Eurostat-Zahlen Griechenland reißt Defizitgrenze erneut

Das hoch verschuldete Griechenland hat sein Haushaltsdefizit zwar weiter stark verringert - für die Erfüllung der Euro-Kriterien reicht es aber noch nicht.

Flaggenverkauf in Athen: Griechenland spart erfolgreich
AFP

Flaggenverkauf in Athen: Griechenland spart erfolgreich


Griechenland hat sein Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr wieder besser in den Griff bekommen und stark gedrückt: Die Neuverschuldung betrug im vergangenen Jahr 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung nach 12,3 Prozent zuvor, berichtete das Europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg.

Im laufenden Defizit-Strafverfahren hat das Krisenland noch bis 2016 Zeit, die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent einzuhalten. Defizitsünder Frankreich kam im vergangenen Jahr auf vier Prozent Neuverschuldung. Die zweitgrößte Volkswirtschaft bekam von den EU-Partnern bereits eine neue Frist bis 2017, um die Defizitgrenze von drei Prozent wieder zu respektieren.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatte in einem Medienbericht gesagt, Griechenland und seine Geldgeber seien noch weit von einer Abmachung über ein Reformpaket entfernt. Die Verhandlungen zwischen Experten hätten begonnen, "sich in die richtige Richtung zu bewegen, aber es ist noch ein langer Weg zu gehen", sagte Juncker der neuen Brüsseler Ausgabe des US-Politikmagazins "Politico".

Ohne eine Verständigung auf eine Reformliste können rund 7,2 Milliarden Euro blockierte Hilfsgelder nicht nach Griechenland fließen. Bei den Reformen geht es unter anderem um einen verstärkten Kampf gegen die Steuerflucht oder die Privatisierung von Flughäfen oder Häfen.

Juncker schloss erneut aus, dass Griechenland seine Schulden nicht bezahlen könne und aus der Eurozone ausscheiden müsse. "Wir sind auf alle Arten von Ereignissen vorbereitet, aber ich schließe zu 100 Prozent solch einen Grexit oder den griechischen Austritt aus", so der Behördenchef. Juncker war acht Jahre lang Chef der mächtigen Eurogruppe und kennt deshalb die Details der Rettung Griechenlands vor der Pleite.

nck/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 81 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
localpatriot 21.04.2015
1. Herr Juncker war dabei
Also, nicht aufregen. Erstens ist ein Ueberschreiten der Defizitgrenze von 0,5% eher ein Kavaliersdelikt wenn man es mit Frankreich oder Zypern vergleicht. Und zweitens läuft ja alles bestens. Herr Juncker hat die Sache schon immer im Griff und man sollte seiner Ruhe folgen und hoffen, dass sich in Berlin niemand aufregt und wieder seltsame Sachen redet welche die Griechen ärgert. Gut gemacht Herr Juncker. Sie sind nun im Fahrersitz. Und für Berlin: Ruhe (schweigen) ist des Deutschen erste Pflicht.
RenegadeOtis 21.04.2015
2. Nunja
Damit ist Griechenland besser als Frankreich, Irland, Portugal, Slowenien, Kroatien, Großbritannien, Spanien und Zypern. :D
PerIngwar 21.04.2015
3. Schweigen?
Zitat von localpatriotAlso, nicht aufregen. Erstens ist ein Ueberschreiten der Defizitgrenze von 0,5% eher ein Kavaliersdelikt wenn man es mit Frankreich oder Zypern vergleicht. Und zweitens läuft ja alles bestens. Herr Juncker hat die Sache schon immer im Griff und man sollte seiner Ruhe folgen und hoffen, dass sich in Berlin niemand aufregt und wieder seltsame Sachen redet welche die Griechen ärgert. Gut gemacht Herr Juncker. Sie sind nun im Fahrersitz. Und für Berlin: Ruhe (schweigen) ist des Deutschen erste Pflicht.
Nur schweigen? Sie haben etwas Essientelles vergessen: Schweigen und zahlen.
hei-nun 21.04.2015
4. Troika
Man kann zur Troika stehen wie man will, aber die Neuverschuldung ging wohl durch deren Maßnahmen erheblich zurück und es wurde ein Primär-Überschuss erreicht. Das muss die neue Regierung erst einmal schaffen. Zur Zeit gibt es keinen Primär-Überschuss mehr und die Neuverschuldung wird mit den neuen oder korrigierten Maßnahmen (Renten, Beamte) wieder steigen !
kippelman 21.04.2015
5. Herr Juncker
geht mir gewaltig auf den Geist. Was bildet der sich eigentlich ein, immer wieder neue Garantiesprüche abzulassen, zu denen er gar nicht berechtigt ist - er hat nämlich nicht darüber zu entscheiden ob Geld freigegeben wird oder nicht. Dieser Mann ist für solche Garantien schlicht nicht zuständig, reisst seine große Klappe aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf. Das ist inkompetent und untragbar! Den SPON-Artikel mit "Griechenland spart erfolgreich" zu überschreiben ist übrigens eine absolute Irreführung - das bezog sich nämlich auf eine mittlerweile nicht mehr im Amt befindliche Regierung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.