührt also die neue griechische Sorglosigkeit? Regierungschef Antonis Samaras setzt darauf, dass Griechenland im Juni über den Berg sein wird, sollte die Regierung bis dahin durchhalten. Abgeordneten sagte der Premier vergangene Woche: "Wenn wir es bis zum Sommer schaffen, werden wir im September durchstarten." Sein Kalkül: Eine gute Urlaubssaison könnte die Wirtschaft befeuern - Prognosen gehen für dieses Jahr von einer Rekordmarke bei der Zahl der Touristen aus. Gleichzeitig zählt die Regierung in Athen bereits ungeduldig die Tage bis zur Bundestagswahl in Deutschland. Die Erwartungen sind hoch, dass eine neugebildete Bundesregierung einem Schuldenschnitt für öffentliche Gläubiger zustimmen könnte, um Griechenlands Schuldentragfähigkeit wiederherzustellen.
Samaras ist sich durchaus bewusst, dass sechs Monate in der Politik einer Ewigkeit gleichkommen. Er möchte das Vertrauen aufrechterhalten, das seine Regierung in Europa zu genießen scheint, und Missstände anpacken. Griechischen Regierungsvertretern zufolge wird die Troika erneut sofortige Entlassungen fordern, sollten die Vorgaben beim Abbau des öffentlichen Dienstes nicht erreicht werden.
Samaras dürfte hier Zugeständnisse machen. Öffentlich hat er bereits seinen Frust über die schleppenden Reformen zum Ausdruck gebracht; eine Kabinettsumbildung steht offenbar unmittelbar bevor. Es wird erwartet, dass Samaras Minister entlassen wird, die sich als unfähig oder unwillig - oder beides - erwiesen haben, das Rettungspaket umzusetzen. Das Stühlerücken im Kabinett wird für Anfang März erwartet.
Übersetzung aus dem Englischen: Florian Diekmann
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