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Griechenland-Hilfe: Rettungsplan beflügelt Finanzmärkte

Die Einigung auf den Rettungsplan für Griechenland hat die Finanzmärkte in Asien beflügelt. Der Dax kletterte zu Handelsbeginn auf den höchsten Stand seit September 2008, die Risikoaufschläge für Anleihen des hochverschuldeten Landes sanken spürbar. Für Griechenland ist die Krise damit aber noch nicht überwunden.

Börse in Athen: Risikozuschläge sinken kräftig Zur Großansicht
AFP

Börse in Athen: Risikozuschläge sinken kräftig

Washington - An Unterstützung für den Rettungsplan fehlt es nicht: IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn applaudierte, EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi äußerte sich erleichtert, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker wies noch einmal alle Einwände gegen die Initiative zurück.

"Der IWF steht bereit, sich an den Anstrengungen zu beteiligen, dazu gehört ein über mehrere Jahre laufendes Bereitschaftskreditabkommen", sagte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington. Der Beschluss sei ein "sehr wichtiger Schritt". Ein Team des Internationalen Währungsfonds wolle sich am Montag mit Vertretern von Griechenland, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) treffen. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker betonte im Deutschlandfunk, das Hilfsprogramm der 16 Staaten für das massiv verschuldete Griechenland sei vertrags- und marktkonform. Eine Schwächung des Euro schloss Juncker aus.

Das sahen offensichtlich auch die Investoren genauso. Der Kurs des Euro Chart zeigen stieg am Montag auf den höchsten Stand seit dem 18. März. In der Spitze lag die Gemeinschaftswährung im frühen Handel bei 1,3691 US-Dollar. Vor dem Wochenende hatte der Euro noch unter der Marke von 1,35 Dollar notiert. "Nachdem sich die Euroland-Staaten auf die genauen Konditionen der Kredithilfen für Griechenland geeinigt haben, wird heute eine Welle der Erleichterung durch die Finanzmärkte gehen", erwartet die HSH Nordbank.

Kreditlinie beträgt bis zu 45 Milliarden Euro

Die Euroländer wollen Griechenland notfalls mit bis zu 30 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Zusätzlich sind Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) geplant. Die Länder wollen sich an den Griechenland-Hilfen in Abhängigkeit von ihrem Anteil am Kapital der Europäischen Zentralbank (EZB) beteiligen. Auf Deutschland entfielen demnach rund 19 Prozent der zu zahlenden Summe.

Bislang hat Griechenland aber keine Hilfen beantragt. Im ersten Jahr steht dem Land somit eine Kreditlinie von bis zu 45 Milliarden Euro zur Verfügung. Dies ist mehr als der gesamte Refinanzierungsbedarf des Landes in diesem Jahr. Der Zins für die möglichen Kredite liege bei rund fünf Prozent. Zuletzt hätte Griechenland an den Märkten mehr als sieben Prozent bezahlen müssen. Die Kurse deutscher Staatsanleihen gingen zurück. Deutsche Anleihen waren zuletzt immer wieder als sicherer Hafen gesucht.

Die Konditionen im Detail
Volumen
Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.
Zinshöhe
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche längerlaufende Anleihen würde der Euribor auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet. Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.
Hilfsanfrage
Die griechische Regierung hat Ende April Hilfe von den EU-Partnern angefordert. Der Grund: Griechenland kann sich nicht mehr ausreichend am Kapitalmarkt finanzieren. Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank haben sich für das Sicherheitsnetz ausgesprochen. Die letzte Entscheidung liegt nun bei den Finanzministern der Euro-Zone, die einstimmig die Auszahlung der Hilfe beschließen müssten.
Auflagen
Griechenland müsste bei Zuweisung der Hilfen noch strengere Auflagen erfüllen als jetzt schon mit seinem drastischen Spar- und Reformprogramm. Welche Bedingungen das wären, ist offen.

Risikozuschläge für griechische Schuldtitel sinken

Am Morgen lag die Rendite von zehnjährigen griechischen Staatsanleihen mit 6,66 Prozent deutlich unter dem Rekordniveau von rund 7,4 Prozent in der Vorwoche. Der Risikoaufschlag verringerte sich am Morgen auf 3,56 Basispunkte, während er in der vergangenen Woche mit über 4,50 Punkten zeitweise auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro geklettert war. Bereits am Freitagabend hatten Spekulationen auf eine Einigung in der Euro-Zone die Risikoaufschläge deutlich sinken lassen.

Griechische Staatsanleihen mit bis zu drei Jahren Restlaufzeit sollten laut Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer eindeutig profitieren. Allerdings dürften die Renditeabstände wegen der nach wie vor vorhandenen langfristigen Risiken nicht auf das Niveau von vor der Krise zurückgehen. Das in Aussicht gestellte Hilfspaket für Griechenland sei mit einer Laufzeit von drei Jahren länger als erwartet, es werde viel Geld zur Verfügung gestellt und der Zinssatz liege unterhalb des Marktzinses.

