Brüssel/Athen - Zocker stellen sich bereits auf die nächste Rettungsaktion für Griechenland ein. Dabei spielen ihnen die langwierigen Verhandlungen der Euro-Retter in die Hände. Denn während die Politiker noch diskutieren, bereiten sich Hedgefonds bereits auf mögliche Szenarien vor, etwa einen Schuldenrückkauf.
Die Idee: Die Regierung in Athen könne mit geliehenem Geld eigene Staatsanleihen auf den Finanzmärkten zurückkaufen und so seine Schuldenquote drücken. Bis vor einigen Monaten wurden griechische Schuldtitel auf den Finanzmärkten weit unter ihrem Nominalwert gehandelt. Der Haken: Stellt sich der Markt auf das Vorhaben ein, steigen die Kurse und der Rückkauf wird teurer.
Die Spekulationen über einen Rückkauf treiben die Kurse griechischer Staatsanleihen bereits wieder in die Höhe. Während die Euro-Retter vor sich hinwursteln, sind viele Finanzspekulanten schon längst wieder in den griechischen Anleihemarkt eingestiegen. Das sei ein absoluter "No Brainer" gewesen, sagte Hans Humes, Chef des Hedgefonds Greylock Capital aus New York. Frei übersetzt: Wer beim Zocken mit den Griechen-Bonds nicht dabei ist, ist selbst schuld. Humes' Rechnung ging auf: Er konnte seinen Einsatz binnen weniger Monate mehr als verdoppeln.
Profi-Investoren wie Greylock, Third Point, Fir Tree Partners oder Appaloosa Management sollen sich bereits seit dem Sommer nach dem Schuldenschnitt für Griechenland in großem Stil mit Anleihen eingedeckt haben. Die Gelegenheit war günstig. Anfang Juni wurden Papiere mit zehnjähriger Laufzeit noch zum Kurs von weniger als 15 Punkten gehandelt. Das heißt, eine Forderung im Nominalwert von einem Euro konnte für unter 15 Cent eingekauft werden. Doch um sie einlösen zu können, muss der Schuldner bis zur Endfälligkeit zahlungsfähig bleiben. Bei Griechenland galt das bis vor kurzem noch als höchst ungewiss.
Die Hedgefonds gehen wohl als Gewinner hervor
Mittlerweile rechnen Spekulanten aber fest damit, dass die Pleite Athens verhindert wird. "Offensichtlich kann sich kaum jemand vorstellen, dass es der Euro-Gruppe letztlich nicht gelingt, weitere Mittel bereitzustellen", sagte Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz.
Weil die Zocker sich wieder sicher fühlen, findet seit Mitte der Woche eine regelrechte Kursrallye statt. Mittlerweile liegen zehnjährige griechische Anleihen wieder bei über 35 Punkten. Das heißt auch: Für Griechenland wäre ein Schuldenrückkauf inzwischen sehr viel teurer als noch vor ein paar Monaten. Und Hedgefonds würden für ihre Risikofreude belohnt.
Aus dem Finanzministerium in Athen hieß es, man bereite bereits einen derartigen Anleihenrückkauf vor. Sollten die Finanzminister der Euro-Staaten dem Vorhaben zustimmen, könnte er bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Idee: Athen erhält Geld aus dem Euro-Rettungsfonds und nimmt Investoren die Papiere damit deutlich unter Nominalwert ab.
Euro-Retter hoffen auf Einigung am Montag
Durch den Rückkauf der alten Schulden zu einem geringeren Wert würde die Schuldenquote sinken. Dann wiederum könnten die Euro-Retter weitere Hilfsgelder für Athen rechtfertigen. Griechenland wartet auf die nächste Hilfstranche, doch die Geldgeber streiten darüber bis wann das Land wieder eine tragfähige Schuldenlast erreichen soll. Am Freitag hieß es aus Athen, der Internationale Währungsfonds (IWF) habe nun eingewilligt, den Schuldenstand bei 124 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 als tragfähig zu erachten. Eigentlich war ein Ziel von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angepeilt worden.
Mit dem Zugeständnis des IWF rückt eine Einigung über die Hilfen für Griechenland näher. "Ich bin der Meinung, dass wir am Montag zu Potte kommen müssen", sagte der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker. Zu Wochenbeginn treffen sich die Euro-Finanzminister, um über die Fortführung des Hilfsprogramms für Griechenland und die Auszahlung weiterer Gelder in Höhe von mindestens 31,5 Milliarden Euro zu entscheiden.
Um den Schuldenstand des Landes zu drücken sind neben einem Anleihenrückkauf auch niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten für bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland im Gespräch. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) soll offenbar auf Gewinne verzichten und die Schulden des Landes so verringern. Wie aus dem griechischen Finanzministerium verlautete, wird erwogen, mit neun Milliarden Euro aus EZB-Gewinnen die Schuldenlast zu drücken. Dabei gehe es um EZB-Buchgewinne aus Geschäften mit griechischen Anleihen, die über die nationalen Notenbanken an das klamme Land überwiesen werden könnten.
mmq/dpa-AFX/Reuters
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