Beflügelt von neuem Optimismus durch den Notfallplan für Griechenland ist auch der Dax auf den höchsten Stand seit September 2008 geklettert. Im frühen Handel stand der deutsche Leitindex mit 0,29 Prozent im Plus bei 6267,64 Punkten, sein Neunzehnmonatshoch hatte der Dax Chart zeigen zur Eröffnung bei 6285 Punkten markiert. Die Bankenwerte zählen laut Händlern dank der Griechenland-Hoffnung zu den Favoriten. Commerzbank-Aktien Chart zeigen kletterten mit plus 1,86 Prozent auf 6,46 Euro an die Dax-Spitze, Deutsche-Bank-Papiere Chart zeigen legten 1,46 Prozent auf 58,93 Euro zu.

mik/dpa-AFX/ddp/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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1. Es geht aufwärts pur!
running_on_empty 12.04.2010
Ui, jetzt ist aber richtig Optimismus angesagt...;-) Ist doch alles viel zu früh: ob die Märkte einem weiteren durchsichtigen Versuch, sie froh zu stimmen, auf Dauer beipflichten läßt sich heute morgen doch in ungefähr so gut wie der Wetterverlauf der nächsten vier Wochen aufgrund des halbstündigen ungetrübten Sonnenscheins am Himmel vorhersagen. Man denke nur an die letzte GR - Anleihe: euphorisch nach Ausgabe bejubelt (auch von SPON), drei Tage später gab's dicke Katerstimmung.
2. Haha
dr.edi 12.04.2010
Man nennt die Griechen korrupt!? Und dann zieht man ein solches Possenspiel durch? Also für die Politiker, Banker, IWF und Konssorten reicht Fakelaki eigentlich nicht mehr, auch korrupt (das klingt nicht kriminell genug)triffts nicht, man benötigt eigentlich ein neues Wort. Ich plädiere das die Bürger der Welt sämtliche Risiken auf sich nehmen und alle Märkte bis in alle ewigkeit retten. Pauschal versteht sich. Dann müssen Ratingagenturen nicht dauernd ihre Bewertung abgeben und die Anleger und Spekulaten nicht jeden Tag neue Aktien kaufen (heute Italien morgen Thailand), das erspart allen Mühe. Fragt sich nur wer dann die Bürger rettet!? Bis zur nächsten Krise und Rettung.
3. Wow, wer hätte das gedacht...
balihai 12.04.2010
warum nur spielen unsere Oberhelden in Berlin nicht gleich mit offenen Karten? Das Kasperletheater der vergangen Wochen wurde doch sowieso von keinem Bürger für ernst genommen. Aber warum sie hierzu jedem noch den Volltrottelstempel aufdrücken müssen schreit in der Theorie nach Vergeltung. Sponsoring by german "Volltrottel" lautet der Slogan. Mir platzt gleich der Hals.... 45 Milliarden absoluter Hilfe... und knapp 19% stammen natürlich von uns, wahrscheinlich wie bereits erwartet der absolut größte Anteil. ... Und wie man natürlich auch bereits vorab vermuten konnte, nicht zu den derzeit marktüblich Zinsen sondern darunter. Ich wusste garnicht das unser Oberschatzmeister noch so viel in seiner Portokasse hat. Er wird es doch wohl nicht selbst leihen müssen? Dann wahrscheinlich zu den derzeit marktüblichen Zinsen, liege ich da richtig? Macht nur so weiter...
4. Verfassungsbeschwerden
fsiggi2 12.04.2010
Da der geforderte Zins erheblich unter dem Marktzins liegt, verstößt der Plan gegen die No-Bailout Klausel. Da wird wohl das Bundesverfassungsgericht eingeschaltet werden. Im Maastricht-Urteil ist die Klausel eine conditio sine qua non, das Urteil dürfte also interessant werden...
5. Sandkasten
lalito 12.04.2010
Zitat von sysopDie Einigung auf den Rettungsplan für Griechenland hat die Finanzmärkte in Asien beflügelt. Der Dax kletterte zu Handelsbeginn auf den höchsten Stand seit September 2008, die Risikoaufschläge für Anleihen des hochverschuldeten Landes sanken spürbar. Für Griechenland ist die Krise damit aber noch nicht überwunden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688422,00.html
"Für Griechenland ist die Krise damit aber noch nicht überwunden." Richtig. Knapp zehn Milliarden Kredit aus Germany bei fünf Prozent, Peanuts - wer regt sich denn über sowas auf?
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Steckbrief: Griechenland

Schuldenquote: 112,6 Prozent des nationalen BIP

Haushaltsdefizit: 12,7 Prozent des nationalen BIP (2009)

BIP-Wachstum: -1,1 Prozent (Prognose 2009)

Anteil am BIP der Euro-Zone: 2,6 Prozent (2008)

Quelle: EU-Kommission


Getty Images
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